Back To Schwarz Vol. I (2011) - ein Review von DarkForrest

Soko Friedhof: Back To Schwarz Vol. I - Cover
1
Review
1
Rating
4.50
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Dark Wave/Gothic


DarkForrest Avatar
14.03.2016 17:08

Als Ende 2011 "Back To Schwarz" auf den Markt kam, hatte Soko Friedhof bereits einige musikalische Entwicklungen hinter sich. Als David A. Line’s Sideproject von Untoten, dass sich nicht allzu ernst nimmt, hat sich Soko Friedhof mit tanzbaren Electro-Songs, eingängigen Beats und Filmsamples in erster Linie mit Klischees rund um die Gothic-Szene auseinander gesetzt. Zwischendrin gab es aber auch immer mal wieder die eine oder andere ruhigere und ernsthaftere Nummer, so wie z.B. der Großteil auf „Die Geschichte eines Werwolfs“. So ab „Klingentöne Satans“ etwa hat der Comedy-Faktor zugenommen und die Lyrics gingen von deutsch + englisch zu ausschließlich deutsch über. Trotzdem hatte ich bin zum Album „Totengräber“ meinen Spaß mit der Band. Leider hat sich David A. Line dann entschieden mit „Mord“ Rap-Elemente einzubauen die mit ihrer Porno- und Gansterthematik eher die U-14 Zielgruppe ansprechen dürften und auf „Drom“ den gleichen Fehler nochmal zu begehen.

Nach diesen beiden wirklich abartig grottigen Alben, wo so garnichts passte kam 2011 (nur wenige Monate nach „Drom“ dann „Back To Schwarz Vol. 1“ (so der volle Name) auf den Markt. Das Cover trieft vor Grufti-Kitsch und ich weiß bis heute nicht, ob Name und Aufmachung des Albums ironisch gemeint sind oder den ernsthaften Versuch darstellen, sich mit den alten Soko-Fans zu versöhnen, bevor diese endgültig weglaufen. Leider gibt es kein richtiges Booklet, sodass nur 3 Lyrics abgedruckt werden konnten, was ein wenig dürftig wirkt. Mit 20 Songs wirkt das Album recht umfangreich, obwohl viele kurze Interludes vertreten sind, wie man es von der Band kennt. Trotzdem kommt man auf eine Länge von über 60 Minuten.

Das Intro „Back To Schwarz“ ist gleich mal so ein Schnipzel, der sich aus Samples zusammensetzt. So weit, so Soko Friedhof. „Schmerz“ ist dann der erste richtige Song und man hört sofort die eingängigen Beats, die man von den Albem bis „Totengräber“ kennt. „Schmerz“ geht wirklich schön in’s Ohr, hat aber ein großes Problem. Immer der gleiche Beat und die Line „Ich kann diesen Schmerz nicht vergessen. Ich hab’s versucht.“ Sind mir auf Dauer zu wenig. Da, wo jetzt normalerweise ein wenig Variation kommen würde, passiert einfach garnichts. Die Tatsache, dass der Song ganze 6:21 Minuten lang ist, macht die Sache nicht besser. In der Regel habe ich nach ca. 2 Minuten genug davon. So ist „Schmerz“ zwar kein komplett schlechter Song, nur ein irgendwie unfertiger. Was Man sich dagegen bei „Baby Evil“ gedacht hat, weiß ich wirklich nicht. Durch die Helium-Stimme verstehe ich nicht, was der Sinn des Songs sein soll und auch musikalisch langweilt er mich stark. Ganz schlecht!

Schnell weiter zum nächsten Song, „Der Tod Will Mit Uns Tanzen“. Ziemlicher Durchschnitt. Als Filler geht er so in Ordnung und nervt vor allem auch nicht. Viel bleibt mir davon aber leider auch nicht im Gedächtnis. Nach dem kurzen „Domina“ geht es dann auf zu „Runterschlucken“ und zum ersten mal haben wir es mit einem richtig gutem Song zu tun. Nicht tanzbar, aber wunderbar abgefuckt und zwar ganz ohne „Ghetto-Style“ zu sein wie auf den Vorgänger-Alben. Am ehesten hätte er wohl auf „Jesussaft“ gepasst, klingt aber gleichzeitig wie nichts, was man schonmal gehört hat. „Der Alte Graf“ ist dagegen wieder Durchschnittsware. Immerhin erzählt David hier eine kleine Geschichte.

Danach kommen „Schlag Deine Zähne!“ und „Buffe“, die so auch auf „Mord“ oder „Drom“ gepasst hätten, was natürlich kein gutes Zeichen ist. Ersteres ist komplett langweilig und nervt schnell mit seinem stumpfen Refrain. „Buffe“ hat aber was, so peinlich es auch für mich ist, das zuzugeben. Die Idee Soko Friedhof mit dem Assi-Rap der Vorgänger Alben und Reggea-Elementen zu verbinden ist einfach so dämlich, dass es schon wieder gut ist. Ja „Buffe“ hat einen Trash-Faktor, der dafür gesorgt hat, dass der Song mehrmals den Weg in meine Playlist gefunden hat und letzten Endes macht das die Soko ja auch aus. Auch „In Dieser Stadt“ weiß zu gefallen. Solide tanzbare Nummer. Kein Meisterwerk, aber gut hörbar. Noch besser ist dann aber „Tod Und Verwesung“, welches eine ziemlich skurrile Aneinandereihung recht plakativer Samples ist und irgendwann im kurzen „Grufti Sein“ gipfelt. Ich find’s klasse. Genau das ist der klassische Soko Friedhof Sound, den ich vermisst habe.

„Das War Mord!“ lässt mich dann wieder direkt kalt. Kindische Lyrics, lahmer Sound, gähn. Nach etwas Geschrei im Interlude „Nadeln“ kommt mit „Keine Türen“ der nächste lahme Song, der genauso langweilt wie „Das War Mord!“ zusammen mit „Schlag Deine Zähne!“ klingen sie wie Restprodukte aus den „Mord“ und „Drom“ – Zeiten, haben ein Ausrufezeichen im Titel und zu wenig eigenständige Merkmale um sie auf Dauer auseinander zu halten.

„Alptraum“ dagegen ist schon wieder ein anderes Kaliber. Im Prinzip geht der Song vom Stil in eine ähnliche Richtung, aber für den Fall dass David A. Line seit 3 Alben mit seiner Kombination aus Gohtic, Elektro, Hip Hop und „harten“ Lyrics eine wirklich düster abgefuckte Atmosphäre schaffen will, hat er es bei „Alptraum“ zum ersten mal auf diese Art geschafft. Alles klingt ziemlich creepy, der Beat geht gut in’s Ohr und die Musik schafft es an sich sehr gut zu verdecken, dass David sowas von nicht rappen kann. Die ganze Atmosphäre erinnert mich auch leicht an „Existenz“ von „Klingeltöne Satans“, welches ein großartiger Song war. Für mich eine wirklich positive Überraschung.

„Stadt2“ ist eigentlich nur ein kurzes Intro zu „So Leicht Kriegt Mich Der Tod“, welches dann noch ein paar Funkelemente einbaut. Ganz lustig, aber nach 1-2 mal hören ist die Luft schnell raus. „Geh Nachhaus“ ist dann wieder ziemlich ... merkwürdig? Versucht sich David A. Line hier gerade an neuer Deutscher Todeskunst mit Samples aus Pornos? Gelingt ihm nicht! Zum Abschluss gibt es noch einen Remix, was immer ziemlich cool ist, da diese bei Soko Friedhof ziemlich rar sind, obwohl sich die Musik dafür gut anbieten würde. Ich freue mich also auf den Remix von...“Baby Evil“...scheiße! Warum ausgerechnet „Baby Evil“? Den Mist neu zu mixen bringt rein garnichts, da dort wirklich nix mehr zu retten ist. Und so endet das Album ziemlich enttäuschend.

Wie soll ich das ganze jetzt abschließend bewerten? „Back To Schwarz“ ist deutlich besser als „Mord“ und „Drom“, was aber nichts zu heißen hat, wenn diese der letzte Dreck waren. Trotzdem denke ich, dass das Album schlechter hätte ausfallen können. Immerhin gibt es eine kleine Hand voll wirklich guter Tracks. „Runterschlucken“, „Tod Und Verwesung“ und „Gruftie Sein“ zeigen, dass David A. Line theoretisch sein Handwerk noch beherrscht und mit „Buffe“ und „Alptraum“ hat er mich sogar angenehm überrascht. Dann gibt es aber auch eine ganze Menger schlechter und langweiliger Songs plus noch ein paar Filler. „Back To Schwarz“ ist mit seinen vielen musikalischen Einflüssen zwar auch sehr abwechslungsreich, aber so richtig zu einem runden Gesamtkonzept will es auch nicht zusammenpassen. Klassische Soko-Elemente aus alten Zeiten, ein bisschen Rap, der nach Resteverwertung der Vorgänger-Alben klingt und ein paar neue Ideen, die entweder ganz solide oder richtig daneben klingen. Ich nehme Soko Friedhof nun wirklich nicht ernst, aber wenn „Geh Nachhaus“ z.B. der Versuch war neue deutsche Todeskunst auf die Schippe zu nehmen nutzt das nicht viel, wenn das Endprodukt immer noch scheiße klingt. Und gerade Songs wie „Keine Türen!“ oder „Schlag Deine Zähne!“ und noch andere scheinen sich selbst unnötig ernst zu nehmen oder habe ich den Witz dahinter einfach nicht kapiert?

Alles in allem ist „Back To Schwarz“ leider nicht die erhofft Rückkehr zu alten Stärken. Mit etwas mehr Zeit wäre vielleicht auch etwas Besseres dabei herausgekommen. So wirkt das ganze ziemlich unfertig und wie aus allen möglichen Elementen schnell zusammengebastelt. Ein „Back To Schwarz Vol. 2“ haben wir bis jetzt noch nicht bekommen. Stattdessen ist das Projekt ein Jahr später überraschend in den Bereich des schwarzen Schlagers gegangen. „Back To Schwarz“ hat mir ein paar nette Songs gebracht, um meine Soko-Playlist aufzustocken aber am Stück mag ich es mir garnicht geben. Schade um das Potential, aber hätte wohl auch schlimmer kommen können.

Punkte: 4.5 / 10


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