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Speed Kills...But Who's Dying (2011) - ein Review von chris der a

Verbal Abuse: Speed Kills...But Who's Dying - Cover
1
Review
1
Rating
10.00
∅-Bewertung
Typ: Single/EP
Genre(s): Hardcore Thrashcore, Hardcore Punk


chris der a Avatar
13.07.2011 00:24

Zugegeben, die CD habe ich in erster Linie wegen des Beitrags von Scheisse Minnelli gekauft, war aber auch gespannt auf das neue Material von Verbal Abuse. Und was soll ich dazu sagen?

Die Amis von Verbal Abuse eröffnen den Silberling mit einem Hardcore-Riff der alten Schule, welches prompt in eine mitreißende Uptempo-Nummer übergeht. Die erste Scheibe „Just an american Band“ aus dem Jahr 1983 war mir bisher als einzige wirklich geläufig und weiß auch fast 30 Jahre später immer noch zu begeistern. Bereits der 86er Nachfolger „Verbal Abuse rocks your Liver“ konnte dieses Level nicht ganz halten und ging gerade auch aufgrund des Sängerwechsels bislang etwas in meiner Sammlung unter. Umso erfrischender, dass Ursänger Nicki Sicki wieder ausgegraben wurde und auf den hier vorhandenen fünf Songs mehr als nur eine gute Figur macht. Wem die erste Platte geläufig ist, ist sofort mit der räudigen Stimme vertraut, die von ihrem Rotzfaktor nichts eingebüßt hat. Ebenfalls kann als Pluspunkt verbucht werden, dass die Stücke schön old-schoolig, aber dennoch druckvoll produziert wurden und wenn sich meine Ohren nicht täuschen, auch live eingespielt wurden (bei gewissen Introriffs meine ich, den Snareteppich im Hintergrund mitscheppern zu hören). In Zeiten von überproduziertem Hardcoregeboller eine sehr angenehme Abwechslung. Dabei setzen Verbal Abuse durchgängig auf klassische schnörkellose Powerchord-Hardcorepunk-Riffs, ein paar tolle Double-Bass-Attacken, einen geilen Snare-Sound und einen konstanten Rumpelfaktor im positivsten Sinne, da (wohl ebenfalls durch das Live-Einspielen) nicht alles ultratight daherkommt, aber eben doch so, wie es soll, da es zu keinem Zeitpunkt peinlich wirkt, was da zelebriert wird. Es wird dabei nicht durchgehend aufs Gaspedal getreten, was zwar dem Titel nicht gerecht wird, aufgrund der qualitativ geilen Songs aber völlig egal ist. Und Textzeilen wie „Destroy the human race“ (in „3 Seconds“) oder „I hate motherfuckin‘ Cops“ (in „My Disease“) machen einfach Spaß.

Danach kommen die bereits erwähnten Deutschamis Scheisse Minnelli, die keine Experimente machen und da anknüpfen, wo sie mit den letzten Releases aufgehört haben – und das ist auch gut so, denn die Band steht seit ihrer Gründung für Qualität. Bei den Jungs finde ich immer wieder faszinierend, wie spielerisch die einzelnen Instrumente zu einem geilen Ganzen verschmolzen werden. Die eingängigen Gitarrenriffs werden wie gewohnt garniert mit cleveren Drumfills und verspielten Basslines, die nicht immer einfach nur konform neben der Gitarre herlaufen. Und wer einmal in den Genuss kam, die Band live zu sehen weiß, dass dies von den Instrumentalisten scheinbar ganz easy aus dem Ärmel geschüttelt wird. Trotz der vielen kleinen Spielereien bleiben die Songs ruck zuck im Ohr hängen. Über allem thront das Organ von Sänger Samuel el Action (Pluspunkt auch für dieses Pseudonym), welches das Material zu einer geilen Mischung aus Hardcore- und Skatepunk mit einem Schuss Thrash macht. Scheisse Minnelli brillieren mit vier Musikern, von denen jeder Einzelne weiß, was zu tun ist, um das Beste aus jedem Song rauszuholen und damit das Talent haben, einen Hit nach dem anderen abzufeuern. Dank der passenden Produktion von Archi Alert (ex-Inferno/ex-Terrorgruppe) passt auch hier ein weiteres Mal der Sound, der ordentlich schiebt. Die Songs befinden sich dabei während der meisten Passagen im Uptempobereich und „Can’t remember“ kann sogar mir Blastbeats aufwarten.

Den Abschluss bilden die fünf Songs der Holländer The Shining (nicht zu verwechseln mit den schwedischen Spinnern von Shining). Diese Band hatte ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm und war daher umso gespannter, was mich da wohl zum Schluss erwarten wird. Doch alle Ängste, dass es ein Scheiß sein könnte wurden mit dem ersten Riff komplett zerstört. Was hier geboten wird, ist feinster Crossover Thrash. Schon bei den ersten Tönen lassen Bands wie Municipal Waste oder Oss! grüßen. Die Musik ist dabei sehr rifforientiert und diese sind reinster Uptempo-Thrash, wie er besser nicht sein könnte. Die klugen Arrangements, der Gesang und die Spielzeiten geben dem ganzen aber den nötigen Hardcore-Touch, so dass eine coole Mischung aus Geschwindigkeit und allesvernichtender Aggression entsteht. Dabei hat man das Gefühl, dass die Jungs die geilsten Thrash-Riffs der letzten 30 Jahre einfach schneller spielen und sie zu Songs unter der 2-Minutengrenze (lediglich „And then they die“ überschreitet diese knapp) verarbeiten. Großartig sind dabei auch die geschickt eingesetzten Gangshouts, sowie der Gesang allgemein. Bemerkenswert außerdem, wie ultratight die Band scheinbar mühelos agiert. Und auch hier passt der Sound, der die Songs genau zu dem macht, was sie sein sollen, dabei aber trotzdem nicht überproduziert oder zu glatt tönt. Diese Truppe bekommt einen Bonus dafür, dass sie mich überrascht und weggeblasen hat. Man sollte die Burschen im Auge behalten.

Insgesamt bleibt also festzuhalten, dass die 15 Songs mit einer Spielzeit um die 28 Minuten Lust auf bierselige Nächte und old-schoolige Moshpits machen und, dass bei keinem der Beiträge ein bestimmtes Highlight auszumachen ist, da die Qualität einfach durchgängig hoch ist. Bei der Platte stimmt einfach alles und sie läuft bei mir seit ihrer Ankunft völlig zu Recht auf Dauerrotation und noch immer keine Spur von Langeweile, einem Durchhänger oder sonst irgendwas, was nicht richtig wäre. Lediglich auf Vinyl wäre die Freude noch größer, aber man kann ja bekanntlich nicht alles haben. Diese Scheibe sollte man unbedingt immer komplett am Stück auf voller Lautstärke hören!

Punkte: 10 / 10


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