IV - Made Of Metal (2010) - ein Review von Monolith

Halford: IV - Made Of Metal - Cover
1
Review
12
Ratings
8.71
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Heavy Metal


Monolith Avatar
17.07.2015 02:59

Keine Frage, das Cover ist ziemlich lächerlich. Eine Karosserie in einer Grafik, wie bei den alten Need for Speed Spielen, da hätte ein ganz simpler schwarzer Hintergrund mit dem Titel in einer 0815 Schriftart schon besser gefallen. Aber wenn ich Bilder bewerten will, gehe ich auf Kunstausstellungen. Hier geht es schließlich nicht um Autos oder irgenwelche optischen Qualitäten. Was hier zählt ist der Big Man, der Pavarotti des Metals, der ungekrönte König unserer Zeit! Halford! Und passend wird "Made of Metal" mit einem Track begonnen, das den Titel "Undisputed" trägt. Ungezähmt und in reiner Old School Manier erhebt sich Halford und versetzt jeden Hörer mit seinem majestätischen Gesang in Ehrfurcht. Das Stück bohrt sich in beide Ohren und man hört hier bereits heraus, dass er seinen Helferlein noch etwas Nachhilfeunterricht gegeben haben muss. Soli wie hier wären vor ein paar Jahren noch gar nicht vorstellbar gewesen. Drummer Bobby trifft endlich den Takt und hat eine bessere Spieltechnik. Auch scheint die Band endlich warm geworden zu sein und harmoniert perfekt miteinander. Ganz klar, die 7 Jahre seit "Crucible" ("Winter Songs" habe ich noch nicht gehört) haben die Jungs nicht nur Däumchen gedreht. Danke, dass ich das noch erleben darf!

Insgesamt bedient Halford hier wieder vermehrt die Heavy/Power Metal Sparte. Wäre auch zu schön gewesen, eines Tages doch mal einen ausgereiften Fight-Nachfolger zu hören, um wahr zu sein. Was aber auch nicht schlimm ist, denn in diese Gefilden ist Halford einst mitsamt seiner Kompanie von Judas Priest reingewachsen, sie haben ja einige Elemente dieser Musikrichtung(en) maßgeblich geprägt. Und so überzeugt auch "Fire and Ice" trotz seiner Monotonie, die entfernt ziemlich an die Wucht von Priests "Leather Rebel" erinnert.

Der Titeltrack macht seinem Namen alle Ehre. Leider ist da teilweise zu viel des Guten dabei. Ein klassischer Metalriff zieht sich über den ganzen Track, die erste Choruswiederholung wird verzerrt wiedergegeben und der Text ist kitschig, sehr kitschig. Auf einer Skala von 1 bis Manowar... Lassen wir das.
Auf der Supersonic Flying Machine wird mit dem "Speed of Sound" emporgerauscht. Klingt besser als umgesetzt, aber jetzt kommt etwas, das ich nach "Crucible" auch nicht gedacht hätte einmal zu schreiben: das Solo rettet den Song. Ja, so gut sind die Herren Roy Z und Chlasciack mittlerweile. Und danach funktioniert das Stück auch wieder.
Die kleinen Patzer auf den Stücken werden generell sofort wieder ausgebügelt, dazu reicht der Facettenreichtum, der hier immer wieder zu finden ist. Halford ist mit Herz und Seele dabei und erweckt wie zwei Jahre zuvor auf Priests "Nostradamus" die meisten Lieder auf diesem Album mit seinem sehr gefühlvollen Gesang zum Leben. So ist auch die Power Metal Hymne "Like there's no tomorrow" ein Stück, das wieder mal vormacht, wie es zu klingen hat.
"Like there's no tomorrow", "'Til the Day I die", eine nette Aussage. Das eher unübliche Intro mutiert schnell zu einem treibenden Metalriff, das mit Halfords sehr motiviertem Gesang die Gemüter jeden Hörers anregt. Mit diesem Stück geht es dann auch erstmals in rockigere Gefilde, das darauffolgende "we own the Night" ist songwriterisch die logische Fortsetzung zu "til the Day I die", und bildet mit "Heartless" ein nettes Doppel.
Dass gegen Ende auch immer öfters die gleichen Strukturen wiederholt zu werden scheinen, das tut dem Album in keinster Weise schlecht. Im direkten Vergleich mit "Crucible", kann man deutlich sagen, dass eine Ansammlung von typischen klassischen Metalsongs am Ende doch mehr Substanz hat, als repetitives Groove Metalgewumme ohne jegliche Orientierung. Im Falle von "Hell Razor" wird es sogar richtig klassisch, es kommen einen Erinnerungen an "Stained Class" Zeiten hoch, nicht zuletzt durch den sehr jugendhaften Gesang von Halford und im Falle von "Thunder and Lightning" sind Vergleiche mit heutigen Iron Maiden nicht ganz verkehrt.
Auch musste gegen Ende natürlich noch eine Ballade her. "25 Years" zielt genau auf das Herz. Der Gesang von Halford im ziemlich melancholischen Soundgewand dürfte wohl die authentischste Vertonung von Gefühlen sein, die ich aus der heutigen Musikszene zu hören bekommen habe.
Dass wir schon so gut wie am Ende des Albums angekommen sind, dürfte kaum zu glauben sein. "Matador" heißt der vorletzte Track, der seinem Namen alle Ehre macht. Ein Halford kann über alles singen. Also folglich auch über einen Torrero in seinem Kampf mit einem Stier. Halford lädt hier demnach zu einer Fiesta ein. Sowas darf offensichtlich auch nur er, es ist schließlich eine Kunst, ein solches Lied zu schreiben, ohne es in dieser Stilkreuzung so zu verhunzen, dass man sich blamiert.
Kurz vor Ende sorgt Halford bei allen Liebenden noch einmal für Schmetterlinge im Bauch. "I know we stand a chance", eine typische Liebesballade im Metalgewand. Dieses Stück geht in die RIchtung von "Fever" und "Prisoner of your Eyes". Es ist mir ein Rätsel, wie Halford es schafft, ohne großartige Mühen so gefühlvoll zu singen. Man hört ja auch raus, dass er mittlerweile ziemlich in die Jahre gekommen ist und seine Stimme mittlerweile ein paar Schrammen hat, doch dies scheint am Ende überhaupt nichts auszumachen!
Und jetzt kommen wir zum Rausschmeißer, dem Häcksler, dem gnadenlosen Killer, der Rausschmeißer schlechthin, der am Ende nur noch Fetzen hinterlässt: the Mower! Dieses Stück stellt fast alle groovigen Ansätze von "Crucible" im Alleingang in den Schatten! Gnadenlos, rabiat, schnell, extrem, etwas, das man Halford nicht mehr zugemutet hätte. Seine Screams sind nicht mehr so hoch wie früher, aber durch den rauhen Touch klingen sie viel brutaler als davor. Und offensichtlich ist dies die allerletzte Darbietung seiner extremen Seite, die wir jemals hören werden.

"Made of Metal". Tja, tut mir Leid, aber gerade dieses Album ist doch der Beweis dafür, dass Halford trotz seines Alters eben nicht kraftlos ist. Weder sein Gesang noch seine Ideen sind langweilig oder uninspiriert, im Gegenteil, im Falle seines Gesangs heißt es nach alter Weisheit: "was dich nicht umbringt macht dich stärker". Und etwas, was ich einfach nicht akzeptieren werde, ist der Vorwurf ich würde Priest nicht wertschätzen und von einer Band, deren Mitglieder über 60 sind, etwas abverlangen, was sie gar nicht mehr hinbekommen bzw. nicht mehr müssen. Ich habe nicht erwartet, dass "Redeemer of Souls" neue Maßstäbe setzt. Ich habe auch nicht erwartet, dass Priest auf diesem Album Speed Metal Geschütze der Marke Painkiller abliefern. Und ich weiß auch nicht wo ich das in meiner Review zu diesem Album bitte geschrieben habe. Ich habe ein Album erwartet, das abwechslungsreich ist, das ist richtig. Und "Made of Metal" ist abwechslungsreich. Es ist druckvoll, bis auf den Rausschmeißer "the Mower" ist so gut wie jedes Lied eher im Metal Bereich der alten Schule oder im Power Metal orientiert. Ist meine Enttäuschung über "Redeemer of Souls" dann nicht nachvollziehbar, wenn ich feststelle, dass Halford mit seiner Soloband ein herausragendes Album aus dem Boden stampft, das Album mit seiner Hauptband aber kaum an die Qualität dieses Albums hier heranzukommen scheint? Am Ende ist es natürlich Geschmackssache und es wird zum Glück auch Leute geben, die die aktuelle Priestscheibe diesem Album hier vorziehen werden. Aber soll mir bitte keiner unterstellen meine Erwartungen an bestimmte Bands seien unfair.

Punkte: 9 / 10


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Tracklist:

  1. Undisputed
  2. Fire and ice
  3. Made of metal
  4. Speed of sound
  5. Like there's no tomorrow
  6. Till the day I die
  7. We own the night
  8. Heartless
  9. Hell razor
  10. Thunder and lightning
  11. Twenty-five years
  12. Matador
  13. I know we stand a chance
  14. The mower
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