FGFC820 Law & Ordnance (2008) - ein Review von DarkForrest

FGFC820: Law & Ordnance - Cover
1
Review
1
Rating
9.00
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Dark Wave/Gothic EBM, Electro


DarkForrest Avatar
07.02.2019 08:58

FGFC820 - das Projekt mit dem etwas sperrigen Namen und bestehend aus Rexx Arkana und Dräcos - lieferte hier seinen zweiten Output ab und konnte 2009 schon einiges an Erfahrung vorweisen. Die beiden hatten nämlich nicht nur mit “Urban Audio Warfare” bereits ein wirklich fettes Debüt abgeliefert, sondern auch einiges an DJ Erfahrung auf dem Buckel. Beste Voraussetzungen für den Nachfolger “Law & Ordnance”.

Das Cover gibt schonmal einen groben Einblick, worum es thematisch geht - es hat sich nämlich nicht allzu viel geändert. Auch auf “Law & Ordnance” bekommen wir Aggrotech, der sich hauptsächlich mit Themen rund ums Schlachtfeld befasst. Und auch hier besteht der Twist wieder darin, dass die Jungs trotz martialischen Auftretens eher eine pazifistische Einstellung vertreten und sich vom Irakkrieg (“Hello, Baghdad”) bis hin zu amerikanischer Innenpolitik (“The Heart Of America”) recht kritisch über alles äußern, was so aus dem weißen Haus kommt. Das kann auch gerne mal etwas platt klingen, ist dafür aber immerhin politisch korrekt genug, dass die meisten Hörer mit gutem politischen Gewissen zu den Songs abtanzen können. Aber hey: Es gibt Ausnahmen, denn diesmal sind zum Beispiel mit “Emotion” oder “Forsaken” auch ein paar unpolitische Songs vertreten. Dazu kommt noch eine zweite CD mit Remixes - unter anderem auch von “Urban Audio Warfare”. Na, wenn das mal nix ist…

Los geht es absolut großartig mit dem eben erwähnten “Hello, Baghdad”. Tolles orientalisch angehauchtes Intro, danach darf sofort losgeheizt werden. Kann man sich gleich nochmal anhören - mache ich auch direkt. Gut passend an der Stelle auch die Samples aus dem Film “Shooter”, den ich mir danach fast angeschaut hätte, wenn Mark Wahlberg nicht die Hauptrolle hätte. Aber ich schweife ab, denn eine Kleinigkeit könnte besser sein. Die Background Vocals von Dräcos könnten besser klingen. Auf “Urban Audio Warfare” ist das nicht so aufgefallen, einfach weil er weniger Text hatte und auf dem Nachfolger “Homeland Insecurity” wurde deren Qualität verbessert - entweder, indem der Sound besser abgemischt wurde oder der gute Dräcos mehr Übung hatte. Hier haben wir das etwas unbefriedigende Zwischending und es fällt bei “Hello, Baghdad” direkt auf. Klingt irgendwie dünn und wenig kraftvoll. Aber man gewöhnt sich im Laufe des Albums gut dran.

Wenn ihr dachte “Hello, Baghdad “wäre tanzbar, dann hört euch mal die nächsten beiden Songs an. “Democracy” ist sehr straight forward, macht im Prinzip nichts falsch, spielt seine Stärken gut aus, klingt stellenweise aber leicht generisch. “Killing Fields” dagegen geht sofort in's Ohr und bleibt da auch. Wer bei dem Intro nicht tanzt sollte auf jeden Fall mal seinen Puls checken lassen. Etwas kitschig das ganze - ich weiß. Aber die Beats, die eigentlich gar nicht zum todernst gemeinten Text passen, gehen bei mir vor. Kein FGFC820 Album ohne die instrumentalen Resolution Songs, welche in ihrer Qualität gerne mal etwas schwanken “Resolution 6” ist zum Glück ein Volltreffer - knappe 3 Minuten feinstes DJ - Können.

Leider gibt es im nächsten Part einen leichten Qualitätseinbruch. “Ich Bin Ein Ausländer” ist ein Cover von Pop Will Eat Itself und damit ein etwas genrefremder Song für FGFC820, da das Original dem Grebo Rock zuzuordnen ist (musste ich selbst nachgoogeln) und damit gewisse Hip Hop Elemente hat. Rexx Arkana und Dräcos machen das beste draus und bringen immerhin etwas Abwechslung rein, was nicht verkehrt ist. “Vengeance” bleibt aber nach dem recht intensiven Intro sehr flach. Absolute Durchschnittsware. Noch nicht lästig, würde ich aber auch nicht vermissen, wenn der Song nicht drauf wäre. Ähnlich geht es mir mit “Momentum”, dem selbiges ein wenig zu fehlen scheint. Ähnlich unscheinbar wie “Vengeance” dümpelt er so vor sich hin ohne einen bleibenden Eindruck bei zu hinterlassen. “Resolution 7” fügt sich perfekt in dieses Schema. Bis jetzt war aber immerhin noch kein Song scheiße. Trotzdem will ich nach diesem etwas seichteren Part jetzt gerne etwas hören, was mich mehr beeindruckt.

“Emotion” macht da zum Glück einen sehr guten Anfang. Sehr langes und entspanntes Intro, dass sich Stück für Stück steigert bis uns Rexx Arkana den Refrain entgegen schreien kann, ohne dass es unpassend klingt oder wir einen harten Übergang haben - sehr runde Sache! Mit “Forsaken” trauen sich die beiden schließlich an eine langsamere Nummer mit Balladencharakter und: Wow, einfach nur wow! Kraftvoll, wie man's gewohnt ist, gleichzeitig auf creepy Art schön und komplett ohne die üblichen politischen Texte. “Not The World That I Remember” führt das ganze gelungen fort, setzt etwas mehr auf altbewährte Stärke ist selbst aber sehr abwechslungsreich geworden, sodass es trotzdem neu und frisch klingt. “Resolution 8” ist jetzt kein Highlight, hat aber immerhin recht hohen Wiedererkennungswert, was ganz nett ist.

So langsam neigt sich “Law And Ordnance” dann dem Ende entgegen. Mit “Dream For Tomorrow” gibt's nochmal ordentlich Tempo und mit “In The Heart Of America” einen sehr gelungenen Abschluss, der ähnlich wie “Not The World That I Remember” recht frisch und abwechslungsreich ist, aber trotzdem 100% nach FGFC820 klingt. Sodass ich nach 14 Songs doch sehr zufrieden mit dem Ergebnis bin. Aber bevor wir uns hier ein endgültiges Urteil erlauben, haben wir ja noch eine Remix CD vor uns.

11 Remixes erwarten uns hier und wie eingangs schon erwähnt auch welche vom “Urban Audio Warfare” Album, was ich klasse finde. Die Auswahl der zu remixenden Songs hat mich dann aber doch etwas überrascht. Zum Beispiel hätten wir da “Children Of Decay”. Ich bin jetzt kein DJ aber bietet sich dieser an sich schon großartige Track wirklich zum remixenden an? C-Drone Defect und Northborne haben’s jedenfalls versucht und beide male ist das Resultat eher durchschnittlich geworden. Bei ersterem nervt die Kinderstimme mit der Zeit ziemlich, dafür haben wir hier etwas mehr Abwechslung, während der Northborne Remix aus “Children Of Decay” eher eine ziemlich platte Elektro Tanz Geschichte macht.

Auch bei dem Remix von “Anthem” war ich erst skeptisch, aber was Phil J. von Steinkind draus gemacht hat, kann sich allemal hören lassen. Genau so stelle ich es mir vor, wenn den älteren Songs neues Leben eingehaucht wird. Die Grundstruktur bleibt hier bestehen, aber alles klingt ein wenig härter und böser als vorher. Das könnte man so auch ganz genau zum Combichrist Remix von “Existance” schreiben. Dass Combichrist durchaus auch für ordentliche Remixes bekannt ist, ist ja nichts neues und auch hier werde ich nicht enttäuscht. Gleiches Schema wie bei “Anthem”: Den eigentlichen Song erhalten, ordentlich aufmotzen und zack haben wir eine ordentliche Alternative zum Original!

Seltsam finde ich, dass ausgerechnet noch “Perfect War” einen Remix bekommt und zwar aus ähnlichen Gründen wie bei “Children Of Decay” (ich hätte mir ja eigentlich einen von “Prey” gewünscht…). Aber hier geht das Konzept daraus einen clubtauglichen Track zu machen etwas besser auf - nehme ich gerne in die Playlist. “Law And Ordnance” hat 6 Remixes spendiert bekommen. 2 mal hätten wir da “Democracy” im Angebot. Den Anfang macht C-Lekktor und damit auch nicht wirklich viel falsch, indem nochmal alles neu abgemischt wird. Ähnlich wie das Original vollkommen okay, aber auch nichts besonderes. Der Xentrifuge-Remix vom gleichen Song ist aber nicht viel mehr als das Original in verzerrt und jeglicher Hörgenuss geht mir da komplett ab. Macht mir eher Kopfschmerzen.

Als nächstes hätten wir zwei mal “Killing Fields”. Der Remix von Memmaker ist dank des überaus hypnotischen Beats mal was anderes, während der Acylum Remix eher solide, aber auch etwas unscheinbar daher kommt. Bleibt nur noch “In The Heart Of America” aus welchem in den Remixes irgendwie einfach nur “America” wurde. Sowohl Distorted Memory als auch Mesmer's Eyes liefern hier ziemliche Durchschnittswert zu der sich ehrlich gesagt nicht mehr viel schreiben lässt.

Insgesamt haut mich die Remix CD leider nicht vom Hocker. Von grottig bis großartig ist zwar alles dabei, aber die große Mehrheit siedelt sich irgendwo im Mittelfeld an und macht nicht wirklich etwas spannendes aus dem Ausgangsmaterial. Das könnte aber auch daran liegen, dass ich persönlich eher andere Stücke ausgewählt hätte als Songs wie “Children Of Decay”, “Perfect War” oder “In The Heart Of America” die für mich jetzt nicht unbedingt ein Garant für Claubtauglichkeit sind.

Als Gesamtwert betrachtet tut das aber “Law And Ordnance” keinen Abbruch. FGFC820 konnten sich gegenüber dem eh schon tollen “Urban Audio Warfare” nochmal etwas steigern. Es gibt einen Haufen richtig großartige Songs und einige gute. Bis auf kleinere Macken wird hier konstant ein hohes Niveau aufrecht gehalten und wirklich scheiße klingt hier gar nichts. Schön auch, dass die beiden hier und da ihre musikalische Bandbreite auch mal um neue Themen oder Genres erweitern. Damit klingt “Law And Ordnance” ein Stückchen abwechslungsreicher und ausgereifter als der Vorgänger. Das ist mir 9/10 Punkte wert. Die Remix CD schafft es weder in die eine noch in die andere Richtung daran etwas zu drehen. Für Fans und alle, die ihre FGFC820 Playlist etwas ausfleischen wollen sicher ganz nett, aber kein absolutes Muss.

Punkte: 9 / 10