Bergtatt - Et Eeventyr I 5 Capitler (1995) - ein Review von Janeck

Ulver: Bergtatt - Et Eeventyr I 5 Capitler - Cover
1
Review
25
Ratings
9.58
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Black Metal, Folk Metal


Janeck Avatar
04.09.2013 08:17

1995 wurde mit "Bergtatt - Et Eeventyr I 5 Capitler" ein zeitloser Klassiker des norwegischen Black Metal erschaffen; ein Album, das an Emotionen und einzigartiger Schönheit zu zerbrechen droht und eine Sonderstellung im Black Metal besitzt.
"Bergtatt - Et Eeventyr I 5 Capitler" vereinigt wunderschöne und verträumte Melodien, hymnische Erhabenheit, glasklare Gesangsepen und rasenden Black Metal zu einem Meisterwerk, welches auch heute noch die wunderbarste Vertonung der norwegischen Landschaft darstellt, die der Black Metal hervorgebracht hat. Eröffnet wird der betörende Rausch durch das fast 8 Minuten lange "Capitel I: I Troldskog Faren Vild". Schon mit dem ersten Song wird deutlich, dass ULVER mit keiner Band zu vergleichen ist. Im kompletten Gegensatz zu den damals aktuellen Veröffentlichungen, eröffnen ULVER ihr Album mit einer epischen Hymne, die von Garms unverschämt tollem Gesang lebt. Ein Gesang, der so kristallklar und verträumt über den beruhigenden Gitarrenriffs, den singenden Melodien und dem rollenden Schlagzeug schwebt, dass man praktisch die Wälder und unberührten Landschaften Norwegens vor Augen hat. Keine Blastbeats, keine kalten, sägenden Gitarren und kein Kreischgesang zerstört diesen Moment völliger Erhabenheit und makelloser Schönheit. "Capitel I: I Troldskog Faren Vild" ist einer der wunderschönsten Songs des Heavy Metal aus Norwegen, in seiner Schlichtheit wie auch in seiner Ausstrahlung. Und wie viele Bands sich an diesem Muster versucht haben und lächerlich gescheitert sind, kann man eigentlich gar nicht mehr nachvollziehen.
Aber das war ja erst der Anfang von diesem musikalischen Traum!
"Capitel II: Soelen Gaaer Bag Aase Need" beginnt mit märchenhaften Flöten und einer sanften Akustikgitarre, bevor dann ein inbrünstiger Sturm hereinbricht. Es ist unfassbar, welche Kraft in dem Song steckt. Blastbeats treiben einen ratternden Bass an, rasende Gitarrenriffs schneiden sich durch Berglandschaften und Garm krächzt mit seinem voluminösen Organ inbrünstig durch verhangene Winterlandschaften. Und als ob das nicht schon Inferno genug wäre, reihen sich monumentale Chöre in den Sound - wie erhaben das klingt! Und dann dieser Klargesang, diese wahnsinnige Wärme in Garms Stimme. Der Mann hat einfach so ein wunderbares Organ, da klingt sogar der wilde Kreischgesang noch wunderschön. Es ist eine absolut faszinierende Gesangsleistung die auf dem ganzen Album stattfindet, man kann das gar nicht oft genug erwähnen. Natürlich ist Garm der Mittelpunkt auf dem Album, sein Gesang, seine Präsenz, seine beruhigende Wirkung und sein ungehaltenes Geschrei.
Aber es ist nicht nur diese einzigartige Stimme, die das Album so herausragend phänomenal macht. Die einzelnen Songs sind fünf in sich stimmige und beängstigend perfekte vertonte Kunstwerke. Es stimmt einfach von vorne bis hinten alles. Angefangen bei dem unglaublich erdigen und sensiblen Sound, der Platz für jedes Instrument, jeden noch so kleinen Moment lässt und die Stimmung perfekt eingefangen hat. Das Schlagzeug klingt wie ein Schlagzeug, die Gitarren sind nicht zu aufdringlich, der Bass ist genau so wahrzunehmen wie Akustikgitarren und Flöten. Der Gesang, besonders die Chöre und der hymnische Gesang von Garm ist schlicht perfekt in Szene gesetzt.
Für Black Metal Verhältnisse war dieses Album seiner Zeit weit voraus, gemessen am Songwriting gehört es sogar zu den besten Alben der 90er Jahre, die aus Norwegen kamen.
Das rohe "Capitel III: Graablick Blev Hun Vaer" mit diesem klebrigen Basslauf, dem infernalischen Gekreische und den schrammelnden Gitarrenriffs und dann dieser stimmungsvolle Mittelteil, der mit einer Akustikgitarre eingeleitet wird, in dem man Fußgetrappel hört, Nachtgeräusche im Wald - plötzlich ein Klavier, Gottmoment! ULVER lassen sich für dieses Intermezzo ganze 2 Minuten Zeit, wo praktisch kaum was passiert, bis auf Laufgeräusche und ein Klavier, das im Hintergrund spielt. Dann bricht wieder die Hölle herein. Garms knurrender Gesang, mächtige Chöre, rasende Gitarrenriffs, peitschendes Schlagzeug und dieser klebrige Basslauf verschmelzen zum Ende mit lieblichen Akustikgitarren. Großartig!
Das verträumte "Capitel IV: Een Stemme Locker" mit dieser wunderbaren Akustikgitarre, dem nebelhaften Gesang von Garm und einem wunderbaren Frauengesang aus der Ferne, bildet den Ruhepunkt des Albums, bevor mit dem letzen Song das mächtigste Black Metal Gewitter der 90er Jahre erklingt.
"Capitel V: Bergtatt - Ind I Fjeldkamrene" ist für mich schlicht der beste Black Metal Song, den Skandinavien hervorgebracht hat!
Alleine das Anfangsriff, das ruppige Schlagzeug und Garms Schrei ist ein Heiligtum. Dieser ausdrucksvolle Gesang, die unterschwelligen Akustikgitarren und die Bassspitzen sind das intensivste Stück Black Metal Musik, was ich jemals gehört habe. Und dann dieser märchenhafte Break. Stille, Frieden, Schönheit, Einsamkeit. Wie unbeschreiblich schön diese Akustikgitarre erstrahlt und dann von Garms glockenhellem Gesang abgelöst wird. Dazu dieses kauzig-wilde Schlagzeug und die knarzenden Gitarrenriffs. Fieberhaft wird die Stimmung immer intensiver aufgebaut, bis dann eine klagende Gitarre unfassbar aus dem Sound hervorsticht, Flöten alles einstürzen lassen, das Schlagzeug völlig losgelöst Becken peitscht, der Bass einem Donnergrollen gleichkommt und Garm zu wahrer Größe aufläuft. Dies - und nichts anderes - ist der erhabenste und wunderschönste Moment der gesamten 2. Black Metal Welle! Bei diesem Part heule ich auch heute noch. Es ist einfach unfassbar, wie viel Gefühl man in Musik verewigen kann. Garm triumphiert hier über alles, seine Stimme ist einfach so lebendig, so ausdrucksstark und gewaltig, dass man es echt nicht fassen kann.
Und das schönste an dem Album ist, dass es so Schlicht ist. Es bedient nicht die Klischees der Szene, besitzt keinen markanten Schriftzug, kein "anstößiges" Cover, keine posierenden und geschminkten Satansanbeter und ist mit seinen 34 Minuten so intensiv und perfekt ausbalanciert, wie kein anderes Album im Black Metal.
"Bergtatt - Et Eeventyr I 5 Capitler" ist nicht nur in seiner Bedeutung eines der 3 besten "klassischen" Black Metal Werke für alle Ewigkeiten, sondern ist für mich auch gleichzeitig schlicht und ergreifend eines der wichtigsten und wunderbarsten Alben in meiner "Laufbahn" als Musikfan.
Und an manchen Tagen gibt es kein besseres Album als "Bergtatt - Et Eeventyr I 5 Capitler" - dann ist es für mich sogar für 34 Minuten das beste Stück Musik, die man nie wieder missen möchte!

Punkte: 8.5 / 10


Login
×