Nasty Habit (2012) - ein Review von Saro

Nasty Habit: Nasty Habit - Cover
1
Review
1
Rating
8.00
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Hardrock, Glam Metal


01.08.2012 18:39

Seit über 20 Jahren nun bin ich dem Rock und Metal verfallen. Ich habe mich noch nie auf ein Genre festgelegt, auch wenn es Stilrichtungen gibt, wie z.B. Black und New Metal, die mir weniger zusagen. Jedenfalls hatte ich auch schon immer eine ganz große Schwäche für Glam Metal und Hard- bzw. Sleazerock. Wer kennt sie nicht, Größen wie Mötley Crüe, Guns N' Roses, Poison, Skid Row, L.A. Guns oder Warrant? Es gibt schon 'ne Menge bekannte Bands, doch die sind nur die Spitze des Eisbergs. Als ich eine meiner YouTube-Expeditionen unternahm und mich von einem willkürlich angeklickten Glam Metal-Clip zum nächsten hörte/sah, stieß ich auf Nasty Habit. Bereits die ersten Sekunden des Riffs von Saturday Night ließen mich gespannt aufhorschen. "Mein lieber Herr Gesangsverein", dachte ich mir, "...da ist aber jemand ein großer Fan von Mötley Crüe!" Diese werden auf der Band-HP auch tatsächlich als Einfluß aufgeführt. :)

Berücksichtigt man, dass die Jungs noch blutjung sind, dass sie -im Gegensatz zu z.B. Kissin' Dynamite- ihre Songs komplett selber schreiben und nicht bei einem Majorlabel unter Vertrag stehen und somit auch nicht die optimalsten Voraussetzungen bei der Produktion des Albums hatten, ist dem Vierer aus den Staaten ein wirklich tolles Debut gelungen.
Ooookay... Hier und dort mag man bei den großen Vorbildern abgeguckt haben und manchem Song hätte an dieser oder jener Stelle 'nen Hook ganz gut getan, doch gerade diese kleinen "Makel" machen das Album erst reizvoll, lassen es authentisch wirken. Die zweite Hälfte des Solos auf Tripped, dem Opener des Albums, erinnert unweigerlich an die Crüe - vom Überhit Saturday Night (Was für ne starke Nummer!) ganz zu schweigen. Der Song hätte sich hervorragend auf Girls, Girls Girls gemacht, was nicht zuletzt an dem simplen wie super einprägsamen Riff liegt. Auf dem selbstbetitelten Debut wird gerockt, geposed und rumge"yeeeaaah"t, dass es eine reine Freude ist, den Jungs zuzuhören.
Dass es heutzutage eine junge Band vermag, den Spirit alter Glanztaten 1:1 in die heutige Zeit zu transferieren, hätte ich nicht gedacht. Klar. Es gibt zig Bands, die die 80er mit nicht weniger Hingabe zelebrieren, aber mir ist noch keine Truppe untergekommen, die das sound- bzw. produktionstechnisch so krass rüberbringt.
Neben saucoolen Rockern der Marke Hip Shakin' Fox, Lethal Addiction und Money Hungry, dürfen natürlich auch die Balladen nicht fehlen. Love Won't Wait kommt zwar an Überballaden wie Cinderella's Don't Know What... nicht ran, hätte aber vor 30 Jahren bestimmt seinen Platz im MTV-Programm gefunden. Hier zeigt sich auch wunderbar, dass die Jungs sich auch auf andere Stile verstehen. Der Seventies-Sound lässt den Song gleich weniger schnulzig, dafür aber umso lässiger rüberkommen, während Ballade #2 ,Misery Loves Company, voll auf Akustik setzt und so einen gelungen Kontrast zum restlichen Album bildet.
Eher untypisch für Glam Metal Bands ist die Stimme von Sänger Tommy Ende, die relativ tief und rau ist. "Eier-kneif"-Schreie sucht man hier also vergeblich. Auch wenn ich diese Schreie mag, vermisse ich sie auf diesem Album nicht wirklich,denn in dem meisten Fällen klingt der Herr ziemlich cool. Nur in den meisten Fällen? Jo. Manchmal hat man das Gefühl, dass der Gute etwas zu zaghaft ans Werk geht. Bei Satdurday Night geht er richtig aus sich heraus, doch bei manchen Stellen andere Songs meint man, dass er sich nicht so recht traut. Da sehe ich bei einem Debut gerne drüber hinweg, doch in Zukunft sollte er daran arbeiten, da es sonst schnell passieren kann, dass die Lieder zu eintönig werden.
Sein Bruderherz Kenny hingegen, überzeugt an der Gitarre auf ganzer Linie. Da ist mir nicht ein einziges Mal der Gedanke gekommen, wie jung die Vier Amis doch eigentlich sind, denn was Kenny da abliefert klingt eher nach jemanden, der schon sein halbes Leben im Buisness ist und nicht nach einem Neuling. Ganz tolle Leistung! Das gilt natürlich auch für sein Instrumental, welches auf den Namen Hot Mess hört und mit seinen 1:25 genau die richtige Länge für Instrumental-Muffel wie mich hat^^
Das Schlusslicht bildet das geniale Silver Bullets. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: "Meine Herren, das haben Sie verdammt gut gemacht. Das klingt mal so richtig cool."
Wenn da mal nicht ZZ Top Pate standen ;-)

Fazit:
Mal klingt die Crüe heraus, mal sind es ZZ Top und manch anderer wird vielleicht noch Ähnlickeiten zu anderen etablierten Bands finden. Einmal meinte ich auch Parallelen zu Extreme zu hören.^^ Was später mal zum Nachteil werden könnte, macht sich auf diesem Debut noch richtig gut! Wie gesagt, lässt das die Jungs in meinen Augen absolut athentisch erscheinen, denn dass eine junge Band anfangs ihren Idolen nacheifert, ist aus meiner Sicht völlig normal. Und es hätten weitaus schlimmere Idole sein können, wie ich finde^^

Ein weiterer Pluspunkt ist die Produktion, der wir einen grundehrlichen Sound zu verdanken haben, der auch schon mal ganz dezentes Demo-Feeling aufkommen lässt. Nein, hier ist nix auf Hochglanz poliert und das ist auch gut so. Schließlich wollen wir ein Rock/Metalalbum hören!
Die Instrumentalabteilung, allen voran Kenny Ende, macht einen überraschend souveränen Eindruck. Zwar ist sowohl in Sachen Songwriting als auch bei Tommys Stimme noch Luft nach oben, doch wenn die Jungs weiter so engagiert zu Werke gehen, sehe ich da in Zukunft keine Probleme.
Nasty Habit ist ein gelungenes Debut geworden, dass trotz, oder gerade WEGEN des ein oder anderen Schönheitsfehlers, ein lange verloren geglaubtes Feeling bei mir geweckt hat.
Good Job, guys!

Punkte: 8 / 10


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