Slaves And Masters (1990) - ein Review von Lord

Deep Purple: Slaves And Masters - Cover
2
Reviews
26
Ratings
7.48
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Rock Hardrock


Lord Avatar
11.09.2013 09:51

Ich kann mir nicht helfen, doch für mich ist dieses - wahrlich nicht sonderlich klassische - Deep Purple Album verdammt weit vorne im Back-Katalog der Band. Logisch, mit dem was DP in den glorreichen 70ern ausgemacht hat, kann man das Album natürlich messen, vergleichen oder irgendwie assoziieren. Es klingt klingt weder nach "Fireball", "Stormbringer" oder "Come taste the band" - die alle sehr unterschiedlich und eigen klingen - und schon gar nicht nach dem massiven "In Rock". Dann doch eher wie Rainbow in den späten 70ern/frühen 80ern. Joe Lynn Turner, der pomadige Italo-Ami, den DP hier rekrutiert haben, stand neben Blackmore ja auch schon auf Rainbow-Stages... Einer von Unzähligen!

Das Album ist also eine Mischung aus Rainbow und "Perfect strangers" - ich finde diese Mischung erstens attraktiv und zweitens sehr gelungen umgesetzt. Turner singt göttlich, die Melodien gehen gut in's Ohr - leider ist die Produktion etwas popig geworden, doch zum Glück nicht so schlimm wie auf "House of the blue light", dem Vorgänger von 1987 mit Ian GIllan.

Highlights hat die Platte einige zu verzeichnen:

-Angefangen sicher mit der Single "King of dreams", das mich sogar etwas an "Perfect strangers" erinnert, jedoch auch diese Blackmore-typische Atmosphäre alter Rainbow-Songs wie "Gates of Babylon" aufweist und aufgreift. Wunderbarer Song mit sehr starkem Refrain!

-Herausragend ist sicher auch die wunderschöne, zerbrechliche Ballade "Love conquers all". Für mich eine der schönsten und ergreifensten Rockballaden ever und sicher on top was die 90er angeht!
Blackmore mag ja gar nicht was aus dem Song gemacht wurde - ursprünglich nur auf seiner akustischen Gitarre und mit Lord an den Keys vorbereitet, wurde daraus eine pompöse Ballade mit Streichern und allem drum und dran. Mich stört das jedoch 0,00, denn die Schönheit und krasse Melancholie dieses Ausnahmesongs treiben auch nach 23 Jahren noch Tränen in meine Augen, wenn ich ihn an mich ran lasse. Ähnlich wie in "Wasted sunsets" vom 1984er "Perfect strangers" Album spielt Ritchie in dem gefühlvollen Solo all seine Trümpfe aus - lässt die Gitarre sprechen und weinen, so scheint es. Wunderwunderschön, rührend. Der undurchschaubare, oft miesepetrige Man in Black zeigt in solchen Momenten, was in ihm abgeht, sein vielleicht wahres Gesicht - und das kann nichts schlechtes sein! Dafür sind hier zuviele feelings am Start!

-Ebenfalls weit vorne ist die Powerballade "Truth hurts"! Natürlich hat gerade ein solcher Songs nichts mit den Wurzeln von DP gemein - das heisst aber nichts. 1990 ist nicht 1970. Wunderbarer Song, in dem Turner songdienlich und unter die Haut gehend sein Organ einzusetzen vermag. Mir verursacht der Track Gänsehaut - der Mann scheint zu leiden und sich 100%ig in den Song begeben zu können. Man hört die Leidenschaft, man spürt die Gefühle. Denn ebensolche vermag der Song in mir auszulösen. Auch Blackmores Beiträge schürfen musikalisch tief!

-Auch ganz weit vorne, vielleicht sogar in den Top 5 aller Songs nach der Reunion von 1984 ist "The cut runs deep". Lord leitet brillant ein mit seinem Piano, ehe Blackmore mit einem Killerriff um die Ecke kommt. Der Song befindet sich schon fast im Uptempo-Bereich und auch hier glänzt wieder Joe Lynn Turner mit seiner fantastischen und kraftvollen Stimme! Wunderbar.

-Zum Abschuss gibt es mit "Wicked ways" nochmal einen Killer mit weittragendem Refrain. Ebefalls 100%ig gelungen.

Was bei der Platte auffällt ist die Melancholie in den Songs. Anders als bei sämtlichen Purple-Alben. Liegt es an Turner? Dessen Stimme vielleicht einfach diesen Nerv trifft..? Wenn ich an "I surrender" von Rainbow denke, könnte das schon sein.
Ausfälle gibt es keine - man kann aber schon sagen, dass Lord sich sehr zurück nimmt und fast etwas unter geht. Songdienlich - wie auch schon auf "Stormbringer".

Für mich schleierhaft, warum sie mit Turner nur dieses eine Album gemacht haben - ich hätte anstelle von "The battle rages on" lieber nochmal ein Depp Rainbow Album gehabt!
Es war zudem das erste mal, dass ich DP live erleben durfte und es hat mich umgehauen.
"Slaves and masters" ist ein starkes Produkt, grad für die schwachen late80s/early 90s, wo man sich vieles schlicht nicht anhören kann - dafür ist es ein Meisterwerk des Hardrock.
Da ich durch dieses Album auf Deep Purple kam, zumindest so richtig, liebe ich es auch innig! Damals mit "Burn" auf der Rückseite des Tapes - so wundert es keinen, dass diese beiden, eigentlich unpopulären DP Album, neben "Fireball" und natürlich dem monumentalen "In Rock" bei mir in der Topliste von DP rangieren.

9 Punkte!

Punkte: 9 / 10


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