Frontiera (1972) - ein Review von Shyclad

Procession: Frontiera - Cover
1
Review
1
Rating
9.00
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Rock Progressive Rock


Shyclad Avatar
24.10.2015 13:52

Die italienischen Prog-Rocker dürften den meisten gänzlich unbekannt sein, was nicht verwundert - sie veröffentlichten 1972 und 1974 lediglich zwei Alben, die keine besondere Bekanntheit erlangten und außerdem lange Zeit extrem rar waren, bis sie vor wenigen Jahren (als CD und Vinyl) wiederveröffentlicht wurden.
Dabei hat gerade das vorliegende Debüt einiges an Originalität und Innovation zu bieten und dürfte durch seine teilweise sehr heftigen Momente auch aufgeschlossene Metalfans ansprechen.

Es wird verhalten durch eine Akustikgitarre eingeleitet, worauf allerdings ziemlich bald E-Gitarren folgen, erst in gemäßigtem, dann in treibendem Tempo, welches jäh unterbrochen und von ruhigen Gitarrenklängen mit Gesang abgelöst wird. Der durchgehend auf Italienisch vorgetragene Gesang erzeugt dabei eine nicht selten leicht melancholische Stimmung. Im weiteren Verlauf des Stücks wird die Härte wieder langsam gesteigert bis ein fast konfus wirkender, harter Ausbruch zum Ende führt.
Bis hierher hat man den Eindruck, bereits mehrere Stücke gehört zu haben, wie auch das gesamte Album eher wie eine Suite, als wie eine Ansammlung einzelner Songs wirkt. Das zweite Stück rockt dann erstmal geradliniger nach vorne, klingt sogar schon sehr nach ganz frühen IRON MAIDEN (zu Paul Di’Anno-Zeiten), allerdings mit folkigen Gitarrenmelodien, was es wie ein Vorläufer des Stils der Band SLOUGH FEG wirken lässt - und das bereits im Jahr 1972!
Auf den abrupten Schluss folgt direkt ein ruhigeres, von Akustikgitarren dominiertes Stück, in dem dann aber auch wieder E-Gitarren (teils zweistimmig) auftauchen., bevor es von einer Akustikgitarre sehr ruhig abgeschlossen wird.
Mandoline, Akustikgitarre und Gesang leiten den nächsten Song etwas schwungvoller (auf folkloristisch anmutende Art) ein, nacheinander kommen Schellenkranz, ein Gitarrensolo, Flötenklänge und Mellotron dazu. Danach wird es wieder deutlich ruhiger: eine melancholische Gesangsmelodie wird von Akustikgitarre (die mich hier aus irgendwelchen Gründen an FATES WARNINGs 14 Jahre jüngeres “Awaken The Guardian” erinnert), Bass und verhaltener E-Gitarre (so wie spärlich eingesetztem Schlagzeug) begleitet. Dieser Part wechselt sich mit einem etwas zügigerem ab, der vom Mellotron dominiert wird und die wunderschöne Atmosphäre weiterträgt, die A-Seite dann auch abschließt.

Die B-Seite fängt instrumental an, zunächst ruhig, fegt dann aber mit krass verzerrten E-Gitarrenklängen wie ein Orkan über einen hinweg. Das klingt hier durchaus schon nach 80er Metal, und nicht dem harmlosesten! Der Gitarrensound ist für damals wirklich sehr brachial und gehört neben dem von BLACK SABBATH zum extremsten, was ich aus der Zeit bis 1972 kenne!
Der ruhigere Part taucht dann noch einmal wieder auf, woraufhin eine von Mandoline dargebrachte Melodie, begleitet von Bass, Schlagzeug und Gesang einsetzt, zu der sich im Verlauf noch eine Gitarre gesellt. Mit "Solo" folgt dann ein eingängiger Rocker. In "Un'Ombra Che Vaga" geht's danach völlig verrückt zu, teils auch wieder sehr hart, aber mit einem "versöhnlichen", ruhigeren Schlusspart. Abgeschlossen wird das Album dann mit "Solo 2", das im Grunde das gleiche wie bereits "Solo" ist (was den "Suite-Charakter" des Albums unterstreicht, zumal viele Stücke auch ohne Pause ineinander übergehen), nur zusätzlich mit Mundharmonika und einem anderen Gitarrensolo, sowie einem recht abrupten, verzerrten Ende.
Gerade der Abschluss gefällt mir auf der A-Seite viel besser, aber insgesamt haben wir es hier mit einem großartigen, abwechslungsreichen Album zu tun, das weder besinnliche Momente, noch (proto-)metallische Härte vermissen lässt, auch wenn letztere die Musik nicht dominiert.

Daher vergebe ich 9 Punkte (mit Tendenz nach oben)

Punkte: 9 / 10


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