Die You Heathen Die! (2011) - ein Review von bloodfreak

Robespierre: Die You Heathen Die! - Cover
2
Reviews
3
Ratings
7.50
∅-Bewertung
Typ: Compilation/Best-Of
Genre(s): Metal Heavy Metal


bloodfreak Avatar
15.08.2011 23:11

Den Stil von Robespierre zu beschreiben ist sehr schwierig. Es handelt sich hier nicht um eine NWOBHM-Band mit den typischen Trademarks; sie gehörten auch definitiv nicht zu den konservativen Rock Bands und sie machten auch keinen Punk. Um den Stil grob zu umschreiben, stelle man sich einen Hexenkessel vor, indem man eine Prise Venom, einen Schuss Black Sabbath und eine gut dosierte Ladung Punk hinzugibt. Das ganze wird mit Fledermausflügeln, Krötenaugen und ein wenig Jungfrauenblut zusammengerührt – Puff!! Der Bastard Robespierre ist in einem Keller in Liverpool geboren!

Ich bin ehrlich gesagt erst auf die Band aufmerksam geworden, als ich den Buried By Time And Dust Blog durchgelesen hab. Leuchtende Augen bekam ich jedoch, als die Stilbeschreibung mir entgegensprang: Mix aus Pagan Altar und Venom. Also machte ich mich bei YouTube auf die Suche nach einem Soundsample...nach zwei Songs haben sie mich dann überzeugt und die LP war geordert.

Die A-Seite besteht aus dem ersten 1983er Demo:
„Backs To The Wall“ ist energiegeladener Punksong mit Venom-Schlag. Hier regiert definitiv die Punkseite der Band und hätte genauso von einer britischen OI-Punk Band stammen können. Die Lead-Einsprängsel machen den Song allerdings auch für reine Heavy Metal Puristen genießbar. Dennoch sollten sich diese etwas in Acht nehmen und nicht zu viel wahren Metal erwarten: Hier wird gerumpelt, gebrüllt und drauflosgeschrubbt, dass es eine wahre Freude ist!
Der Härtegrad ist recht hochgehalten, wenn man bedenkt, dass das Demo im Juni 1983 aufgenommen wurde und „Kill 'Em All“ meines Wissens nach erst einen Monat später das Licht der Welt erblickte(technisch kommen sie jedoch an Metallica nicht heran! Ist aber auch nicht wichtig, da die Schwerpunkte hier woanders liegen! Bitte erwartet also keinen Metal im Stile von "Kill 'Em All").

Bei „Die You Heathen Die“ kommt dann die Liebe zu Black Sabbath aus den Satansbraten hoch und klingt etwas mehr nach Pagan Altars Debut-Demo. Der Song hat mich schließlich überzeugt, die Scheibe zu kaufen! Ich steh auf so Zeug!! Interessant vor allem, wenn man den vorherigen Song mit diesem vergleicht. Da ist jemand um Abwechslung bemüht gewesen.

Das anschließende „I Am A Cannibal“ fährt wieder mit mehr Punk auf. Für Historiker ist vermutlich interessant ist, dass der Text auf einer wahren Begebenheit beruht: Im Jahre 1972 zerschellte ein Flugzeug in den Anden und die Überlebenden waren nach einigen Tagen/Wochen gezwungen die Kadaver der verstorbenen Unglücksopfer zu essen, um überhaupt überleben zu können. Die britische Punk-Band GBH hatte übrigens Anfang der 80er ebenfalls einen Song über die gleiche Thematik („Passengers On The Menue“ vom Album „Killer Baby Attacked By Rats“). Ob der derb schwarzhumorige Text über das Ziel hinausschießt (wenn man die Umstände der Textinspiration kennt) soll jeder für sich selbst entscheiden. Ich jedenfalls nehme so etwas einer Band nicht krum, denn Heavy Metal eckte schon immer etwas an und das ist auch gut so. Sonst klatschen wir irgendwann allesamt im Musikantenstadl zu den „Fröhlichen Melodien“ einer Heavy Metal Kapelle – und das will hoffentlich NIEMAND!!

Das Outro „March Into Hell“ ist nichts besonderes: Musik und Stimme wurde verlangsamt um eine „höllische“ Atmosphäre zu erzeugen. Naja...

Die B-Seite, mit dem zweiten Demo von 1983 finde ich sogar noch einen zacken stärker und geht mehr in die Black Sabbath/NWOBHM Schiene. Dieses wurde übrigens im Dezember 1982 aufgenommen.

„Robespierre“ begeistert wieder mit starken Parallelen zu Pagan Altar (sogar die Vocals sind hier recht „nasal“ gehalten). Schleppend und düster poltert das Mainriff durch die Boxen und wird gleich zu Beginn mit einem Lead-Einsprängsel begleitet. Wenn die Vocals einsetzen denkt man wirklich, es handelt sich hier um ein verschollenes Pagan Altar Stück.
Der Song ist brutal heavy! Total klasse!!

„Medusa“ ist nochmals sehr doomig gehalten und kann auf ganzer Linie überzeugen. Nach ein paar Durchläufen geht der Refrain nicht mehr aus dem Ohr! Achtet auch mal bei den Breaks auf die Chorgesänge (?) im Hintergrund.

„Maelstrom“ kommt schon recht „thrashig“ daher. Das Mainriff ist sehr abgestockt und wirkt noch relativ unspektakulär. Wenn allerdings der Refrain losbricht, platzen die Bierflaschen von alleine auf und man bekommt Lust vom Tisch zu diven.

Auch der vorletzte Song „Decapitation“ kann mit punkigem Metal überzeugen. Der Text für die damalige Zeit recht „gory“ und beschreibt eine Enthauptung mittels Guillotine. Bei der abschließenden Frage, ob die toten Augen nach der Enthauptung noch sehen können, zeigen die Lausbuben aus Liverpool nochmal typisch schwarzen britischen Humor und bekommen von mir nochmal einen Sympathie-Bonus mehr.

Das abschließende „Battle Of The Ninth Thermidor“ ist recht eingängig und erinnert vielleicht an eine etwas rumpeligere Punkvariante von Manilla Road. Auf eine komische Art, wirkt der Song „episch“, obwohl er das eigentlich garnicht ist.

Mir gefällt die Robespierre Compilation von Buried By Time And Dust ausgesprochen gut. Allerdings sollten Heavy Metal Puristen ein Ohr (oder manche besser zwei) vor dem Kauf riskieren. Denn es handelt sich hierbei keinesfalls um NWOBHM der Marke Satan, Jaguar, Angel Witch etc. - hier ist eine große Portion Punk mit im Spiel und das mag nicht jeder (und hat vermutlich damals schon viele abgeschreckt!). Der Preis ist auch recht heftig für das Teil (Kein Booklet, kein Poster – nur ein Einleger mit den Texten drauf). Der Sound geht für die Demos jedoch in Ordnung (besser, als die Samples und MP3s, die ich im Netz gefunden hab).
Für Leute, die mit Venom, Punk und Black Sabbath (70er mit Ozzy!) etwas anfangen können lege ich das Teil aber wärmstens ans Herz.

Punkte: 8.5 / 10


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