The Coils Of Apollyon (2012) - ein Review von DarthWerder

Kryptos: Coils Of Apollyon, The - Cover
1
Review
9
Ratings
8.83
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Heavy Metal, Thrash Metal


14.02.2015 23:08

Ich spüre es schon von Weitem. Meiner abenteuerlichen Reise steht eine erschütternde Zäsur bevor, die meine Welt aus den Angeln heben wird. Ein starker Geruch von Schwefel betäubt meine Sinne und nun erblicke ich ihn: ER, der Gehörnte, der Ziegenpeter. Mit hässlich grinsender Fratze erwartet er mich, Abenteurer auf selbstmörderischen Pfaden, am Eingang in sein Reich. Ein schier bodenloses Loch tut sich auf und ich fühle mich dem Ende meiner Reise nahe. Hier ist sie, die Pforte zum Innersten der Hölle. Die Maden-Großfamilie, die fröhlich winkend die vorderen Segmente zum Gruß hebt, bringt nur eine Bestätigung des erwarteten Grauens: Hier geht es weiter zum Dschungel-Camp!

Wahrscheinlich war es deshalb nur folgerichtig, beim Betrachten von Mark Riddicks überaus gelungenem Cover an kolumbianische Bands zu denken, die sich alkoholschwanger an der Grenze von Thrash und Black Metal austoben. Doch ein Blick auf die Beschreibung konnte mich schnell Lügen strafen. Schließlich hat man es mit KRYPTOS aus der 10-Millionen-Einwohner-Stadt Bangalore im Süden Indiens mit einer der dienstälteren traditionellen Bands des Subkontinents zu tun, der, obwohl den nach Einwohnerzahl zweitgrößten Staat der Welt bildend, metal-technisch hierzulande Vielen noch immer als metallische Terra Incognita gelten dürfte, weshalb man, obwohl die Band schon in Wacken auftreten konnte und THE COILS OF APOLLYON, ihr mittlerweile drittes Album, in Europa durch AFM Records veröffentlicht wurde, wohl auch hier zumindest auf den ersten Blick einen gewissen Exotenstatus unterstellen kann.
Dieser allerdings verfliegt rasch, neuartig und fremd ist an der dargebotenen Musik wenig. Der kompetent gespielten und produzierten Mischung aus Thrash und traditionellem Heavy Metal hört man die indische Herkunft zu keiner Sekunde an, genau so gut könnten hier Italiener, Schweden, Deutsche oder Schweizer zu Werke gehen. Eine Rolle spielt das nicht, bei Sieges Even oder Atlantean Kodex (wobei letztere zugegebenermaßen ein paar Einflüsse baiuvarischer Folklore aufweisen) verlangt schließlich auch niemand Alphörner und Jodeleinlagen, nur weil die Bands aus Bayern kommen, da die Band durchaus eigenständig zu Werke geht und dabei eine überaus hörenswerte Nische besetzt.
Stilistisch lässt sich die Gruppe um Gitarrist und Sänger Nolan Lewis, der sich mit Ronald Broder (Coroner) gut und gerne das ungleich bekanntere Pseudonym Ron Royce teilen könnte, am ehesten mit dem jüngsten Erguss der Essener Thrash-Legende Kreator vergleichen, dem wenige Monate später erschienenen Phantom Antichrist, wobei das Gleichgewicht aus Thrash und traditionellem Heavy Metal hier stärker zugunsten letzteren Anteils verschoben ist, Kryptos also etwas weniger aggressiv zu Werke gehen.
Der flotte Opener "The Mask of Anubis" gibt die Marschrichtung vor, der die Band über die gesamte Spielzeit hinweg treu bleibt. Eine überaus gelungene Gitarrenarbeit, unverkennbar unter dem Einfluss der NWOBHM entstanden, genügend Abwechslungsreichtum, Lewis' rauer Gesang und die lyrische Auseinandersetzung mit internationalen Klassikern der Mythologie und Literatur. Die hohe Qualität des Openers wird nicht absolut durchgängig gehalten, alle 8 Songs (Nummer 9 ist ein kurzes instrumentales Outro) sind jedoch mindestens gutklassig und häufig mehr als das. Auch ist für ein hinreichendes Maß an Vielfalt gesorgt, Lieder wie "Eternal Crimson Spires" und insbesondere der Dantes Inferno gewidmete Schlusstrack "Visions of Dis", einer der Höhepunkte des Albums, fügen eine epischere Komponente hinzu, die wohl vom Doom Metal im Sinne von Candelmass beeinflusst wurde.
Wer also traditionellem Metal zugetan ist, es gerne auch mal etwas thrashiger mag, dabei auf Vielfalt und Eigenständigkeit Wert legt und abseits ausgetretener Pfade wandelt, sollte diesem Album definitiv eine Chance geben – und wird es sehr wahrscheinlich nicht bereuen.

Punkte: 8.5 / 10


Kryptos: The Coils Of Apollyon

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Tracklist:

  1. The Mask Of Anubis
  2. The Coils Of Apollyon
  3. Serpent Mage
  4. Nexus Legion
  5. Eternal Crimson Spires
  6. Spellcraft
  7. Starfall
  8. Visions Of Dis
  9. The Isle Of Voices
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