Sacrifice (2013) - ein Review von The-Aftermath

Saxon: Sacrifice - Cover
1
Review
23
Ratings
8.46
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Heavy Metal
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03.04.2013 20:04

[Urpsrünglich verfasst 2013 für das Sacred Metal-Board, Korrekturen 11/2017]

Schade, die Nummer zwanzig im SAXON-Katalog ist wider Erwarten eine ziemliche Enttäuschung geworden. Ich war eigentlich fest davon überzeugt, dass Biff & Co. mit "Call To Arms" wieder zu "Inner Sanctum"-Form zurück gefunden hätten. Leider haben alle Durchgänge den negativen ersten Eindruck bestätigt. Aber der Reihe nach.

Los geht es mit dem Intro-Track "Procession": Dschungelgeräusche, Grillen, "Oh-Oh"s im Hintergrund. Klingt ein wenig nach "Age Of Empires II". Und gibt es etwas epischeres als "Age Of Empires II"? Eben. Leider folgt keine weitere Steigerung und die Geräuschkulisse wird sehr abrupt vom Titeltrack unterbrochen. Bei diesem, einer der härtesten Songs der Bandgeschichte, legt die Band gleich richtig los. Obwohl das Stück durchaus zum Kopfschütteln einläd, hilft selbst der gute Pre-Chorus nichts angesichts des unglaublich faden Refrains. Der Mittelteil nimmt dann noch jeglichen Schwung raus. Im Gegensatz zum fetzigen "Hammer Of the Gods" von der letzten Scheibe kein Einstieg nach Maß.

Allgemein fällt auf, wie "hart" die Scheibe klingt. Zumindest eine Lektion scheint man aus "Into The Labyrinth" gezogen zu haben: Keyboards sucht man auf "Sacrifice" vergebens, ebenso die obligatorische Ballade und den Bombast, der auf früheren Scheiben noch vorhanden war. Was eigentlich nach einer guten Herangehensweise klingt, ist im Endeffekt der größte Schwachpunkt von "Sacrifice". Das Album klingt reduziert, gitarrenlastig und kompakt, aber auch unglaublich steril, fad und klinisch. Die Band rifft scheinbar gelangweilt vor sich hin. Vor allem die schrecklichen ACCEPT-artigen Midtempo-Stampfer, die schon "Into The Labyrinth" ruiniert haben, nehmen die gesamte zweite Hälfte des Albums ein. Das rockige und lebendige Element von "Call To Arms" geht komplett verloren, dafür fällt man eher zum sterilen Sound von "Metalhead" zurück. Ob es am Produzenten Sneap liegt? Die Vermutung liegt nahe. SAXON klingen auf "Sacrifice" wie in ein mechanisches Korsett gesteckt, keine Spur mehr von einem wilden britischen Hard Rock-Feeling. Die Songs an sich sind gar nicht so übel, aber das komplette Album läuft an einem vorbei, ohne dass man richtig einsteigen könnte. Sehr seltsam.

Selbst dann, wenn die Band richtig gute Songs raushaut, kommt keine wirklich Euphorie auf. Das ist in der ersten Hälfte des Album der Fall. "Made In Belfast" ist nur wegen dem schönen Einsatz von irischer Folkmusik nicht komplett verzichtbar, aber dann kommt ein toller Dreierschlag in Form von "Warriors Of The Road", "Guardians Of The Tomb" und "Stand Up and Fight". Alle drei Songs hätten auf den vorigen Alben zu den Highlights gezählt. Der erste ist der schnellste Song seit "Need For Speed", der zweite ein toller, melodischer Banger in "Conquistador"-Tradition, Nummer drei eine flotte Hymne mit einem der wenigen guten Refrains auf dem Album. Hier und da werden melodische Passagen und Twin-Gitarren eingestreut, die durchaus den Geist der 80er-Jahre aufleben lassen. In diesen, auf "Sacrifice" leider seltenen Momenten zeigen SAXON warum sie zu den alten Größen des Genres zählen.

Danach fällt die Qualität des Materials aber so tief in den Keller, dass man fast schwermütig werden könnte. Bei "Standing in a Queue" hatte ich wieder eine THIN LIZZY-Verbeugung erwartet, zu hören bekam ich aber den womöglich langweilsten SAXON-Song ever. Selbst die Standard-Hardrocker auf "Call To Arms" hatten bessere Refrains und mehr Schwung als die vertonte Langweile von "Wheels Of Terror". Vielleicht habe ich in letzter Zeit zuviel VISIGOTH und DARK FOREST gehört, aber angesichts deren Wildheit und Energie spürt man bei SAXON langsam und sicher die Gicht in den Knochen.

Ingesamt also eine sehr enttäuschende Angelegenheit. SAXON hätten es verdient gehabt, anlässlich ihres 20. Albums noch einmal mit einem Paukenschlag auf sich aufmerksam zu machen. Diese Chance hat man leider verspielt. Ob es allein an Sneaps Einfluss liegt, oder vielleicht doch an Altersschwäche, kann ich nicht genau beurteilen. Dass in den alten Knochen noch eine Menge Energie steckt, beweist man durchaus, aber nicht so überzeugend wie auf "Call To Arms". Eine SAXON-Platte macht aber trotz allem immer Spaß. Da fühlt man sich als Traditionsmetaller immer sofort zu Hause, auch wenn Biff zum hundersten Mal davon singt, nicht aufzugeben. Hoffentlich geben SAXON auch nicht auf, und belehren mich noch einmal eines Besseren.

Punkte: 5.5 / 10


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Tracklist:

  1. Procession
  2. Sacrifice
  3. Made In Belfast
  4. Warriors Of The Road
  5. Guardians Of The Tomb
  6. Stand Up And Fight
  7. Walking The Steel
  8. Night Of The Wolf
  9. Wheels Of Terror
  10. Standing In A Queue

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