Cuentos De Ayer Y De Hoy (1978) - ein Review von DarthWerder

Ñu: Cuentos De Ayer Y De Hoy - Cover
1
Review
1
Rating
9.00
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Rock Progressive Rock, Hardrock


31.05.2015 21:41

Mit einer bis dato einmaligen Synthese aus Folk und progressivem (Hard) Rock ist es der britischen Legende Jethro Tull gelungen, sich Anfang der 1970er weltweit einen Namen zu machen. Anscheinend auch in Spanien, merkt man doch der Musik der 1974 in Madrid gegründeten Band ÑU zu jeder Sekunde den Einfluss Ian Andersons und seiner Mannen an.
Und doch, als Tull-Kopie darf man die Iberer nicht abtun, viel zu eigenständig ist der Sound, mit dem sie auf ihrem 1978 via Chapa Discos veröffentlichten Debüt-Album „Cuentos De Ayer Y De Hoy“ aufwarten. Denn wo beim englischen Vorbild häufig eher fröhlich, leicht und meistens humorvoll zu Werke gegangen wird, erschaffen ÑU ein viel düstereres Klangkunstwerk. José Carlos Molina, Sänger und Multiinstrumentalist, erzählt nicht zu einer Tasse Tee amüsante Anekdoten amouröser Abenteuer, sein Gesang ist häufig ein einziges erfreifendes Wehklagen und Verzweifeln. Die harten Riffs stehen dabei im Kontrast zu den fröhlicheren Melodien, die eine breite Auswahl an Folk-Instrumenten (beispielsweise Flöten, Geigen und Hörner) beisteuert.
Und da ÑU deutlich härter und düsterer als ihre größte Inspirationsquelle Jethro Tull sind, fühle ich mich versucht, es den Spaniern zu unterstellen, schon 1978, also stolze 13 Jahre vor Erscheinen des Skyclad-Debüts „The Wayward Sons of Mother Earth“, den Folk Metal (der hier allerdings sehr wenig mit den Trinkliedern der einschlägig bekannten Kandidaten zu tun hat) erfunden zu haben.

Doch nun zum wichtigsten, der Musik ÑUs, auf deren Debütalbum „Cuentos De Ayer Y De Hoy“ sechs Liedern mit einer Gesamtspieldauer von 38 Minuten zu finden sind:
Los geht es mit „Profecia“ und „Preparan“, zwei Stücken, in denen harte Riffs, dissonante Düsternis und ein klagender Sänger auf deutlich positivere folkige Melodien in der Tradition Jethro Tulls treffen. Der folgende Song „Algunos Musicos Fueron Nosotros“, mit 3:28 das kürzeste Lied des Albums, ist derweil, anders als das vorangegangene Material, ein flottes Rock'n'Roll-Stück mit den bandtypischen Folk-Einflüssen.
Zum härteren Sound kehrt nun der Titeltrack „Cuentos De Ayer Y De Hoy“ zurück, dessen Beginn gegenüber dem übrigen Material des Albums noch ein wenig stärker vom großen Vorbild aus Blackpool beeinflusst scheint. In eine ähnliche Richtung gehen auch „El Juglar“ und das abschließende „El Paraiso De Las Flautas“; ruhige Passagen, folkiger Frohsinn, dissonante Schwermut, in den beiden längsten Stücken des Albums zeigen ÑU die ganze stilistische Bandbreite ihres Schaffens.

Da dies (bei einer aus Bandperspektive nicht optimalen, aber trotzdem nicht negativ auffallenden Produktion) alles auf höchstem spielerischen Niveau geschieht, die Songs gleichsam komplex und abwechslungsreich wie eingängig sind und trotz des immer klar durchscheinenden Einflusses Jethro Tulls genug Eigenständigkeit vorliegt, überzeugt „Cuentos De Ayer Y De Hoy“ auf vollster Linie. Hinzu kommt eine „Pionierleistung“, die den Ursprung des Folk Metals schon in die 1970er zurückdatieren lässt.
Deshalb kann ich all jenen, die etwas mit Jethro Tull oder Skyclad anfangen können, nur wärmstens ans Herz legen, dem 1978 erschienenen Debüt der noch immer aktiven ÑU eine Chance zu geben.

Punkte: 9 / 10


Nu: Cuentos de Ayer Y de Hoy

Audio CD

für 13,08 €
Amazon icon Kaufen bei amazon.de - Mehr Angebote

Tracklist:

  1. Profecia
  2. Preparan
  3. Algunos Músicos Fueron Nosotros
  4. Cuentos De Ayer Y Hoy
  5. El Juglar
  6. Paraíso De Flautas
Login
×