Embryo (2012) - ein Review von Monolith

MoTrip: Embryo - Cover
1
Review
5
Ratings
8.80
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Rap/Hip Hop


Monolith Avatar
29.04.2012 16:40

Wenn es ein Album gibt, das für einen jeden anspruchsvollen Hörer ein Pflichtkauf ist, dann ist es dieses hier. MoTrip zeigt, dass man Wortwitz, Flow, großartige Reime und Vergleiche à la Kollegah nicht nur im Battlerap verwenden muss. Da er schon von Kool Savas auf John Bello II & III gefeatured wurde, sowie auch Parts auf den Alben von Silla und Fler rappte, die einen schlichtweg vom Hocker reißen, sprich eine ähnliche laufbahn wie Kay One hinlegte, waren die Erwartungen für das Album ziemlich hoch. Doch im Gegensatz zu Kay enttäuscht MoTrip mit seinem Debut nicht. Zugegeben, beim ersten Durchlauf ist man erst etwas verwundert. Stücke wie “Schreiben, Schreiben “ oder “Wir“ klingen ziemlich kommerziell, und es enttäuscht, dass die ersten beiden Tracks “Kennen“ und “King“ die vielleicht härtesten Tracks sind, obwohl sie schon sehr schwach sind, was die Atmosphäre angeht, da man nicht in diese “Pimp“-stimmung kommt. Doch genau das ist es, warum ich das Album als das vielleicht beste Deutschraprelease des Jahres bezeichnen könnte (OK, das Jahr ist noch lange nicht rum). Denn MoTrip hat gar nicht vor, irgendwie “hart“ zu klingen. Im Gegenteil. Mit Tracks wie “die Frage ist Wann, oder “Tagebuch “ erzählt er etwas über seinen Weg, den er als Rapper gegangen ist, auf “Feder im Wind“, “Wir“ und “Kettenreaktion “ (meine persönlichen Favoriten) erzählt er uns etwas über sich selbst und zeigt seine emotionale Seite. JoKa und Silla leisten auf Kettenreaktion eine genauso gute Arbeit, sie sind ein gutes Trio, da sie alle drei gute Battle- wie auch Deeptracks schreiben. Doch das was mich am Meisten an diesem Album fasziniert, ist, dass viele Tracks einen gewissen Spiegel vor den Hörer halten und man sich in vielen Tracks wiedererkennt, da MoTrip nicht nur darüber rappt, was er getan hat, sondern auch, womit er innerlich zu kämpfen hatte. Die “Triptheorie“ zeigt mit ein paar kleinen saitenhieben den Zustand der heutigen Rapszene mit Sätzen wie “ich sehe immer weniger Talente und immer mehr Beef“ und das Titelstück “Embryo“ handelt von einem abgetriebenen Baby, das anschließend zu seinen Eltern spricht.
Alles in Allem ist "Embryo" ein Album, auf das ich schon so lange gewartet habe. Leider setzen die meisten Rapper noch immer darauf, möglichst viel herumzukeifern und man konzentriert sich scheinbar nur noch darauf, möglichst "harte Punchlines" und ein paar guten Reime oder Vergleiche von sich zu geben, doch Rapper, die auch gerne mal tiefgründige Texte schreiben, werden nur selten akzeptiert. Ich hoffe mal, dass sich mehr Rapper eine Scheibe von MoTrip abschneiden, und ihr talent nutzen, um mal ein paar vernünftige Texte mit Sinn, oder wenigstens einem Inhalt zu schreiben, statt nur leere Worte und Beleidigungen von sich zu geben.

Punkte: 10 / 10


MoTrip: Embryo

Audio CD

für 6,79 €
Amazon icon Kaufen bei amazon.de - Mehr Angebote

Tracklist:

  1. Kennen
  2. King
  3. Feder im Wind
  4. Schreiben, schreiben
  5. Triptheorie / Meine Rhymes & Ich feat. Marsimoto
  6. Die Frage ist wann
  7. Alles was ich wollte
  8. Tagebuch
  9. Kanacke mit Grips
  10. Gorilla feat. El Moussaoui
  11. Kunst
  12. Albtraum
  13. Wir
  14. Kettenreaktion feat. Joka & Silla
  15. Wie die Zeit verrennt
  16. Embryo
  17. Intro / Ich fang am Ende an

Weitere Angebote:

Login
×