Flersguterjunge (2010) - ein Review von Monolith

Fler: Flersguterjunge - Cover
1
Review
4
Ratings
3.38
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Rap/Hip Hop


Monolith Avatar
24.12.2011 01:55

Der Tiefpunkt von Flers Karriere. Aus Aggro Berlin ausgestiegen hielt er sich nur 2010 bei seinem ehemaligen Kollegen Bushido auf - nur um ein Jahr später nur nach zahlreichen gefloppten Alben ihm und dem Label wieder den Rücken zu kehren. Was mir in dieser aufgetakelten Deutschrapszene schnell aufgefallen ist: die "Künstler" fühlen sich in diesen ganzen klischeehaften "Germany's Next Topmodel" und "DSDS"-Rollen ganz wohl. Ist man mit ein paar Kollegen kommerziell erfolgreich kommen vor laufender Kamera schnell Liebesbekundungen und das typische Brüdergeschwafel. Komischerweise trennt man sich schnell nach einem gefloppten Album aus "persönlichen" Gründen. Und so hat auch Fler nach dem kaum erfolgreichen "Flersguterjunge" und dem Kollaboalbum "Berlins Most Wanted" mit den anderen beiden Mitgliedern von "Ersguterjunge" das Label wieder verlassen. In den letzten Jahren, und das ist amüsanter als dieses Stück Plastik, das ich hier bewerte, hat er in seinen Interviews eine ganze Palette widersprüchlicher Gründe geäußert, warum er das Label jetzt verlassen hat. Erst, weil Bushido ein Lied mit seinen "Feinden" Kollegah und Farid Bang gemacht hat, hinterher plötzlich will er keine Probleme mit Bushido gehabt haben, geht sogar soweit, dass er noch niiiiiie ein Problem mit ihm hatte, und zu Aggro Berlin Zeiten ja alle wegen Publicity aufeinander aufgehetzt wurden. (was nicht ganz falsch ist) Er wollte einfach sein eigenes Ding drehen und gründete daher ein eigenes Label. Ja, man sieht, wie tief ich früher als pubertierender Naivling mich mit dieser "Szene" bestehend aus RTL in Reimen beschäftigt habe!

Wirklich authentische Rapper findet man zu genüge, sogar solche, die technisch und lyrisch anspruchsvoll sind, hier in Deutschland sogar wie Sand am Meer. Jetzt, da Viva irrelevant geworden ist und MTV für Kohle sich zum Pay-TV-Sender hat kastrieren lassen, kann einem auch die böse böse Glotze nicht mehr das Hirn mit den ganzen "News" zum neusten "Beef" zwischen Rappern verwaschen, ohne die kein Hahn je nach diesen Rappern gekräht hätte. Wenn ein Rapper, vor allem einer dieser aufmerksamkeitsgestörten Zuchtbullen, mehr als einmal erklären soll, warum es zum Bruch zwischen ihm und seiner Kollegen kam, liegt es nur an der Kohle und der Interviewer wartet darauf, dass es endlich mal publik gemacht wird.

"Flersguterjunge" ist nicht nur schlecht, es ist rein unappetitlich. Wenn man abwechselnd Verse im Schneckentempo vorgegähnt bekommt und diese dann in quälgeistrige Autotunehooks münden, dann schaltet bei manchen Hörern ein Reflex, der schneller ist, als das technisch korrekte drücken der Skip-Taste oder gleich das Ausschalten der Stereoanlage. Dieser Reflex sorgt dafür, dass ihr eure Anlage mit einem überraschend gezielten Hieb zertrümmert! Das Ergebnis dieser 14.99 Platte ist, dass ihr wegen dieser "Musik" euch hinterher gleich eine neue Anlage wegen dieses Chaos kaufen müsst! Glaubt mir, das Album ist eine einzige Verschwörung von Fler und der Musikindustrie. Diese protzigen Lachnummern wie "A-A-Alles gefickt", das jaulende "Alles ist vergänglich", oder so ziemlich alle Lieder mit Bushido als Featurepartner - nein Handlanger! - für die man sich mit jeder fortschreitenden Strophe und jeder Sekunde der Hook schämen muss, wurden nur geschrieben, um eine Gehirnwäsche in euer Hirn zu platzieren! Ein Durchlauf dieses Albums reicht für psychisch Labile aus, um sich wie ein Stier beim Torrero zu fühlen. Es gibt nur zwei Stellen, bei denen ihr euch nicht fühlt, als würde euch gerade jemand akkustisch abstechen, bis ihr Tobsuchtanfälle bekommt, und das ist zum Einen der Gastpart von Silla, der gewohnt asozial klingt, aber wenigstens mit vernünftigen Lines kommt, sowie die Gastparts von Reason, weil man da beim ersten Durchlauf schwer was versteht. Und das Lied "Engel der Nacht" mit Puls, weil dieses Lied ander ist. Kein Gangstergequatsche kein erbärmliches Affentheater, einfach ein nettes Rapstück mit einer rockigen Hook.
Alles andere - Gott bewahre, macht diesen Fehler nicht und meidet dieses Album! Meidet generell die "Werke" von "Künstlern", die in Auftritten bei Sat1, RTL und Pro7 eine Chance sehen ganz groß rauszukommen und immernoch nicht kapieren, dass die Shows, in die sie sich reinsetzen, reine Volksverdummung ist. (falls das noch stimmt, ich bin seit Jahren "clean" von der Glotze)

Punkte: 1 / 10


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Tracklist:

  1. Intro [From "Flersguterjunge"]
  2. Neues ich
  3. Los, lauf!
  4. Alle gefickt
  5. Blaulicht bei Nacht - Fler / Bushido
  6. Flersguterjunge - Fler / Bushido
  7. Das alles ist Deutschland - Fler / Bushido
  8. Alles ist vergänglich
  9. Schwer erziehbar 2010
  10. Immer noch derselbe
  11. Halt mich fest - Fler / Reason
  12. Ich spiel, um zu gewinnen
  13. Kopfgefickt - Fler / Silla
  14. Russisch Roulette
  15. Gewaltbereit
  16. Labelboss Skit
  17. Bis zum Hals in der Scheiße
  18. Zu viel geweint - Fler / Reason / Kay One
  19. Wer hätte das gedacht?
  20. Engel der Nacht - Fler / Puls
  21. Mit dem BMW - Fler / Sonny Black
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