Quecksilber (2012) - ein Review von Seth_Echoes

Stahlmann: Quecksilber - Cover
1
Review
6
Ratings
8.25
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Industrial Metal


23.01.2012 23:54

[Auszug von vio.twoday.net - Das Onlinemusikmagazin DER GUTE TON.]

Es gibt immer wieder Bands, die sich „dem alten Rezept“ widmen und die Neue Deutsche Härte wiederbeleben; eine Spielart, die oft probiert, noch öfter simpel kopiert und selten wirklich qualitativ auf die Bühne gebracht wurd in der Vergangenheit. Zum Herzeleid-Album einer deutschen Ausnahmeband, die leider schon allzu oft als Vergleich für Stahlmann dienen musste, wurde der Begriff als Anlehnung an die damalige Neue Deutsche Welle geschaffen und vereinte – sagen wir einfach mal – die härtere Gangart der deutschen Musikszene mit den vielseitigsten Einflüssen. Namhafte Bands bedienten sich hier und da an diesem Genre: Unheilig, Oomph!, Megaherz, Eisbrecher… die Liste ist lang und könnte problemlos um 10mal so viele erweitert werden, die – teils eher schlecht als recht – ihre Gitarrensaiten im NDH-Verschnitt anschlagen. Bands, die sich wie Abziehbilder geradezu dafür eignen nur zur Vorband zu verkommen. NDH-Anheizer, Stimmungsbrandstifter, sozusagen.

Und dann gibt es ein paar Jungs aus Göttingen, die mit ihrem Self-Titled Album 2010 den Silberschweif zurück an den Neuen Deutschen Himmel gezaubert hat. Stahlmann. Nach 2 Jahren Bandbestand konnten die Niedersachsen rund um Sänger Mart(in) Soer mit ihrem Debütalbum überzeugen. Neu erfunden wurde die Stilrichtung nicht, aber dafür erstrahlte sie in einem neuen, frischen Glanz. Nahezu stählern. Wie ich schon sagte: Unmenschlich viele Bands haben sich hier auf diesem Feld versucht, aber kaum eine konnte derart schnell durchstarten. Ehe sich der aufgewirbelte Silberstaub nun wieder setzt, legt das neue Lieblingskind von AFM Records nochmal nach. Das Feuer wird nochmal angefacht und mit einem frischen Schuss Quecksilber in die Rocker-Venen starten wir in ein neues, von NDH-Konkurrenz geprägtes Jahr. Können die Jungs bestehen mit dem neuen Silberling? Hören wir mal rein!

[...]

#2 - Spring nicht (3:20)
Bereits zum Jahreswechsel konnte man den Song erhaschen, da er von den Stahlmännern in einem Videolog im Hintergrund lief. Bereits da machte das Stück Laune! Ohne Einschränkungen geht es hier weiter. Der Track hat eine unglaubliche Energie bereits im Soundsystem, dass es mir ein inneres Blumenpflücken (oder –rupfen!) wäre, das Stück einmal live zu hören. Insbesondere der kleine Break gegen Ende der dritten Minute, der dann knallhart in den Refrain mündet.. Ein Traum – die hohe Kunst der stahlmännischen NDH! Das Zusammenspiel zwischen Mart’s tiefer, durchdringender Singstimme und dem harten Riff, der vom „Toberkel“ hier auf’s Brett gezimmert wird, ist einfach perfekt.
Trifft 5 von 5 guten Tönen. Und zwar punktgenau!

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#5 – Mein Leib (3:50)
Oh man, ich vergleiche viel zu viel mit anderen Bands. Das bleibt wohl nichts aus, dennoch wollen wir’s einfach mal für den Rest des Albums probieren. Stahlmann pur ab sofort. Aber ganz so einfach ist das nicht, weil mich gerade dieser Song an die Verkörperung von NDH erinnert, die Unheilig in ihrer Pre-Ruhm-Phase, wenn ich’s so nennen kann, propagiert hat. Der Beat, der Songaufbau, das könnte gut in die Puppenspiel-Zeit um 2008 passen. Nicht Unheiligs Zenith, aber definitiv nicht das schlechteste Zeugnis für die Göttingener… Göttingens… Götten… für die Band aus Göttingen jedenfalls. Aber jetzt ist wirklich Schluss mit Musikparallelen. Versprochen. Zumindest probier ich’s.
Trifft 6 von 10 guten Tönen.

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#7 – Götter (3:31)
Okay, okay, einigen wir uns darauf: Götter. Nicht Göttingener, auch nicht Götten, sondern einfach Götter. Mart und Tobi haben sich diesen Titel mit dem Song im Grunde auch redlich verdient. Befürchtete ich, dass man mit Spring nicht sein funkelndes Schießpulver bereits früh verschossen hat, wurde ich hier – ihr Götter seid dank – eines Besseren belehrt. Stimmlich ist das für mich der stärkste Track, den Mart bislang für die Öffentlichkeit je eingesungen hat. Nicht nur, dass der musikalische Kontrast zwischen still-sitz-verneinenden Refrain und düsterer Strophe wieder grenzgenial umgesetzt wurde; nein, auch Mart schafft es, diesen Unterschied auch stimmlich zu zeigen. Einfach anhören. Ein Muss.
Trifft 10 von 10 guten Tönen.
[...]

Als Bonus-Tracks, die nur auf dieser Limited Edition hier zu finden sind, lass ich Track 10 – 13 aus, die nochmal ein wenig NDH an den geneigten Hörer bringen und die Gesamtspielzeit von fast 35 Minuten wenigstens noch auf vertretbare 48 Minuten aufwerten. Etwas länger hätte es schon sein dürfen. Im Zusatzteil finden wir hier außerdem mit Herzschlag nur einen vollwertigen Track – die letzten drei sind nur Remixe von Tanzmaschine bzw. Mein Leib. Aber eine zu kurze Spielzeit konnte man bereits beim 2010’er Self-Titled kritisieren, ähnlich wie die etwas seicht bis banalen Texte. Im Grunde sind das beides auch wieder Krankheiten, welche die NDH-Szenemusik bereits seit jeher heimsuchen. Kann man sich darauf jedoch einlassen, dann wird man mit der Musik – und insbesondere mit dieser Scheibe hier! – seinen Spaß haben. Stahlmann überzeugen auf dieser LP auf ganzer Linie und setzen mit Spring nicht und Götter den frischen Schuss Quecksilber, den die Neue Deutsche Härte gebraucht hat. Mit diesen Liedern im Kopf bin ich gespannt, wie insbesondere Megaherz auf ihrer Götterdämmerung und im Februar dann auch Eisbrecher nachsetzen wollen. Ich sehe da nur wenig, was man besser machen kann. Ein Dankeschön nach Göttingen!

Volles Review unter: http://vio.twoday.net/stories/stahlmann-quecksilber/

Seth "Vio" Echoes

Punkte: 7.5 / 10


Stahlmann: Quecksilber (Ltd.Digipak)

Audio CD

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Tracklist:

  1. Engel der Dunkelheit
  2. Spring nicht
  3. Tanzmaschine
  4. Asche
  5. Mein Leib
  6. Am Grunde
  7. Götter
  8. Schmerz
  9. Diener (Limited Edition Bonus)
  10. Herzschlag
  11. Tanzmaschine (Single Version)
  12. Tanzmaschine (Club Remix)
  13. Mein Leib (Club Remix)
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