Give 'em Hell (1980) - ein Review von gravedancer

Witchfynde: Give 'em Hell - Cover
1
Review
10
Ratings
8.75
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Hardrock, Heavy Metal


gravedancer Avatar
26.12.2013 01:32

WITCHFYNDE zählen mit Sicherheit zu den weniger bekannten, folglich auch weniger erfolrgreichen Vertretern der NWoBHM. Die beste Vorraussetzung dafür, große Sympathien von meiner Seite aus zu ernten. Da mich erfolgreiche Bands wie IRON MAIDEN oder SAXON quasi langsam aber sicher nur noch langweilen (vor allem erstere, weil man deren allte Songs bis zur Erschöpfung gehört hat und deren neue Alben schlicht und ergreifend langweilig sind), habe ich mich nach und nach auf die Suche nach den weniger bekannten Kult-Bands dieses Genres gemacht, so man es als solches sehen möchte.

Dieses mal bin ich schließlich, wie so oft zufällig, auf den okkult angehauchten Act WITCHFYNDE aufmerksam geworden und habe mir promt deren Debüt und Klassiker "Give 'em Hell" zugelegt. Pünktlich einen Tag vor Weihnachten erreichte mich das gute Stück.

Nach dem ersten mal Durchhören war ich ein wenig enttäuscht, da man hier anscheinend nicht so ein bärenstarkes Debüt schaffen konnte, wie beispielsweise DIAMOND HEAD oder TYGERS OF PAN TANG oder vielleicht auch GIRLSCHOOL...Aber der Reihe nach. Wie schon erwähnt, die Band spielt mit okkult angehauchten Texten nach den großen Vorbildern von BLACK SABBATH, wie es auch die späteren Nachbarn WITCHFINDER GENERAL oder VENOM taten. Unmissverständlich machen dies auch der Name der Band, wie des Albums ansich, sowie die mit Pentagramm verzierte Teufelsfratze klar. Man könnte daraus also den Trugschluss ziehen, es handele sich hierbei um eine ähnlich wie Venom agierende Rumpelband...Glücklicher Weise weit gefehlt: Die Texte sind weitaus weniger lächerlich, das Musikalische Können bereits viel höher und die Produktion auch um einiges besser als alle 4 frühen Venom Klassiker zusammen. Tatsächlich befindet man sich musikalisch in genau dem Rahmen, den man von einem Vertreter der NWoBHM erwartet.

Der Opener 'Ready To Roll' ist meiner Meinung nach der stärkste Song der Platte und für mich eine der stärksten Hymnen des Genres. Starke Riffs und Hooklines mit hohem Wiedererkennungswert und die etwas angehobene Musiziergeschwindigkeit können hier besonders punkten. Die Stimme von Steve Bridges hat übrigens eine gewisse Ähnlichkeit mit der von Sean Harris (DIAMOND HEAD). Bereits im zweiten Song 'The Divine Victim' drosselt man die Geschwindigkeit beträchtlich und walzt in 5 Minuten mit einem tollen Groover daher, der nach dem ultracoolen 'Ready to Roll' leider etwas untergeht. 'Leaving Nadir' ist noch mal eine Minute länger und beginnt mit einem ruhigen Akkustik-Intro, fährt aber ab der dritten Minute ein starkes Riff im Strophenteil auf. Der epische Refrainteil wird besonders von Steve Bridges fabelhaften Gesang geprägt, sodass mir der Song mit jedem mal hören besser gefällt und man definitiv vom zweiten Höhenpunkt der Platte sprechen kann. Weiterhin etwas gediegen geht es auf 'Gettin' Heavy' zur Sache, sodass es mir bei diesem Song immer etwas langweilig wird, da der Titel leider nicht so recht zu halten vermag, was er verspricht (erschien im Übrigen erstmalig auf der B-Seite der 79er Single zu 'Give 'em Hell'). Mit dem Titelsong geht es nun endlich wieder etwas flotter zur Sache und der dritte Höhepunkt der Scheibe, der mit einem typischen NWoBHM Riffing daherkommt und mit einem Klasse Refrain auftrumpft, der in dem inbrünstigen Ausruf "...And Give 'em HEEEEEEEEEEEEELL" endet, ist erreicht. Den bereits vorletzten Song stellt das längste, abwechslungsreichste aber leider auch recht vertrackte 'Into The Ages Of The Ages' dar, das mit einem recht ruhigen aber gelungen melodischen Intro beginnt, sich langsam in den ersten Gesangspart hineinsteigert (immer noch toll anzuhören), der wiederum in einem tollen Solo endet. Ab Minute 2:41 beginnt ein seltsamer Sprechpart, der in ein von Bass und Schlagzeug getragenes Instrumental übergeht. Später bekommt man noch mit, dass es sich quasi um das Titelstück der Band handelt. Das Ganze zieht sich bis zur Minute 6:43 hin...in dieser Zeit schaltet mein Gehirn leider immer ab. Doch dann haut man noch einmal mit einem coolen Riff und dem zweiten richtigen Gesangspart auf den Putz, sodass mich dieser acht Minuten und 52 Sekunden andauernde Epos immer etwas im Zwiespalt zurücklässt. Mit dem eigentlichen Schlussong hat man noch einmal einen straighten, eingängigen Rocker am Start und nach sieben Liedern und rund 36 Minuten Spielzeit ist man bereits am Ende dieser Kultscheibe angelangt.

Fazit: Die anfangs erwähnte Enttäuschung war nicht ganz berechtigt, denn eigentlich hat man hier keinen wirklich schwachen Song am Start gehabt. Den 9 - Minuten Epos versteh ich leider nicht so recht, was, auch durch die Überlänge bedingt, dazu führt, dass ich ihn als kleinen Schwachpunkt sehe. Auch Track 2 und 4 stehen dem Rest leider ein wenig nach. Doch die Produktion gefällt, ebenso das Cover Artwork und im Prinzip kann man das Album durchgehend anhören. Ich denke daher, "Give 'em Hell" ist mit 7,5 Punkten gut bedient.

Nachtrag:

Auf dem CD Re-Release von 2004 befinden sich noch 3 Bonustracks drauf. Ersterer kann getrost übersprungen werden...zu hören ist Gebrabbel der Bandmitglieder wie ich annehme. Doch mit 'Tetelestai' hat man noch eine bis dato unveröffentlichte Perle ausgepackt, die erneut knappe neun Minuten andauert und dieses Mal von vorn bis hinten zu überzeugen weiß (klasse Gitarren-Leads)!. Schließlich verwertete man mit 'Wake Up Screaming' noch die B-Seite der vor dem Album erschienenen Single "In The Stars", ebenfalls ein starker Song. Folglich möchte ich die CD-Version aufgrund der tollen Bonustracks mit einem extra Punkt ehren!

8,5

Punkte: 7.5 / 10


Witchfynde: Give 'Em Hell (Expanded)

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Tracklist:

  1. Ready to roll
  2. The divine victim
  3. Leaving Nadir
  4. Gettin' heavy
  5. Live 'em hell
  6. Into the ages of the ages
  7. Pay now - love later
  8. The devil's gallop
  9. Tetelestai
  10. Wake up screaming
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