Evidence (2013) - ein Review von frankjaeger

Taylor's Universe: Evidence - Cover
1
Review
1
Rating
8.00
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Rock Progressive Rock


frankjaeger Avatar
30.03.2014 21:30

Harmonische Pölser-Fusion!

Dänemarks führender Prog-Jazz-Fusion-Musiker Robin Taylor schlägt wieder zu. Ganz ehrlich, den Überblick über seine Diskographie habe ich schon vor einiger Zeit verloren. Nun gibt es eben wieder noch ein Album von ihm, diesmal unter dem Banner TAYLOR'S UNIVERSE. Soweit, so unspektakulär. Dass er mal wieder die Creme de la creme der Musikszene unserer nördlichen Nachbarn, in der ich mich zugegebenerweise nur wenig auskenne, einbestellt hat, ist auch noch nicht wirklich außergewöhnlich.

Üblicherweise erwarte ich nun ausufernde Dudeleien. Vier Tracks, 44 Minuten. Man scheint genau das zu tun, worauf ich mich eingestellt habe. Allerdings muss ich erst einmal recherchieren, denn mein Eindruck von Taylor war eigentlich viel frickliger (ich muss allerdings feststellen, dass mein letzter Kontakt mit Taylor auch schon acht Jahre zurückliegt)! Statt dessen gibt es auf "Evidence" tatsächlich eher Songs denn eine Aneinanderreihung von Jams. Zurückhaltend und spärlich instrumentiert klingt das Album eher melancholisch und mäandriert fast gar nicht. Zudem gibt es im zweiten Song 'Red Afternoon' sogar Gesang, beigesteuert von Louise Nipper, und ein paar feine, akzentuierte Instrumentalpassagen, die nie ins befürchtete Gedudel abdriften, sondern eher ein feines, unaufgeregtes Duell zwischen Gitarre und Keys darstellen. Da muss man mitwippen und zuhören, es ist fast schade, wenn der Song dieses Duell nach Minute vier verlässt und sich weiterentwickelt. In ein Gitarrensolo. Mit Keyboard-Background. Okay, auch nicht schlecht.

Vier nahezu durchgehend instrumentale Kompositionen von der Speerspitze der dänischen Fusionszene, das ist die Quintessenz von "Evidence". Die Überraschung ist, dass die Stücke allen Instrumenten Platz zum Atmen lassen, es keine wilden Passagen gibt, sondern eher ein unaufgeregtes, genießerisches Schwelgen in Harmonien und Folgen, bei dem die Töne ausklingen und in ihrer eigenen Brillanz strahlen dürfen. Die Spannung entsteht durch einzelne Noten, durch Tonartwechsel, durch leicht am Rande der Disharmonie entlanggeschrammte Tonfolgen, und durch die pure Schönheit der Soloeinlagen einzelner Instrumente und Musiker. Nur im letzten Stück 'Forever And A Day' wird es mal etwas wilder und dann wird auch mal ein wenig gejamt und gefrickelt. Aber nur kurz. Und dann wird es wieder toll.

Dieses etwas andere ROBIN TAYLOR-Album sollte für alle Fans von Fusion, Jazzrock und jetzt auch wieder Progressive Rock der instrumentalen Art ein Reinhören wert sein. Dies ist nicht etwas mehr von der Sorte Musik, die wir schon häufig gehört haben, sondern tatsächlich ein Fortschritt auf dem gleichen Pfad. Nichts was den Fan enttäuschen würde, aber was die etwas gelangweilten Taylor-Hörer zurückholen kann.

(http://powermetal.de/review/review-Taylors_Universe/Evidence,23965,23861.html)

Punkte: 8 / 10


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