Schicksal (2005) - ein Review von langei

Mosaik: Schicksal - Cover
1
Review
1
Rating
9.00
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Rock


06.05.2016 11:56

Mosaik ist eine schon im Altertum bekannte Gattung der Maltechnik (Wandmalerei), die zu den Maltechniken zählt, bei der durch Zusammenfügen von verschiedenfarbigen und/oder verschieden geformten Teilen (Stein- oder Glasstücke, auch Teile von Papier oder textilen Stoffen) Muster oder Bilder entstehen. Das Wort Mosaik leitet sich aus dem arabischen Begriff 'musáuwak' ab, in welcher es 'geschmückt' oder 'verziert' bedeutet." (Wikipedia)
Harter, erdiger Metal, progressiver Rock, melodisch ausgefeilte und rhythmisch vertrackte Arrangements charakterisieren den Sound von Mosaik. Die meist kurzgehaltenen Songs sind ausschließlich Eigenkompositionen der vier Musiker aus dem Chiemgau.
Die Dynamik der Musik entsteht durch den technischen Anspruch, der sich aus rhythmisch-melodischen Bassläufen, impulsivem Schlagzeugspiel und zweistimmigen Gitarrenlinien zusammensetzt. Der imposant mehstimmige deutschsprachige Gesang ist für dieses Fundament bezeichnend. Die Erfahrung der Bandmitglieder ermöglich es, aus musikalischen Puzzlestücken ein Mosaik zu bilden." (Bandinfo)
So, der Bandname Mosaik wäre damit geklärt. Der 'Wikipedia'-Definition wird nicht zu widersprechen sein, aber wie sieht es mit der Bandbio aus?
Brutal brettern die drei Gitarren (den Bass zähle ich bei dieser Band dazu) gleich im Opener und ich weiß, nach Ende der Scheibe ist es mein "Schicksal", saubere und durchgepustete Ohren zu haben.
Deutsche Texte haben den (vermeintlichen) Nachteil, erst mal....
Pause, Pause, ich muss 'ne Schreibpause einlegen, um mich bei "Leben ist" auf die Bassorgie und anscheinend tiefergelegte Gitarrengemetzel zu konzentrieren.
....bei vielen Rockfans auf Ablehnung zu stoßen, da Rockmusik im Kopf mit englischer Sprache verknüpft ist. Aber sie haben auch den (unbestreitbaren) Vorteil, komplett verstanden zu werden. Und das ist gut (ich erinnere nur an Leichenwetter). So poetisch sind die Mosaik-Texte natürlich nicht, aber mit Sicherheit kann sich jeder darin finden.
Ruhige Töne bzw. Passagen ("Was weiss ich") werden durch geniale Breaks plötzlich zur Tour de force. Bass und Drums auf einem Höllenritt, Martin Lukas (über den eine Freundin und Bandkennerin sagt: "Leadgitarrist Martin Lukas ist für mich der absolute Hammer. Wenn der gut drauf ist und ein Solo hinlegt brauchst du keinen Satriani..) brilliert an der Gitarre und legt mit RhytmusgitarristChristian Brach eine astreine Double-Lead-Passage hin. Das kommt später aber noch doller.....
Die vier Burschen sind durch und durch professionell drauf. Ich erwähnte bereits, dass dem Bass hier eine besondere Stellung zukommt. Stuff Brandstätter ist kein Zupfer, er läßt es teuflisch rollen und ich erinnere mich an einen Atlantiksturm vor ein paar Jahren, als ich in Norfolk, VA im Strandhaus auf der Porch saß und die Wellen im Wettlauf mit dem Donner und den Blitzen langsam und bedrohlich näher rollten.
Nicht minder fulminat agiert Flo Huber an der Schießbude und ich möchte wetten, er hat zwei Bassdrumpedale vor den Füßen.
"Wenn der Himmel weint" ist eine Hammernummer. Alleine das Lesen des Tracknamens assoziertnicht Regen. Das Stück hat starke Lyrics, vokalistisch dargeboten mit enormer Ausdruckstärke, die tiefer gestimmte Gitarre bollert artilleriegleich Salven in Form von fast körperlich angstmachenden Riff-Fetzen, im Hintergund hört man, wie die Stahlsaiten des Basses knarren, während sie durch den Titel rollen. Wow, ich habe mir die Chiemsee-Musikszene immer anders vorgestellt *g*
Da ist (nicht minder hammermäßig) "Vergangenheit" ein musikalischer Herbstmorgen. Zweistimmiger Gänsehautgesang, Dur wechselt mit Moll und den Text sollte man genießen, denn Worte können sehr mächtig sein - wenn man sie auf sich wirken läßt. Das psychedelisch angehauchte Gitarrensolo tut ein Übriges, um, die besondere Stimmung der "Vergangenheit" einzufangen.
Progressiv und metallisch ist sicher die Schiene, auf der der Mosaik-Zug stilistisch dahin brettert. Es gibt auf "Wo bist du" aber eine Stelle, bei der man sich ungläubig die Augen reibt, denn wie aus dem Nichts schießen die Double-Leads hervor, Bass und Drums steigen ein und es klingt kurz wie die Gitarrenschlacht in "Free Bird". Toll gemacht!
Mit "Die Arena im Kern" werden nochmal alle metal-progressiven Register gezogen und für mich endet ein spannendes Album. Eines, welches neugierig auf mehr Mosaiksteinchen macht.
'Wikipedia' gab ich eingans bereits recht. Jetzt, am Ende des Reviews, nicke ich auch zustimmend, was die Bandbio betrifft.

Ulli Heiser, 30.01.2006

Punkte: 9 / 10


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