Dada (1983) - ein Review von Akhanarit

Alice Cooper: Dada - Cover
1
Review
10
Ratings
6.70
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Hardrock
Rock Hardrock


Akhanarit Avatar
30.07.2015 11:00

Jetzt ist mir irgendwie mal danach, total über meinen Tellerrand zu blicken und euch mit ins Jahr 1983 zu nehmen. Jenem Jahr, in dem "Dada" von ALICE COOPER erschien. Bis heute gehört es nicht nur zu den seltsamsten Veröffentlichungen des Schock Rock-Großmeisters, sondern auch zu zu denen, die leider ein wenig unterschätzt werden. Zusätzlich dazu gehört "Dada" zu jenen 3 Alben, an die sich Alice aufgrund seines immer stärker werdenden Alkoholismus nicht mehr erinnern kann. Zumindest gab er in etlichen Interviews immer wieder an, dass er sich weder daran erinnern kann, sie geschrieben zu haben, sie aufgenommen zu haben und eben sowenig, dass er mit ihnen überhaupt getourt ist. Nun ja... Eine Flasche Whiskey war damals an der Tagesordnung und die ersten Schlucke Budweiser nahm Alice schon zu sich, bevor er es wagte, nach dem Schlaf die Augen zu öffnen.

Und das bringt uns jetzt direkt mitten in "Dada", welches an sich sehr ALICE COOPER-typisch beginnt. 'Dada' bringt den Zuhörer direkt auf die Therapeutencouch und wir werden Zeuge, dass der Protagonist irrtümlicherweise eine Tochter zu haben. Oder will man ihm das nur ausreden? Tja, das weiß man bei Geschichten von ALICE COOPER nie so genau, oder? Trotz voller Songlänge schreit die gesamte Nummer dennoch nur nach Intro. Das folgende 'Enough's Enough' schlägt einen dann doch ziemlich vor den Kopf, denn auch wenn Alice in der Vergangenheit schon vieler Stilistiken bediente, bewegte er sich selten so weit außerhalb meiner Geschmackstoleranz. Da bin ich eher bei 'Former Lee Warmer' wieder auf Kurs und habe sofort diese Bilder vom behinderten und von der Familie versteckten Bruder im Kopf, was früher gar nicht mal so unüblich war. Behinderungen waren gesellschaftlich eher ein Tabu und manche Familien zogen ein behindertes Kind im Stillen und Verborgenen auf, um nach außen hin den Schein zu wahren. Ich finde es grandios, dass Alice nicht nur nach platten Schockeffekten sucht, sondern neben aller Comedy und Blödelei auch immer wieder versucht, etwas in einem zu bewegen. Bei mir hat er es hier wunderbar hinbekommen und wenn ich euch jetzt sage, dass ich speziell zu dem Thema einen bestimmten Film im Hinterkopf habe, kann mir vielleicht der ein oder andere folgen!? Aber so ein Album, im speziellsten Sinne ein Rockalbum, braucht auch eine Prise Wollust. Hier schafft 'No Man's Land' etwas Abhilfe und glänzt nebenbei durch sehr angenehme Gitarrenarbeit. 'Dyslexia' ist dann mal so richtig poppig ausgefallen und wird mit absoluter Sicherheit nicht von jedem von euch geschluckt werden können. Wo wir grad beim Schlucken sind: "I just want your body Sheba, I don't want your brain!". Nun ja... 'Scarlet And Sheba' bringt es irgendwie schon treffend auf den Punkt, doch mal abgesehen davon finde ich die Nummer musikalisch genial komponiert. Die orientalischen Melodien in Kombination mit diesem unbekümmerten Chorus und dazu dieses Blackmore'sche Feeling in den Gitarrenläufen... All das summiert sich zu einem wirklich tollen Song, der wirklich mehr Aufmerksamkeit verdient. Sozialkritik und Politik gehen so oft Hand in Hand, dass ALICE COOPER mit 'I Love America' nur ins Schwarze treffen können. Hier haben wir auf herrliche (wenn auch simple) Weise ein paar sehr patriotische Zoten untergebracht, die jedoch oft auch in einem anderen Kontext betrachtet werden können, was dieses Stück zu einer Gratwanderung zwischen Comedy, Nationalstolz und Gesellschaftskritik macht. Das folgende 'Fresh Blood' schafft dann das Unmögliche! Es nervt und verpasst einem dennoch einen Ohrwurm, der irgendwie cool ist. Dieser geniale Chorus wirkt wahrscheinlich nur WEIL der Rest so schräg ist. Ich weiß auch nicht... "Dada" eben! Zum Abschluss scheint Alice dann doch ein wenig ins Grübeln gekommen zu sein und es wirkt fast so, als würde der Wandel langsam beginnen. Alkohol ist ein sehr vordergründiges Thema bei 'Pass The Gun Around' und möglicherweise war dieser Song ja als Ventil gedacht, mit dem sich der Godfather of Shock Rock auf künstlerische Weise mit seiner Sucht auseinandersetzen konnte?

Wie auch immer die Umstände gewesen sein mögen. "Dada" ist trotz seiner totalen Überzogenheit, seiner Eigenwilligkeit und seiner verstörenden Wirkung auf die Geschmacksnerven ein gutes Album geworden, an das sich seine Fans erinnern sollten (wenn er das selbst schon nicht mehr hinbekommt...). Tut euch einen Gefallen und staubt dieses Album mal wieder ab, legt es auf und denkt danach ein paar Minuten drüber nach. Vielleicht erlebt ihr "Dada" ja dann nochmal gänzlich neu!?

Fazit: Schaut man sich das öde Cover an, ist man versucht, ein paar Schritte zurückzugehen. Und es hilft, denn das ist ja ein versteckter Totenschädel. Wie knuffig!!!

Punkte: 7 / 10


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Tracklist:

  1. Dada
  2. Enough's Enough
  3. Former Lee Warmer
  4. No Man's Land
  5. Dyslexia
  6. Scarlet And Sheba
  7. I Love America
  8. Fresh Blood
  9. Pass The Gun Around
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