Eisbrecher Antikörper (2006) - ein Review von DarkForrest

Eisbrecher: Antikörper - Cover
1
Review
9
Ratings
8.78
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Dark Wave/Gothic EBM
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DarkForrest Avatar
22.02.2018 10:56

Ich hatte die Band Eisbrecher ziemlich aus den Augen verloren, nachdem mir der 2012’er Output “Die Hölle Muss Warten” eher mal nicht zugesagt hat. Die gesamte musikalische Entwicklung der Band , aber auch mein persönlicher Geschmack haben dafür gesorgt, dass ich allem was danach kam wenig Beachtung geschenkt habe. Gerade die ersten drei Alben sind mir aber durchaus in guter Erinnerung geblieben, obwohl es auch schon wieder eine ganze Weile her ist, dass Alexx und seine Mannschaft bei mir auf große Fahrt gegangen sind. Vor allem das 2006’er Album “Antikörper” habe ich dabei immer vernachlässigt und kann mich erschreckend wenig dran erinnern. Zeit mal zu schauen, wie sich das Teil gute 11 Jahre (langsam werde ich alt) nach Release macht.

Angenehm fällt neben dem minimalistischen Cover auf, dass hier wenig Geschiss um die Versionen gemacht wurde. Bei Bedarf gibt's im Digipack einen Bonustrack, aber wer nicht extra auf Re-Releases gewartet hat, verpasst hier nichts. Irgendwelche Bonud-DVDs gibt es hier auch nicht dazu. Das ganze spiegelt sich auch ein wenig inhaltlich auf “Antikörper” wieder. Das Album klingt etwas mehr straight forward als zum Beispiel der Vorgänger, aber auch der Nachfolger “Sünde” mit weniger Raum für musikalische Experimente, was sowohl Vor- als auch Nachteile hat.

“Der Anfang” präsentiert sich als ganz nettes instrumentales Intro, dass eher ein Arrangement verschiedener kalter elektronischer Sounds als ein eigenständiger Songs ist. Für sich genommen komplett unspektakulär, aber er erfüllt seinen Zweck, ein wenig auf das Album einzustimmen. Richtig los geht es dann mit “Adrenalin”. Und wie es damit losgeht. Der Song legt ein ordentliches Tempo vor, erinnert mich daran, dass eine gewisse Härte bei Eisbrecher mal die Norm war und geht trotzdem direkt in’s Ohr. Schon habe ich Bock auf mehr.

“Leider” erinnert mich dann daran, dass Eisbrecher sich auch textlich einmal etwas mehr getraut haben. Mit Themen wie Suizid und psychischer Erkrankung geht die Band dabei ja ganz unterschiedlich um - von eher distanziert (“Alkohol”) bis fast schon verherrlichend (“Zu Sterben”). “Leider” fällt für mich irgendwo dazwischen. Musikalisch gibt es hier aber überhaupt nichts zu beanstanden. Das Teil reißt mich im Midtempo ganz genau so mit, wie “Adrenalin” zuvor und drückende Beats sind hier perfekt Gitarren, Schlagzeug und natürlich Alexx Stimme abgestimmt, sodass “Leider” vollkommen zurecht eine Singleauskopplung bekommen hat (bietet sich auch gut zum remixen an der Song). Der Titelsong drosselt noch einmal deutlich das Tempo ohne irgendetwas von seiner Härte einzubüßen. Hier wird wirklich eine schön düstere Atmosphäre rübergebracht, wie man sie im NDH Bereich leider viel zu selten hört.

“Entlassen” ist für mich dann der erste eher unspektakuläre Song auf “Antikörper”. Erst kommt er nicht so richtig in Fahrt, dann ist der Refrain auch noch furchtbar austauschbar. Die weiblichen Hintergrundvocals machen das ganze leider nicht unbedingt besser. Als Filler trotzdem noch okay leidet ”Entlassen” ganz besonders darunter, dass es knallhart von “Ohne Dich” überschattet wird, welches gar nicht mal so unähnlich gestrickt ist aber um so vieles besser klingt. “Ohne Dich” ist so mit der poppigste Song auf “Antikörper” und macht mir direkt gute Laune. Hier passt alles ohne zu abgedroschen zu klingen.

Damit das Tempo nicht zu sehr flöten geht, wird es danach wieder hart. “Phosphor” trifft gepflegt in den Arsch und ist einer der wenigen Songs hier, die vielleicht wirklich nicht ganz so massentauglich sind. Nicht wegen der Härte. Eher wegen seinem ganzen Aufbau mit vielen Tempowechseln, sodass man sich “Phosphor” schon mehr als einmal anhören muss, um wirklich reinzukommen. “Kein Mitleid” gibt dafür wieder ordentlich Gas und ist ein fest für alle, die Eisbrecher etwas härter mögen.

“Kinder Der Nacht” ist dagegen die ultimative Gothic Hymne, die ihrer Zeit in den schwarzen Clubs rauf und runter gelaufen ist. Was soll ich sagen: kitschig wie sonstwas, trotzdem bekomme ich jedes Mal eine leichte Gänsehaut, wenn ich es höre. Sehr starke Nummer. Mit “Vergissmeinnicht” gibt es dann noch etwas schwarzen Schlager. Das ganze klingt und funktioniert ähnlich gut wie “Ohne Dich”. Ein netter tanzbarer Song, der Spaß und gute Laune macht.

Das härteste Geschütz fahren Eisbrecher dann mit “Freisturz” auf. Der Song hat wirklich ein nettes Riff im Gepäck, womit wir hier fast schon Genreüberschneidungen zum Metal hin haben. Ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber ich freue mich, dass die Gitarristen auch mal ein bisschen was zu tun bekommen. Zu “Wie Tief” fällt mir dagegen eher wenig ein. Tempo und Härte sind eher im oberen Mittelfeld angesiedelt, der Funke will bei mir aber leider gar nicht überspringen.

Mit “Das Ende” haben wir als Gegenstück zum “Anfang” einen kleinen instrumentalen Ausklang… außer Besitzer der limited Edition natürlich. Die bekommen mit “Eiskalt Erwischt” noch einen Bonustrack. Einen ordentlichen wohlgemerkt, der sich vor dem Rest des Albums wirklich nicht verstecken muss. Ich kann mich sogar daran erinnern, das Teil damals rauf und runter gehört zu haben. Das Einzige, was hieran wirklich nervt ist die Platzierung. Nachdem das Album mit “Das Ende” abgeschlossen wurde passt das einfach null in’s “Konzept”, wenn wir das mal so nennen wollen. Das ist so ein schönes Beispiel dafür, wie ein Bonustrack mitten im Album besser funktionieren würde. Oder bin ich der einzige, der Alben noch am Stück hört? Dann wären die beiden Instrumentals aber komplett obsolet. Aber genug genitpicked.

“Antikörper” ist ein tolles Album, welches sich die Jahre über gut gehalten hat und sich für mich immer noch gut hören lässt. Schön vor allem, dass gerade die Gitarren etwas ausgereifter wirken als auf dem Vorgänger. Überhaupt geht “Antikörper” einen ziemlich klaren Weg ohne viel Bullshit. Das ist insofern nett, dass wir hier wahrscheinlich das härteste Eisbrecher Album ever haben, was der Band gut steht. Dafür bleibt aber auch weniger Raum für Experimente und Abwechslung. Die gibt es hier eher nur in Tempo und Härtegrad.Etwas gewagtere Nummern wie “Fanatica” oder “This Is Deutsch” wird man hier jedenfalls nicht finden. Trotzdem kann sich “Antikörper” noch gut von anderen NDH Alben abgrenzen und klingt nicht nach Rammstein- oder Megaherzkopie.

Punkte: 8.5 / 10


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Tracklist:

  1. Der Anfang
  2. Adrenalin
  3. Leider
  4. Antikörper
  5. Entlassen
  6. Ohne dich
  7. Phosphor
  8. Kein Mitleid
  9. Kinder der Nacht
  10. Vergissmeinnicht
  11. Freisturz
  12. Wie tief
  13. Das Ende