Nekrodepression (2012) - ein Review von Schlaf

Valborg: Nekrodepression - Cover
1
Review
2
Ratings
8.75
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Death Metal, Doom Metal, Progressive Metal, Crossover


10.06.2013 10:24

--> http://www.schwermetall.ch/cdkritiken/kritik4072.php

Zeitgeister. Ein Kapitel für sich. Das Bonner Label mit dem Exklusivcharakter überrascht mich immer wieder durch die starken Parallelen zwischen den unterschiedlichen Veröffentlichungen dort. Diese Ähnlichkeiten selbst sind eigentlich nicht besonders überraschend. Die meisten Bands, die bei Zeitgeister bzw. Labelchef Florian Toyka unter Vertrag sind, bestehen zu grossen Anteilen aus den selben Musikern. Das wiederum ist kein Geheimnis - man kennt sich ohnehin persönlich, eben dies zeichnet ja jenen Exklusivcharakter des Labels aus.

Unnötig, die Bekanntschaftnetze unter den Musikern nun auseinander zu ziehen. Wichtig sind die Ergebnisse des gemeinsamen musikalischen Treibens. Valborg heisst eine dieser Kombos, deren Mitglieder bei weiteren Zeitgeister-Projekten mitwirken. Multitalent Florian Toyka ist einer von ihnen; hier verantwortlich für das Schlagwerk. Das Trio vertreibt eine prägnante Mixtur aus klassischem Doom-Riffing unter progressivem Gewand. Zusätzlich ist das Ganze durchsetzt von jenem einzigartigen Zeitgeister-Sound, der sich einer präzisen Beschreibung bei jeder Band entzieht und nur absolut unzureichend und oberflächlich als "avantgardistisch" bezeichnet werden kann. Der Eindruck dieses labelspezifischen Sounds speist sich vermutlich aus dem charakteristischen Stempel des Mixings, dass bei den Zeitgeisterbands scheinbar auch oftmals von den selben Personen übernommen wird. Diese Scheibe beispielsweise vermittelt nicht nur aufgrund ihres Sounds ein Gefühl der Nähe zum Zeitgeister-Projekt Ekpyrosis.

Valborg bewegen sich auf "Nekrodepression" in einem wunderbar düsteren Experimentalfeld, dass von drecksaueskem Sludge/Doomcore und progressivem und postmodernem Death Metal gespeist wird. Die vermittelte Stimmung ist dabei überwiegend drückend finster und melancholisch. Aus diesem Schema ausbrechende Stücke wissen allerdings nur umso mehr zu punkten und begeistern mit ihrem dem Abwechslungsreichtum Parade stehendem groovigen Gitarrenwerk ("Kloster"; "Massaker in St. Urstein").

Ich weiss keine rechten Worte, um den Lesern diese Scheibe schmackhaft zu machen. Zwar lassen sich die verwendeten Gewürze ein wenig beschreiben, aber das ofenfrische Endprodukt in seiner Gänze schmeckt so exotisch, dass selbst das Nahrungsmittelgrab Jumbo Schreiner kotzen müsste. Jenem, der sich auf den Genuss von "Nekrodepression" einlässt, sei ein Eintauchen in der Euphorie ferne Gefühlswelten garantiert. Valborg liefern hier ein einsames "Gläschen Wein und Kerzenschein"-Werk für frühdämmernde Abende. Gelungen!

Punkte: 8.5 / 10


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