Hôrt Mîn Sagen (2011) - ein Review von Ulai

Angur: Hôrt Mîn Sagen - Cover
1
Review
2
Ratings
8.50
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Black Metal, Pagan/Viking Metal


Ulai Avatar
24.05.2014 17:46

2006 gegründet, sich ganze fünf Jahre fürs Debütalbum Zeit gelassen – das klingt doch nach einem gut durchdachten, ausgereiften Album. Und in der Tat: Angurs Erstling „Hört mîn sagen“ kommt sehr gut daher, hat aber noch das ein oder andere Manko. Das Quintett aus Frankenthal (in der Nähe von Mannheim, jedoch bereits in der Pfalz) bezeichnet sich als Mix aus düsterem Pagan – sowie Black Metal. Dem ersten kann ich zustimmen, Teil zwei finde ich eher fragwürdig. Die Band erinnert ein wenig an die weitaus bekannteren Slartibartfass.

Der düstere Pagan Metal, garniert mit folkiger Drehleier und Flöten, liest sich vielleicht schon ein wenig abgenutzt, Angur schaffen es aber, das Gegenteil zu beweisen. Erfrischend interessant klingt gleich schon der Titelsong, die Schreibweise setzt dabei gleich die Thematik fest. Es geht um Mittelalterliches, genauer gesagt: der Sagenkreis der Nibelungen. Man merkt aber schnell, dass es der Band hierbei um mehr geht, als auf einen Zug aufzuspringen, indem man schnell einen gehetzten Quickie aus Pagan Metal und Mittelaltermusik auf Scheibe bringt.

Fast schon lieblich kümmert sich die Band darum, nicht in ein solche Schublade abzudriften, man merkt, dass die fünf Jahre seit Bandgründung auch genutzt worden, um sich mit der Materie auseinanderzusetzen. Am meisten bemerkt man das an der Lyrik, die in diesem Fall eigentlich eher eine Epik ist. (Zugegebenermaßen nicht immer ganz erfolgreiche) Reimketten, dazu noch die Verwendung von mittelalterlichem Deutsch: Atmosphäre, Text und Thema sind gut aufeinander abgestimmt. Gerade auch die Abwechslung zwischen „normalem“ und „altem“ Deutsch, die Abwechslung zwischen Screams und Cleangesang ist zwar nichts neues, wird jedoch von Angur gut umgesetzt.

Im Laufe der CD bemerkt man jedoch vereinzelt, kleine, ganz selten auch mal große Schwächen, die dem Album aber selten großartig schaden. Als größtes Manko wäre da der Cleangesang zu nennen. Natürlich ist es immer lobenswert, die Atmosphäre durch jenen aufzulockern. Aber, naja, sowohl Weiblein als auch Männlein bekleckern sich mit ihren Gesangskünsten nicht wirklich mit Ruhm. Da muss Verbesserung her, sonst ist es einfach nicht möglich, ein höheres Level zu erreichen. Die gesprochenen Parts hingegen sind klasse, erzeugen teilweise gar ein gewisses Gänsehaut-Feeling und sind gerade für Überleitungen beziehungsweise Ausklänge von Songs bestens geeignet und werden vom pfälzischen Quintett auch überragend eingesetzt.

Die Melodik und die Verantwortung, welche die Drehleier für die Musik übernimmt, war am zu Beginn der CDs erfrischend, düster, aber gleichzeitig spannend. Mit zunehmender Laufzeit würde ich mir jedoch ein klein wenig mehr von den restlichen Instrumenten erwarten, wobei ich insbesondere die Gitarren in die Verantwortung nehmen möchte. Ständig die Drehleier im Vordergrund zu hören ist auf Dauer anstrengend und sich selbst einfach zu ähnlich aufgrund der unverkennbaren Art dieses Instrumentes. Solch gelungene Gitarrenparts wie der Beginn von „Erweckung der Walküre“ dürfen gern häufiger gehört werden, ihr Mannen an den Saiten, ihr könnt’s doch auch, versteckt euch nicht so sehr! Auch der Einsatz der Flöte, in der Selbstbeschreibung noch explizit erwähnt, kommt mir ein wenig zu kurz. „Die Vogelweissagung“ beinhaltet bzw. startet mit einem sehr schönen Flötenspiel – sowas kann sich auch durchaus öfters auf einer CD befinden!

Der Höhepunkt des Albums ist für mich eindeutig „Feuer der Flut“, der genau das Vereinen kann, was an Potenzial in dieser Band steckt. Schöne, düstere Melodik, ausgehend von der Drehleier, starke Screams, Änderung der Tempi, zur Abwechslung mal ertragbarer Cleangesang – hier zeigen Angur, was sie drauf haben! Wirklich klasse! Leider gelingt es der Band nicht, eine qualitative Konstanz zu behalten. Ohne Frage: Auch die anderen Songs sind überdurchschnittlich gut, haben ein gutes Maß an Härte, machen beim Zuhören Spaß, aber wenn man sieht, was die Band beim oben angesprochenen oder auch beim Titeltrack auspackt, dann ist es fast ein wenig schade, auch die anderen Songs nicht auf diesem Niveau hören zu können. Denn man merkt: Die Band hat eindeutig etwas drauf! Dementsprechend bin ich auch schon extrem gespannt auf hoffentlich bald erscheinendes Material, denn Angur sind eine erfrischende und willkommene Abwechslung im Pagan-Einheitsbrei mit sehr viel Potenzial!

(geschrieben von Asgrimur für Undergrounded.de)
(Quelle: http://undergrounded.de/index.php/reviews/album-reviews/item/1199-angur-h%C3%B6ret-m%C3%AEn-sagen)

Punkte: 7 / 10


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