Mr. Universe (1979) - ein Review von Lord

Gillan: Mr. Universe - Cover
1
Review
10
Ratings
9.00
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Rock Hardrock


Lord Avatar
13.01.2014 11:04

Ian Gillan - was für ein sensationeller Sänger, dazu noch äusserst einflussreich; so zählen 2 der grössten Heavy Metal-Sänger aller Zeiten zu seinen "Nachahmern", die ihn als Haupteinfluss ihrer Gesangsstile nennen - Bruce Dickinson von Iron Maiden und Rob Halford von Judas Priest!

Nach dem Ausstieg bei Deep Purple im Jahr 1973 versuchte sich Gillan zuerst in ein paar aussermusikalische Aktivitäten, bis er 1976 mit seinem ersten Soloalbum rumkam... Jedoch so richtig zurück zum Hardrock oder gar Heavy Metal hat er erst auf dem vorliegenden Werk aus dem Jahr 1979 gefunden - das Album bietet eine Symbiose aus 70er Rock und dem aufkommenden (NWoB) Heavy Metal.

Mit seinem alten Episode Six-Kumpel Mick Underwood an den Drums und dem geilen Keyboarder Colin Towns, der sich für die meisten Kompositionen auf "Mr. universe" verantwortlich zeigt, lancierte der Supersänger ein wirklich grossartiges Album mit den folgenden Highlights:

bereits der Opener "Secret of the dance" (nach dem Synthie-Intro "Second night", das ein herrlicher Kontrast bietet und was anderes erwarten und erahnen lässt) haut gnadenlos rein! Das Gaspedal wird voll durchgedrückt - wäre das Keyboard im Hintergrund nicht, wäre das fast schon etwas, das man später Heavy/Speed Metal nennen würde - zumindest streckenweise, denn die Art der Komposition ist doch noch in den 70ern verankert; dennoch - ein Album das mit einem solchen Inferno startet, kann nun wahrlich nicht schlecht sein. Noch heute löst der Song in mir der absolute Wille aus, die Welt zu erobern, Bäume auszureissen oder meinen TV aus dem Fenster zu schmeissen.. ;-) Geil!
Gemächlicher, jedoch dafür umso schöner und melancholisch geht es mit dem einfühlsamen Track "She tears me down" weiter; neben "Fighting man" der langsamste, epischste Slowtrack auf dem Album; traumhaft, vorallem das tragende, verträumte Key-Solo von Towns im Mittelpart ... Durch und durch gelungen!
Nun, es mag zwar verwunderlich klingen, doch auch der 3. Track ist ein verfluchtes Highlight; so wuchtig und kraftvoll wie "Roller" aus den Boxen knallt, sich dann wieder zu zügeln weiss um darauf wieder voll zu explodieren, kann man nicht ruhig sitzen bleiben und steht mit runtergelassener Hose und Kinnlade da.. Geiler Powertrack, klasse produziert, da unheimlich fett!
Nächstes highlight ist der Titeltrack - "Mr. Universe" - der die A-Seite beendet; hier dringt eine Mischung aus Rainbow (mit denen Gillan eigentlich nichts zu tun hatte - er lehnte sogar mal das Angebot Blackmores ab, bei Rainbow zu singen) und den hymnenhaften Songs von Deep Purple durch; auch hier klasse wieder Towns, der ein erstklassiges Intro zum gut 6-Minüter liefert. Auch auffällig; die starke Gesangsleistung Gillans, der aus seiner Stimme alles rausholt und eine ungebändigte Power an den Tag legt; hungrig, zornig, mächtig, stolz - wie ein Löwe!
Fazit der ersten Seite; NUR starke Songs, sensationell!!

Die B-Seite wird dann leider umso durchschnittlicher eröffnet; "Vengeance" - anhand dessen Titel man ein Brett erwarten würde - wirkt im Vergleich zu den Knallern der A-Seite wie ein lauer, altbackener Fuzzifurz von meinem Opa, als er noch furzen konnte! Unnötig.
"Puget sound" wirkt lahmarschig und zeigt Gillans Liebe zum Blues, sogar seine von mir ungeliebte Harp kommt überflüssigerweise zum Einsatz.. Auch hier; nicht wirklich notwendig, und man seht sich schon wieder nach der A-Seite...!
Das anschliessende "Dead of night" bietet ebenfalls Durchschnittsrock - handwerklich nett gemacht, 1972 wäre das toll gewesen, doch anno 1979 hat man das in diversen Variationen einfach schon 296x besser gehört... Ein typischer 4*-Song!
Und endlich ist sie wieder da - die Magie der A-Seite; "Message in a bottle" ist nicht nur fies und unheimlich stark gesungen, sondern bringt auch wieder diese Energie, diese vulkanartige Explosion mit sich - klasse!
Das beste hat sich der Herr Gillan jedoch bis zum Schluss aufgespart - ein Track mit dem man wohl nicht gerechnet hätte: der unheimlich tiefgehende, wundervolle, gänsehaut erzeugende Rausschmeisser "Fighting man" - eine Hymne, die sich hinter Jahrhundertwerken wie "Child in time" oder "When a blind man cries" von Deep Purple nicht zu verstecken braucht... Der Song wartet nicht nur mit einem interessanten Gillan-Text auf, nein, auch hier ist die Gesangsleistung des Grossmeisters über jeden Zweifel erhaben und einfach nur wunderschön, krass, weltklasse - grossartig. Was er aus seinen Lungen rausholt treibt mir fast Tränen in die Augen, so dermassen schön singt und schreit Gillan - dazu die unheimlich intensive, schöne und tieftraurige Melodie, die den Song so unnachahmlich unterstützt und trägt.. Ein klares Meisterwerk das beweist, dass nicht nur Ritchie Blackmore mit seinen brillanten Rainbow gute Hymnen bringen konnte, sondern sein Erzfeind dies ebenso drauf hat... Umwerfend!!
Fazit; die B-Seite ist - vielleicht absichtlich, da merklich langsamer - deutlich schwächer als die starke A-Seite, enthält jedoch den besten Gillan-Solosong, was die Seite natürlich wertvoll ohne Ende macht...

Abschliessend bleibt zu sagen, dass die Scheibe trotz drei klassischen Füller ein Hammerprodukt ist; rauh, hart, melodiös, intensiv - und zu Zeiten des Punkrock auch wichtig um zu zeigen, dass a) der Deep Purple-Rock noch nicht vorbei ist und b) eine Zukunft/Plattform für harten Rock bestehen wird!

Punkte: 9 / 10


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Tracklist:

  1. Second sight
  2. Secret of the dance
  3. She tears me down
  4. Roller
  5. Mr. Universe
  6. Vengeance
  7. Puget sound
  8. Dead of the night
  9. Message In A Bottle
  10. Fighting man
  11. Smoke On The Water (Live At Kingsway Recorders)

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