Ein Hauch Von Gift (2011) - ein Review von Monolith

Bizzy Montana: Ein Hauch Von Gift - Cover
1
Review
3
Ratings
8.83
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Rap/Hip Hop


Monolith Avatar
10.06.2015 23:16

Bizzy Montana war - zusammen mit Chakuza - ein Ausnahmetalent aus dem Hause EGJ gewesen. Nachdem sein Vertrag abgelaufen ist, war es einige Zeit still um ihn. 3 Jahre nach seinem dritten Album "Mukke aus der Unterschicht III" war er dann ganz überraschend wieder da. Und anders als sein Kollege Chakuza auf keinem verdrehten Musiktrip. Dieser hatte mit dem Mixtape "Suchen und zerstören 2" sowie seinem "Lost Tape" irgendwie auch nicht mehr das gemacht, wofür man ihn früher gerne gehört hat. Bizzy hingegen schien der Labelausstieg nicht gerade schlecht getan zu haben.

Er war auch schon früher für seine melancholisch bis deprimierten Texte bekannt, in dieser Richtung hat sich also nichts verändert. Was sich aber verändert hat, sind die Beats und ihre Qualität. Bizzy hat bereits beim EGJ-Label einige Beats selbst erstellt. Allerdings klangen die beats dort über weite Strecken zu dumpf und plätscherten manchmal einfach nur vor sich hin. Hier kommt gleich auf "Booom" ein sehr schöner Beat, auf dem Bizzy in üblicher Manier rappt. Was sich auch verbessert hat: Seine Technik. Nicht nur rappt er um einiges selbstsicherer mittlerweile und auch schneller, auch sind seine Reime um einiges durchdachter geworden, ein Phänomen, das ich zu dieser Zeit besonders stark in Kenntnis genommen habe. Scheinbar haben Veranstaltungen wie das VBT, sowie einige sehr aufstrebende Konkurrenten den dienstälteren Rappern mittlerweile doch ziemlich unter Druck gesetzt, weshalb nun auch die Berufsrapper sich mehr Mühe geben, um auf höhere Ebenen zu gelangen als ein paar Perlen aus dem Hobby- und Spaßrap.

Über zwei Features bin ich sehr frohl, das eine ist Chakuza auf "Cash, Money", das andere ist Silla auf "was geht bei dir?", auf dem sie sich eine Art offenen Brieg vorrappen, der von ihrer Drogensucht handelt. Silla bemühte sich zu dieser Zeit ja schon länger mit dem trinken aufzuhören, hatte bei seinem Label sogar einen speziellen Vertrag, der ihn auf eine Art Entzug setzen sollte. Dass die beiden Rapper sehr deprimiert über ihre Sucht waren, zeigte sich nicht nur in den Texten, auch die entnervten Stimmen und der schrille Beat tragen diese Stimmung mit sich.

Natürlich gibt es neben den ganzen Bizzy-üblichen Liedern auch ein paar weniger Überragende. "Wos Party!?" hat wohl die so ziemlich mieseste Hook und dieses jammernde Kind auf "Komma Kla!" hätte weggelassen werden sollen, doch das sind kleine Fleckchen, die im Angesicht von großartigen Liedern wie "leeres Blatt" und "Zeichen" verblassen.

Meine Rapphase war die wohl ziemlich schwerste Zeit, was Plattenkäufe anging, zum Einen waren viele meiner Blindkäufe Fehlkäufe, zum Anderen war ich besonders naiv, und hab manchmal mehrmals denselben Fehler gemacht und mir Alben von demselben schlechten Rapper gekauft, nur weil ich ein paar gute Singleauskopplungen gefunden hab, die leider mal wieder die einzig guten Lieder des Albums waren. Umso mehr kann ich die Qualität von den wenigen Perlen schätzen, die ich gekauft hab, und die auch gut sind. Mit Bizzy Montanas "Ein Hauch von Gift" kann jedenfalls kein Rapfan, oder generell Fan von deutschsprachiger Musik was falsch machen.

Punkte: 9.5 / 10


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