Live On Fire - Circle Of The Oath Tour 2012 (2013) - ein Review von Akhanarit

Axel Rudi Pell: Live On Fire - Circle Of The Oath Tour 2012 - Cover
1
Review
2
Ratings
9.00
∅-Bewertung
Typ: Live
Genre(s): Metal Hardrock, Power Metal, Melodic Metal


Akhanarit Avatar
27.09.2016 16:54

Es wird mal wieder Zeit, die hungrigen AXEL RUDI PELL-Fans mit neuem Matrial zu verwöhnen. Nachdem im letzten Jahr das 14. Studioalbum "Circle Of The Oath" erschienen ist, das die höchsten Chartplatzierungen seit Bestehen der Band einfahren konnte (Deutschland (16), Schweiz (30), Schweden (51), Österreich (55), Norwegen (69)!!!), wird es auch wieder Zeit für ein neues Live-Dokument des Saitenhexers aus Bochum. Die letzte Live-Veröffentlichung "One Night Live" kam 2010 in die Läden, hatte aber leider so gar keine Extras zu bieten. Ganz anders verhält es sich bei "Live On Fire". Ihr habt die Wahl, ob ihr das Ganze als basische 2 CD, 2 DVD oder gleich als Boxset (2 CD + 2 DVD + Poster + Tourpass) im edlen Digipack erstehen wollt. Da ich nicht gerne halbe Sachen mache, habe ich mir natürlich umgehend das komplette Paket abgegriffen, damit ich euch auch ein vernünftiges Review auf den Bildschirm bringen kann.

Beginnen wir mit den DVDs: Die erste Disc enthält das 2012er Hallen-Konzert aus der Kölner Essigfabrik und startet nach dem PELL-typischen Intro ('The Guillotine Suite') sogleich mit der schnellen Nummer 'Ghost In The Black'. Sofort ist man gebannt von der Spielfreude und dem Adrenalinkick, den die Top-Musiker ausstrahlen. Axel Rudi Pell selbst bewegt sich (wie immer) mit traumwandlerischer Sicherheit über das Griffbrett seiner Fender Strat und verschwindet sowieso in seiner eigenen Welt. Es ist immer wieder aufs Neue faszinierend, mit welch einer Leichtigkeit dieser Mann seine Riffs und Soli aus der Hüfte feuert. Jeder, der sich einmal an einigen seiner schnelleren Licks versucht hat, weiß um deren Komplexität und es dauert immer eine ganze Weile, bis man sich einen PELL-Song samt Solo drauf geschafft hat!!! Als langjähriger Begleiter (selbst zu Zeiten der Vorgängerband STEELER) ist natürlich Bassist Volker Krawczak zugegen, der sich zwar wie üblich mehr im Hintergrund hält, dem blonden Gitarrenass aber jedes Mal ein stabiles Rhythmus-Fundament zu Füßen legt, so dass Axel selbst bei Improvisationen immer sicher seinen Weg ins Ziel findet. Für einen Melodieteppich vom Feinsten sorgt Ferdy Doernberg (ROUGH SILK, MIKE TERRANA, ROLAND GRAPOW, SHOCK MACHINE), der sich diesmal allerdings nicht mit dem Meister duelliert. Dafür wird ihm aber ein Keyboardsolo vor dem Bandklassiker 'Carousel' zugestanden, in das auch noch eine feine Jamsession eingebaut wurde, die die Herzen der Musikfans höher schlagen lassen dürfte. Seine Backingvocals sind allerdings sehr gewöhnungsbedürftig (manchmal sogar furchtbar!), da er sich aufgrund seiner hohen, klaren Stimme oftmals wie ein Mädchen anhört. Seltsam...

An den Drums hat abermals Mike "The Beast" Terrana (MIKE TERRANA, ROLAND GRAPOW, TARJA, ARTENSION, BEAU NASTY, EMIR HOT, EMPIRE, RAZORBACK, TABOO VOODOO, ZILLION, ex-YNGWIE MALMSTEEN, ex-RAGE, ex-MASTERPLAN, ex-METALIUM, ex-SQUEALER, ex-SAVAGE CIRCUS uvm.) seinen Platz eingenommen, der sich solide und mit einem ordentlichen Punch durch die Setlist trommelt. Dieser Mann scheint bei vielen Stücken fast ein wenig unterfordert zu sein, denn wenn man sich einmal zu Gemüte führt, was dieses Ausnahmetalent bei seinem Drumsolo abzieht, bleibt einem immer wieder die Spucke weg. AXEL RUDI PELL-Fans wissen natürlich, dass ein PELL-Gig nicht ohne die übliche Portion Spaß enden kann, weswegen diesmal Mike die Ehre hat, das Publikum zum Grinsen zu bringen. Zu klassischer Musik drischt dieser Irre auf sein Drumkit ein, dass es eine wahre Freude ist. Noch einen Abstecher in Richtung "Ghost Rider In The Sky" im Kollektiv und die Erklärung des Frontmannes Johnny Gioeli (HARDLINE), dass dies das Resultat einer Mischung aus Drogen und Alkohol war (und der beste Beweis, warum man dies besser lassen sollte) und es kann auch schon wieder weitergehen. Vom aktuellen Studioalbum haben es neben dem Intro und 'Ghost In The Black' auch noch 'Before I Die' und der Titelsong 'Circle Of The Oath' geschafft. Leider fehlt 'World Of Confusion' in der Setlist. Da ein PELL-Konzert ohne 'Oceans Of Time' undenkbar ist und hier ohnehin grandios dargeboten wurde, wäre es eine gute Gelegenheit gewesen, die beiden Songs ineinander fließen zu lassen. Immerhin ist 'World Of Confusion' die Fortsetzung von 'Oceans Of Time'. Dafür haben sich auch wieder ein paar Verbeugungen vor den alten Helden eingeschlichen. Zum einen wäre da der angezockte LED ZEPPELIN-Evergreen 'Whole Lotta Love' als kleine Neuerung im PELL-Set, zum anderen Erwartetes in Form von DEEP PURPLEs 'Mistreated' als kleiner Einschub bei der Götterhymne 'Mystica'. Sänger Johnny ist wieder mal in toller Verfassung und strahlt ein ums andere Mal unbändige Power, gepaart mit Sympathie aus.

DVD 2 zeigt dann einen Auftritt vom Rock Of Ages-Festival mit identischer Setlist. Dies dient in erster Linie wohl zum Vergleich, inwiefern sich Hallen- und Festival-Shows unterscheiden. Doch AXEL RUDI PELL-Jünger werden auch diesen Auftritt mit Genuss verschlingen. Und das können sie auch! Hier hat die Band mal wieder zwei richtig gute Konzerte für die Ewigkeit festhalten können. Es ist toll zu sehen, wie schnell die Festival-Besucher Johnny aus der Hand fressen. Ein Interview sowie eine Homestory (die denjenigen unter euch bekannt sein dürfte, die die großen Metal-Mags aufmerksam verfolgt haben) sowie der Videoclip zu dem über jeden Zweifel erhabenen LEONARD COHEN-Cover-Track 'Hallelujah' (erschienen auf "The Ballads IV"), runden das Filmmaterial wunderbar ab.

Die Doppel-CD ist im Endeffekt nichts anderes als DVD 1 in Audioform, wirkt aber ohne die Bilder ein wenig bissloser, da die einzigartige Magie der Band sehr vom visuellen Faktor abhängt. Klar, Fans MÜSSEN sie haben und es ist auch eine durchaus nette Ergänzung für alle, die das neue Live-Machwerk auch unterwegs genießen wollen (oder keine Lust haben, sich das Konzert anzusehen), aber den Charme der DVD erreicht das Live-Album leider nicht ganz. Es sind immer Kleinigkeiten, die mir hier auffallen. Wenn Johnny das Mikro von sich weg reißt, um es ins Publikum zu halten, zum Beispiel. Auf der CD klingt das natürlich ein wenig abgeschnitten. Sieht man aber die Bilder dazu, macht es wiederum Sinn. Jede/r muss für sich selbst entscheiden, was für ihn/sie das Richtige ist.

Am besten holt ihr euch gleich das ganze, auf 5.000 Stück limitierte Boxset, greift das dazugehörige Tour-Poster samt Tour-Pass ab und habt ein echtes Schmuckstück für eure Sammlung in euren Händen. Lohnen wird es sich in jedem Fall. In Zeiten der Download-Seuche muss eine Band schon etwas bieten können, um wirklich noch Käufer zu finden, die das Wirken der Bands zu schätzen wissen. Und AXEL RUDI PELL bietet dies sowohl in Verpackung als auch Inhalt. Kaufbefehl!

http://bleeding4metal.de/index.php?show=review_de&id=5115

Punkte: 9 / 10


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