Prophecy And Judgement (2013) - ein Review von DarthWerder

Gatekeeper: Prophecy And Judgement - Cover
1
Review
4
Ratings
6.25
∅-Bewertung
Typ: Single/EP
Genre(s): Metal Doom Metal


01.02.2015 14:11

Orthodoxem, das Erbe von Bathory, Candlemass und alten Manowar in Ehren haltenden Epic Metal darf man wohl ob der Rückkehr der britischen Heroen von Solstice und dem überwältigendem Erfolg des Oberpfälzean Kodex eine kleine Renaissance unterstellen. Insofern ist es wenig verwunderlich, dass den Vorbildern Epigonen herangewachsen sind, so zum Beispiel die hier vorgestellten GATEKEEPER aus Kanada. 2009 in Edmonton ursprünglich als Solo-Projekt des Gitarristen Jeff Black gegründet und im folgenden Jahr zu einer vollwertigen Band ausgebaut, bewegt sich die Gruppe auf ihrer 2013 erschienenen EP „Prophecy and Judgement“ unverkennbar im Fahrwasser ihrer europäischen Lehrmeister (Dass sich die Vergleiche durch die ganze Rezension ziehen, ist mir ein kleines Ärgernis, in Anbetracht des Gebotenen aber ohne wirkliche Alternative). Veröffentlicht wurde das Erstlingswerk der Kanadier dabei vom portugiesischen Label Aforja Records; das Cover ziert ein sehr gut passendes Fantasy-Artwork von Ralph L. Torres.

In vier überlangen Epen und der für eine EP stolzen Gesamtspielzeit von 32 Minuten (die es der Band genauso erlaubt hätte, das ganze als Album zu verkaufen) geben sich GATEKEEPER also einem epischem Metal hin, der bei eher gemächlichem bis mittelschnellen Tempo unweigerlich Bilder von in See stechenden Wikingerschiffen und den fantastischen Welten von Howards Cimmeria hervorruft. Der Gesang ist, wie man es auch von den neuzeitlicheren Vorbildern kennt, eher unprätentiös und ist nicht das wichtigste Werkzeug zur Schaffung der episch-eskapistischen Atmosphäre. Obwohl sich die Kanadier durchgängig auf hohem Niveau bewegen bleiben, so viel sei an dieser Stelle schon verraten, die epochalen Melodien für die Ewigkeit, wie sie beispielsweise bei Atlantean Kodex für den Unterschied zwischen „gut“ und „monumental-überwältigend“ leider etwas auf der Strecke.
Dieser Gesamteindruck lässt sich im Grunde genommen auf jeden der vier enthaltenen Titel übertragen. Los geht es mit dem eher unscheinbaren „Tale of Twins“, ehe im längsten Stück „North Wolves“ die vielleicht zwingendsten Melodien der EP vorkommen. Die letzten beiden Songs, die ebenfalls stärker aufhorchen lassen als der Opener, sind derweil insofern bemerkenswert, dass es leicht fällt, sofort den jeweiligen Haupteinfluss zu unterscheiden. Während „Swan Road Saga“ auch beinahe von Solstice stammen könnte, ist der titelgebende Schlusstrack „Prophecy and Judgement“ atmosphärisch und von der Melodieführung her Atlantean Kodex auffällig ähnlich.

Festzustellen ist also, dass GATEKEEPER auf der vorliegenden EP eine halbe Stunde guten und stimmungsvollen Epic Metals geglückt ist. Solange man nicht mit der vermessenen Erwartung an die Scheibe herangeht, die jungen Kanadier könnten es mit ihren großen Vorbildern, Solstice, Atlantean Kodex und Scald aufnehmen und sich zur Zielgruppe zählt, sollte man der Band auf jeden Fall eine faire Chance geben. Und da es sich bei Prophecy and Judgement gerade einmal um das erste Lebenszeichen einer noch jungen Band handelt, kann man hoffnungsfroh in die Zukunft blicken, denn mit ein bisschen Weiterentwicklung und etwas schlüssigeren, packenderen Songs könnte man sich zur Pflichtveranstaltung für alle Epic Metal-Afinicados avancieren. Was bisher vom 2015 erscheinenden Split mit Eternal Champion zu hören ist, lässt diesbezüglich aufhorchen und hoffen, dass sich genau diese Erwartung bewahrheiten kann.
Wer sich also von der Rezension angesprochen fühlt, sollte einen Blick auf die Bandcamp-Seite des Labels werfen, wo es die EP für ziemlich kleines Geld zu erwerben gibt (und dabei auch einen Blick auf die ebenfalls über Aforja veröffentlichten Ravensire werfen, wobei deren episch angehauchter Metal eher Manilla Road und Omen folgt).

Punkte: 8 / 10


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