Splash (2014) - ein Review von noiseagain

7for4: Splash - Cover
1
Review
1
Rating
8.50
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Rock Progressive Rock


22.09.2014 00:33

Musik ist eine Philosophie.

"Splash" heißt das neue, vierte Album der Münchner Instrumental-Progger 7 FOR 4. Der Kopf dieser Band ist Wolfgang Zenk vom Münchner Gitarreninstitut für professionelle Gitarrenausbildung: MGI. Und so gibt es natürlich gitarrenzentrierte Musiker-Mucke zu hören, die während der zweiundfünfzigminütigen Laufzeit quasi permanent Kinnladen runterklappen lässt. Zenk hat einmal für SIEGES EVEN gespielt, eine Band, deren Werk mit zum Abstraktesten zählt, was ich so an Proggigem kenne. Ganz so kniffelig ist es bei 7 FOR 4 aber gar nicht, wobei natürlich der Zugang schaffende Faktor Gesang hier komplett fehlt. Wie schon auf den (mir nicht bekannten) Vorgängeralben "Contact", "Time" und "Diffusion" gibt es wieder eine furiose Musik-Mischung querbeet durch alle Stile zu hören.

Der Opener 'Junk Funk' ist ein höchst agiler funky Fusion-Mix mit wilden Gitarrensoli und Bläsern. 'Fortune' ist rhythmisch und harmonisch hochkomplexer Instrumental-Prog, der tatsächlich etwas an ältere SIEGES EVEN erinnert. Das kurze 'Downhill' ist eine rasante Abwärtsfahrt mit einigen neo-klassichen Ausflügen. Und 'If Only' schlägt dann auch einmal zarte Töne an. Man erfährt hier gar, gerade aufgrund mancher Gitarrenparts, so etwas wie Instrumental-Progger-Epik.
Natürlich ist "Splash" zuallererst an die Liebhaber solch frickeliger Klänge gewandt, doch Zenk vermag seine Musik auch immer wieder so zu elaborieren, dass neben dem vordergründigen Gniedelspass auch etwas mehr hängen bleibt. Das ist weniger eine konkrete Melodie, sondern eher ein positives Hörgefühl. Die Klänge sind doch meist sehr farbenfroh und strahlen damit Zuversicht und Hoffnung aus. Mehr Dur als Moll also, mehr Melodie als Härte, mehr Finden als Suchen, das ist, was nach dem Hören von "Splash" in Erinnerung bleibt. Kleine Ausnahme hierbei, aber meines Erachtens auch Höhepunkt der Scheibe ist das Schlussstück 'Doubt And Ask': Hier wird es nach träumerischen Pianoakkorden ein musikalisches Frage-und-Antwort-Spiel mit ständig wechselnden Stimmungen und Harmoniken gespielt, das sogar ein wenig an 'Learning To Live' von DREAM THEATER erinnert. Dazu wird an perfekter Stelle eine Sprechstimme eingefügt, die fragt, ob die Wissenschaft jemals die Fragen nach allen Wundern des Seins aufklären könne. Darauf steigert sich die Band in einen prog-metallischen Melodienrausch, den auch das Traumtheater nicht besser hätte zelebrieren können.

Ja, die Musik von 7 FOR 4 ist ähnlich intellektuell vertrackt wie das Sinnieren über philosophische Fragen. Wer sich gerne damit beschäftigt, wird seinen Spaß an "Splash" haben. Garantiert.

www.powermetal.de, 25.08.2014

Punkte: 8.5 / 10


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