Saarland Underground Metal Sampler 2010 (2010) - ein Review von walzenstein

Saarland Underground Metal Sampler 2010 - Cover
1
Review
1
Rating
5.00
∅-Bew.
Typ: Sampler
Genre(s): Metal


walzenstein Avatar
06.04.2018 11:26

Mit dem Saarland hatte ich bisher relativ wenig zu tun. Und doch war ich schon einmal da, denn während meiner Zeit bei der Bundesmarine bin ich auf einem Minensucher namens ‘Ensdorf’ gefahren und die Patenstadt war quasi Ensdorf im Saarland, welche natürlich auch besucht wurde. Nette und gastfreundliche ältere Menschen habe ich dort gesehen und kennengelernt. Die Jugend war lediglich im örtlichen Freibad anzutreffen. Mit Metal habe ich da nichts verbunden. Ja, ich habe dort nicht einen einzigen Langhaarigen gesehen. Dafür aber viele Steaks vom Schwenker vertilgt. Kein Metal im Saarland? Falsch gedacht! Obwohl das Saarland flächenmäßig wirklich klein ist, tummeln sich dort doch so einige Bands herum. Außer GODSLAVE und ICON kenne ich eigentlich keine Band von dort. Jedenfalls nicht bewusst. Doch das soll sich nun ändern.
Mit der Doppel-CD “Saarland Underground 2010” habe ich hier einen Tonträger vor mir liegen, auf der 23 saarländischer Bands vertreten sind. Nach meinen Infos ist das schon die sechste Ausgabe dieser Reihe, allerdings das erste Mal in Form einer Doppel-CD. Nun bin ich mal gespannt, was das Saarland außer Wein und Schwenksteaks noch zu bieten hat.

SLAVES UNDER MACHINE GODS: Guter Einstand. Etwas dumpfe Produktion und doch ist der Death Metal mit Grindeinschlägen technisch gut und macht Spaß. Da hab ich Bock auf mehr. Geht gut ab.

NORTH FROM HERE: Aufdringliche Keyboards treffen auf Leads und Gesang a la CHILDREN OF BODOM und WINTERSUN, allerdings etwas langsamer. Total öde, kraftlos und absolut überflüssig. Wenn dann noch elektronische Einlagen mit Bassdrums ertönen, die etwas technolastig sind, fragt man sich, was das bloß soll.

ENDLESS VOID: Boah, was ist das denn? Deutsche Texte, die man nicht versteht, weil der krächzende Sänger so arg im Hintergrund ist, dafür ist die ewige Geige sehr dominant. Sie gestaltet den Song eigentlich hauptsächlich. Warum ewige Geige? Weil sie zu 85% zu hören ist und immer die gleiche Melodie spielt. Das ist nervig und der Musik von ENDLESS VOID absolut nicht dienlich, denn der Refrain mit Growls und doomigen Anleihen kommt eigentlich ganz gut.

JOHN DEE: … alias Martin Müller, der hier alles alleine macht. Heavy Metal trifft auf Gothic. Klingt etwas nach THE 69 EYES oder NFD. Die Vocals sind manchmal etwas zu aufgesetzt; da kommt es schon vor, dass man denkt, der Herr Müller fängt gleich an zu kotzen. Musikalisch ist der Track gar nicht mal so schlecht. Sehr dünn produziert, aber mit netten Momenten und guten Melodieansätzen, die Ohrwurmcharakter ´besitzen.

GRAVETY: Kennt noch jemand die russischen Thrasher von SHAH? So klingen GRAVETY. Dünne Gitarren im Thrash-Gewand, abgehackter Gesang und Midtempo. Der Refrain ist besonders kurios, bei dem der Gesang klingt, wie eine tiefere Version von Kermit. Aber die Melodie, die er quakt, bleibt im Kopf. Komische Musik irgendwie; Thrash meets Pagan und Death Metal. Aber klingt gar nicht mal sooo verkehrt.

PROFANUS NATHRAKH: Wie der Name schon erahnen lässt: Black Metal. Permanente, aufdringlicher Doublebass, die den Drumcomputer nur zu deutlich erkennen lassen. Ansonsten coole Melodie, wütende Vocals, ganz guter Song.

HALF PAST DEAD: Sehr moderne Musik. Death Metal vermischt mit Hardcore und Thrash Metal. Mir etwas zu hektisch, dennoch kein schlechter Track. Absolut sauber produziert und die Gitarrenarbeit kann sich durchaus hören lassen. Nicht wirklich meine Baustelle, aber zugegeben gut gemacht.

MASQUERADE: Ähm, nun ja. Heavy Metal mit dermaßen nervigen Vocals, dass man dem Sänger gerne ein Weck ins Maul stecken möchte. Der Sound ist so dünn, dass die Musik sehr harmlos klingt. Der Sänger kann auch nicht immer die Melodie halten, das Riffing ist langweilig und der Song total verzichtbar.

INVOKATION: Natürlich Death Metal. Old School und unterproduziert. Ein bisschen AUTOPSY, ein bisschen CARNAGE. Innovativ ist anders, aber macht dennoch Spaß. Mit fast sieben Minuten der längste Song dieser ersten CD. Gefällt mir.

HERALDER: Irgendwo zwischen Folk-, Black- und Heavy Metal präsentieren sich HERALDER auf dieser CD. Und sie bedienen sich sämtlicher Klischees. Kitschige Keyboards, schlechter weiblicher Gesang, schräger männlicher Klargesang. Ein langweiliger Songaufbau tut sein Übriges, um diesen Track schnell wieder vergessen zu machen. Wirklich übel.

JOKER’S DRIVE: Diese Band ist eigentlich eine Frechheit. Klingen irgendwie wie SUBWAY TO SALLY oder IN EXTREMO, nur ohne Dudelsack. Dafür klingt der Sänger wie einer, dem nie Luft zugeführt wird. Der Text klingt wie zusammengeklaut, wie übrigens auch die Riffs. Total entbehrlich.

MALOIK: Heavy Metal mit einem so ausdruckslosen Sänger, dass es mir die Schuhe auszieht. Die Riffs habe ich auch irgendwo schon mal gehört. Die Vocals klingen wie eine schlechtere Kopie von Martin Kesici, die Gitarren sind so dünn, dass man von Heavy Metal eigentlich gar nicht sprechen darf und die Backing-Vocals, die bei ACCEPT stark und majestätisch klingen, kommen hier überhaupt nicht zur Geltung. Grottig.

Das war die erste CD und mein Fazit ist, dass hier mit ein paar Ausnahmen (SLAVES UNDER MACHINE GODS, PROFANUS NATHRAKH, INVOKATION) nur Durchschnitt zu hören ist. Mal schauen, wie es auf der zweiten CD vonstatten geht.

CELESTA: Eine harmlosere Version von LACUNA COIL, aber mit einem verdammt geilen Refrain. Da hört sich die Sängerin sogar etwas wie Deborah Anne Dyer von SKUNK ANANSIE an. Ein durchschnittlicher Song, der aber im Refrain, dank der Sängerin, zum Highlight wird. Kann man sich wirklich geben.

ICON: Wohl die bekannteste Band dieser Compilation. Death/Thrash Metal mit recht variablen Vocals und guten Ideen. Dieser Track ist allerdings etwas schwächer als das, was ich eigentlich von ICON kenne. Zwar nicht übel, aber die Songs der “Blindzone” gefallen mir dann doch besser. Trotzdem eine der besseren Bands hier.

BANISHED FORCE: Nun wird es so richtig thrashig mit BANISHED FORCE. Man fühlt sich bei der Band in die 80er zurückversetzt. Ein bisserl EXODUS, ein bisserl DARKNESS. Cooler Songaufbau. Reißt wirklich mit. Die Band muss ich mir merken.

WINTER: Welch einfallsreicher Bandname. Hatten wir ja auch noch nie. Die Originale sind aber so was von unerreichbar für die Saarländer, dass ich Vergleiche hier mal lasse. Am Anfang noch doomiger Black Metal mit Vocals, die etwas nach Shagrath klingen, doch das Tempo wird gesteigert. Klingt ganz nett, aber ist nichts Überragendes.

RESISTANCE OF YIELD: Klingen so in etwa, wie die Amis von BANISHED. Und die fand ich noch nie berauschend. Langweiliger Death Metal, der zwar amerikanisch klingt, aber doch nicht an die offensichtlichen Vorbilder der Saarländer SUFFOCATION oder IMMOLATION rankommen. Öde.

URIEL’S WINGS: Mit akustischer Gitarre beginnend und ich muss aufhorchen. Klingt toll. Der Gesang der Frontfrau gefällt mir auch. Doch dann, nach ca. 1,5 Minuten beginnt der Song wohl erst wirklich und wird schrecklich. Ich mag basslastige Musik, aber das hier klingt total übersteuert und die Dame fängt an zu keifen, dass schon fast Fremdschämen angesagt ist. Guter Anfang, beschissener Rest.

ANCIENT GODS: Rasanter Heavy Metal, der gar nicht mal schlecht ist. Die Vocals sind etwas ungewöhnlich für puristischen Heavy Metal und er würde auch gut zu einer Alternative-Band passen, aber das macht ANCIENT GODS sogar noch interessanter. Zwar etwas monoton der Track, aber doch ganz nett.

AUTUMNIGHT: Der Song heißt laut Booklet “404 Not Found”. Ob das nun ein Druckfehler ist, weiß ich nicht genau, nehme es aber an. Geboten wird hier aber Metal mit starkem Rockeinschlag und nettem Refrain. Die Sängerin macht ihre Sache nicht schlecht, singt aber ziemlich gefühllos. Durchschnittlich.

UNE: Oh man, stopf doch mal einer der Trulla da am Mikro ein Paar Socken in den Mund. Viel zu weit im Vordergrund ist das arienhafte Geträller der Sängerin. Hab zwar schon schlechtere gehört, aber die hier trampelt einem so penetrant auf den Nerven herum, dass man die Musik im Hintergrund fast gar nicht wahrnimmt. Die ist nämlich gar nicht so übel. Die Band sollte sich von der Heulboje trennen und einen Neustart wagen. Schnell weiter.

SOCIETAS NOCTIS: Stakkato-Riffs, saubere Produktion, guter Songaufbau. Death Metal mit Black Metal Elementen und deutschen Texten. Der Gesang zu weit im Hintergrund und kaum verständlich, aber der Rest kann überzeugen. Nicht schlecht.

ARCTIC WINTER: Hier ist dann auch wieder Martin Müller mit von der Partie. Kuschelrock ist angesagt, zumindest anfangs. Nach gut 2,5 Minuten geht es dann aber zur Sache. Purer Heavy Metal mit schlechtem Sänger, der an die NWOBHM angelehnt ist, aber nichts reißen kann. Viel zu nichtssagend ist der Song. Kein guter Abschluss der Compilation.

So, nun kenne ich schon ein paar mehr Bands aus dem schönen Saarland. Ob das bei der ein oder anderen Truppe notwendig ist, lasse ich mal außen vor. Der Sampler wäre tauglicher gewesen hätte man ihn auf eine einzige CD reduziert und nur SLAVES UNDER MACHINE GODS, JOHN DEE, GRAVETY, PROFANUS NATHRAKH, HALF PAST DEAD, INVOKATION, CELESTA, ICON, BANISHED FORCE, ANCIENT GODS und SOCIETAS NOCTIS raufgepresst. Alles andere ist dann eher Durchschnitt und noch darunter.
Ich mag solche Sampler trotzdem, da man wirklich mal einen Eindruck bekommt, was so alles im wirklichen Underground herumschwirrt.

Punkte: 5 / 10