Myrkur (2014) - ein Review von metal lounge

Myrkur: Myrkur - Cover
1
Review
4
Ratings
7.75
∅-Bewertung
Typ: Single/EP
Genre(s): Metal Black Metal


27.03.2015 00:25

MYRKUR ist ein Projekt, das sich bewusst mysteriös gibt, und da helfen auch die Leute von Relapse Rec. auf dem Aufkleber zur Platte mit: "Emerging from the darkness of Scandinavia comes the much anticipated debut EP by one-woman black metal band MYRKUR. For Fans of Ulver, Alcest and Deafheaven." Das werden nicht viele Menschen gewusst haben mit Ausnahme gut informierter Untergrundler (Und, klar, Spex Mitarbeiter!!; s. Beitrag auf Sampler). Kann denn eine Person eigentlich eine Band sein?

Elbenhafter Gesang eröffnet das Werk, das kann Frau Myrkur sehr schön, dann bricht auch gleich das instrumentale Unheil auf die Hörer herein. Roh, verwaschen, Gitarrenflirren alter Black Metal Schule, Raserei, alles eher simpel gehalten. Das mag auf seine Weise alles andere als weltbewegend sein, aber diese Kombination mit den klaren Frauengesängen, die eben nicht nur mal schmückendes Beiwerk sind, das ist schon was eigenes. Und es passt tatsächlich zusammen. Der elbenhafte Gesang eröffnet das Werk ja nicht nur, er ist beständiges prägendes Element. Wir haben es hier wie beschrieben ja nicht mit Kitsch-Geträller zu Hochglanz-BM zu tun. Nein, ich sag's noch mal, das ist schon was ganz eigenes, das MYRKUR da machen/macht. Zumindest für mich, und sicher viele andere Genrefans auch. Ich weiß nicht, ob man das etwas überstrapazierte Wort "authentisch" bemühen sollte, aber die Musik klingt auch nicht gekünstelt.

Akustikgitarren gibt's auch mal, ebenso gelegentliches Gekeife, wohl auch von Frau Myrkur. So ganz allein ist sie dann aber doch nicht auf der Platte zu hören, das Back Cover nennt für Bass und Drums weitere Namen (Rex Myrkur). Sei's drum, schmälert ja die Stimmung nicht.

Was gibt's noch zu sagen?
Elbenhaft trifft die Sache nicht ganz, sakral möchte ich die Gesänge auch nicht nennen, ebensowenig okkult.
Irgendwie folkloristisch anmutend (so gut kenn' ich mich da auch nicht aus), und mystisch (man versteht ja auch kein Wort).
Manchmal wird der Fluss der Songs etwas eigenwillig unterbrochen, eine (gute/effektive) Songidee nicht weitergeführt. Das stört aber nur bedingt.
Ulver? Ja, auf jeden Fall, alte natürlich. Alcest? Auch. Deafheaven? Kenn' ich nicht.


Die Aufmachung von Orion Landau ist nicht gerade Black Metal Standard und durchaus ansprechend, was die Sache weiter interessant macht. Die Frauenfigur erscheint ja eher wie eine Mischung aus Madonnenbild und jungem Nick Holmes. Beim Fixieren des Gesichts (warum eigentlich) fällt mir grad auf, dass das Antlitz mit geschlossenen Augenlidern beinahe zu einem geisterhaften Wesen mit leeren Augen mutiert. Absicht? Zufall? Stimmt gar nicht? Einmal gesehen, sieht man das dann aber immer so.


Ein absolut spannendes Debut. Wer auf der Suche nach ungewöhnlichen, originellen und auch guten Veröffentlichungen im Black Metal ist, sollte mal reinhören. Aber ganz klar noch ausbaufähig, ein zeitloses Werk liegt hier ganz sicher nicht vor. Ob da wohl noch was Großartiges ansteht?
Erst mal starke acht Punkte.

Punkte: 8 / 10


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