Divine Infernal - The True Face Of God (2011) - ein Review von woifal

Hyperion DB 369: Divine Infernal - The True Face Of God - Cover
1
Review
1
Rating
8.00
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Black Metal


27.01.2013 19:24

Nach den ersten beiden Alben "Cor In Therion" und "Skulltivation" (beide Reviews zu finden auf www.RottingHill.at) meldet sich die österreichische Truppe "Hyperion" – diesmal mit dem Suffix "DB 369" – mit "Devine Infernal - The True Face Of God" wieder zu Wort. Die zwei vorangegangenen Scheiben waren bereits sehr unterschiedlich und nicht miteinander zu vergleichen, weswegen ich die Vorwarnung der Band, dass deren aktuellster Streich wieder einen Umbruch mit sich bringt, natürlich entsprechend ernst nehme. Mein Interesse an ihrem Schaffen haben die lokalen Musiker mit dem zuletzt gehörten Tonmaterial bereits geweckt, und ich habe mich schon seit längerem darauf gefreut, endlich die Zeit für das bislang letzte Werk der Gruppe zu finden.

Bereits die Einleitung "Introduction: Hermetic" lässt einen neuerlichen Stilwandel der österreichischen Truppe erahnen. Roh und düster führen cleane Gitarren in das Album, ehe der erste Song "Blutnacht" in ebenfalls rauer Manier startet. Obschon man nicht nur vom Titel, sondern auch vom Klang an klassischen Black Metal erinnert wird, wurde der Schwarzmetall von "Hyperion" in seiner typischen Form hergenommen und mit diversen Einflüssen ausgeschmückt, sodass man als Kenner des Schaffens der Truppe auch den bandeigenen Stil wieder heraushören kann. Weit melodischer als bei manchen Genre-Kollegen geht es zu, und auch die schon in den Rezensionen der vorherigen Scheiben erwähnten Thrash Metal-Einflüsse, sowie ein leichter summerischer Touch sind auf dem aktuellsten Werk wieder in einem gesunden Maß vertreten. So kurios sich das anhören mag, aber hie und da schossen mir unter anderem Bands wie "Hellsaw" und "Agrypnie" in den Kopf, obwohl das vermutlich ein völlig subjektiver Eindruck ist. Die Kälte und Finsternis des Black Metal geht aber neben aller Variation nicht verloren, sondern schimmert immer wieder und an den richtigen Stellen unverblümt durch. Das ist nicht nur angenehm anzuhören, sondern ist auch sehr förderlich für die Spannung des Silberlings, die sich eigentlich durchgehend hält und eher selten etwas abflaut.
Die Songkonstrukte sind gelungen und fahren mit teils richtig guten Riffs auf. Alles in allem haben "Hyperion" zwar kein Meisterwerk, aber ein sehr anständiges Album kreiert. Neuerungen sind über die komplette Länge jedoch rar. Es gibt nicht allzu viel zu entdecken, das man vorher nicht schon gehört hätte, was sich letztlich auch auf die Begeisterung und den abschließenden Eindruck auswirkt. Trotz der Variation, der hörbaren Leidenschaft, den durchdachten und gut ausgearbeiteten Riffs und Melodien kann man "Devine Infernal - The True Face Of God" nicht in die Liga der außergewöhnlich innovativen Alben aufnehmen, denn man kennt es einfach schon. Auch muss ich trotz des grundsätzlich sehr passenden Klangs der Platte anmerken, dass die Songs von Seiten des Sounds teilweise etwas unterschiedlich klingen, was den Lauf des Silberlings leicht ins Schwanken bringt. Im Gegenzug ist jedoch positiv zu bemerken, dass die Einsätze der Synthesizer-Klänge auf "Devine Infernal - The True Face Of God" im Gegensatz zum Vorgänger passenderweise wieder etwas abgenommen haben. Nicht, dass deren Verwendung bislang fehl am Platz gewesen wäre, aber bei solch einem Material wie dem vorliegenden hätte das ganz schnell schief gehen können. Die für mich vom Schaffen der Truppe nicht gänzlich wegzudenken Keyboard-Passagen wurden sehr gezielt eingesetzt und fügen sich dadurch gut in die schwarzmetallische Kälte ein. Das bestätigt letzten Endes, dass die Musiker rund um "Hyperion" durchaus wissen, was sie tun, und mit den diversen Effekten und Dosensounds nicht nur wild um sich schmeißen.

Ich will nicht sagen, dass "Devine Infernal - The True Face Of God" die beste Platte der österreichischen Musiker ist, denn dafür sind die Alben von Grund auf viel zu verschieden. Bezogen auf ähnliche oder vergleichbare Black Metal-Scheiben kann man aber durchaus behaupten, dass "Hyperion" hier ein sehr ansehnliches Stück Musik abgeliefert haben, das sich vor der Konkurrenz nicht zu verstecken braucht, aber eben auch nicht allzu weit darüber steht. Gefallen dürfte es jenen Hörern, die es auch mal etwas weniger klassisch mögen, sich gerne auch im melodischen Bereich des Schwarzmetalls aufhalten und den Wechsel zwischen dem düsteren Ursprung des Genres und der atmosphärischen, aber nicht übertriebenen Moderne verkraften können. Spannend und unterhaltsam ist es allemal, und antesten kann nicht schaden!

Wolfgang / RottingHill.at

Punkte: 8 / 10


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