Flammensturm Die Feuer Sind Entfacht (2010) - ein Review von walzenstein

Flammensturm: Feuer Sind Entfacht, Die - Cover
1
Review
2
Ratings
7.50
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal Pagan/Viking Metal


walzenstein Avatar
05.04.2018 10:17

Pagan Metal ist für mich ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gibt es gute Bands wie z.B. OBSCURITY, andererseits wirkt das Gros der Bands auf mich, wie gewollt und nicht gekonnt. Klischeebehaftete Texte, die förmlich im Kitsch schwimmen, Musiker, die ruhig noch zwei Jährchen an ihren Instrumenten hätten üben sollen und Sänger, die sich reichlich überschätzen sind da keine Seltenheit.

FLAMMENSTURM aus Österreich schwimmen in der Mitte des Pagan-Fahrwassers. Musikalisch kann man den Jungs nichts Negatives vorwerfen. Aufgrund der deutschen, gut verständlichen Texte allerdings, hört man dann doch mal genauer hin, was die Band einem sagen will und da haftet doch hin und wieder schon etwas Peinlichkeit dran. Klar, heroische und patriotische Texte kommen ohne Kitsch meist nicht aus, aber FLAMMENSTURM schaffen es manchmal, mir ein Grinsen herbeizuzaubern.

Beginnend mit einem hasserfüllten Monolog, begleitet von Lagerfeuerknistern, Rabengekrächze und Wolfsgeheul im Hintergrund, zeigen FLAMMENSTURM gleich, in welche Richtung es bei ihnen geht: Um die Geschichte ihres Landes mit einer gehörigen Portion Patriotismus. Und gleich mit dem Titeltrack packen die Österreicher die Pagankeule aus. Irgendwo zwischen MINAS MORGUL und GERNOTSHAGEN zeigen FLAMMENSTURM, was sie können. Auffallend ist, dass das Quintett sich sehr am puren Black Metal orientiert und so nicht in die Schwemme der unzähligen Gedudelbands geraten. Sänger Wulf Degan gibt hier die volle Bandbreite seines Könnens zum Besten. Sei es das dominierende schwarzmetallische Gekeife, heroische Klargesänge oder auch düstere spoken Words, der junge hat es wirklich drauf und muss einfach positiv erwähnt werden. Auch die Saitenfraktion leistet solide Arbeit. Seien es frostige, sägende Riffs oder melodische Leads, die im Ohr bleiben; nicht schlecht. Lediglich die Drumarbeit klingt manchmal etwas unbeholfen.

“… Farben des Volkes, rot, weiß und rot, diesen folgen wir bis in den Tod!…”, nur eine Zeile aus dem achtminütigen Liebeslied “Ostarrichi”. Ich überlege gerade, wenn die Band aus Deutschland kommen würde und so etwas in der Art über unsere Landesfarben singen würde, was dann in der Presse stehen würde. “Ostarrichi” ist aber ein geiler Song, der teilweise Mitgröhlcharakter hat und bei dem der Text zu keiner Zeit peinlich wirkt. Und das ist bei so einem Text dann doch schon irgendwie Kunst.

“Das Feuer ist entfacht” ist ein Debütalbum, das Pagan-Metal-Fans das Herz höher schlagen lassen wird. Es ist gut gemacht, musikalisch fast schon makellos und, mal abgesehen von wenigen Textstellen, intelligent arrangiert. Für mich ein kleiner Lichtblick in der Pagan-/Viking-Metal-Schwemme.

Punkte: 7 / 10