Nattens Madrigal - Aatte Hymne Til Ulven I Manden (1997) - ein Review von MLSnick

Ulver: Nattens Madrigal - Aatte Hymne Til Ulven I Manden - Cover
1
Review
14
Ratings
8.54
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Black Metal


MLSnick Avatar
20.07.2012 20:22

Die 'Nattens Madrigal' ist für mich in dem Sinne kein Musik-Album, sondern ein magisches Mittel, welches mir immer bewußt macht, was ich bin. Diese Scheibe ist der Wahnsinn. Der Untertitel 'Aatte Hymne Til Ulven I Manden' (Acht Hymnen für den Wolf im Mann) sagt alles. Die Essenz des BlackMetals wurde für meine Begriffe 1997 von ULVER in diese acht Wunderwerke verpackt und zeigt dem geneigten Hörer bis heute in seiner Kompromißlosigkeit, das wahre Schönheit echt brutal grausam sein kann!

Kein Intro, kein Firlefanz. Ein Knarzen der Gitarrensaite und schon wird losgebrettert. Präzise, pfeilschnell und rasiermesserscharf mit einem Sound der normale Menschen zum hastigen Ausschalten bewegt. Das Drumming kann man fast nur erahnen, es ist wie rasender Puls und treibt die Metamorphose zum Wolf ohne Umschweife an. Ein verträumt, entrückter Bass dümpelt kaum wahrnehmbar vor sich hin und schmeichelt dabei dem Unterbewußtsein.

Plötzlich ein Break und akustische Gitarren verwöhnen zum Abschied das letzte bißchen Zivilisation in der Seele des Hörers, bevor das Album gnadenlos weiterprischt. Mit einer noch nie gehörten Urgewalt und rohen Wildheit werden Gefühle erweckt, welche während der Evolution wohl Schritt für Schritt unterdrückt wurden. Wie ein Tier kauere ich in der schmerzend höhenlastigen Klangwelt und werde mit dutzend Winkelschleifern malträtiert. Zwischen den Titeln lauern meditative Töne, die unwirklich in der Ferne nach mir zu trauern scheinen.
Doch schon wieder werde ich mitgerissen in den Strudel, der mich zum Wolf werden läßt. Urinstinkte werden wach, pures Adrenalin durchströmt den angespannten Körper. Wären in dieser vergewaltigenden Brutalität nicht diese anbetungswürdigen Melodien, müßte ich mich wahrscheinlich vor Schrecken und Schmerz übergeben. Doch so stehe ich da, in dieser kargen Wildnis und blicke in den Wahnsinn. Ich erkenne mich als Mensch und sehe das Biest.
Wie kann so etwas erschreckend Grausames so schön sein? Diese Musik ist ein Mysterium, ein Rätsel welches mir den Verstand raubt. Diese Klänge, diese Melodien, wenn du ihnen deine Seele öffnest, werden sie dich für immer verändern.

Ansonsten bleibt 'Nattens Madrigal' ein Album der Superlative. Rasend schnell, unglaublich melodisch, ultrabrutal und doch so faszinierend. Eine mitreißend magische Reise zu Plätzen in der Seele, die man dort nie erwartet hätte.

Nicht wenige werden am Sound scheitern, doch wer den Weg durch diese feindseelige Wildnis findet, wird nichts Überwältigerendes mehr finden.

Punkte: 9.5 / 10


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