Executioner's Song (1985) - ein Review von Lord

Razor: Executioner's Song - Cover
2
Reviews
12
Ratings
9.46
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Speed Metal, Thrash Metal


Lord Avatar
09.06.2011 00:23

RAZOR kommen aus Kanada! RAZOR sind direkt, rau, fies und dreckig - ihre Variante des damals aufkommenden Thrash/Speed Metal, angereichert mit einer punkigen Attitüde und einer klaren europäischen NWoBHM-Schlagseite ist kein technischer Firlefanz wie andere Bands es Mitte der 80er unter Beweis zu stellen versuchten. Nein; geradeaus METAL, keine Kompromisse - manchmal schnell, manchmal sehr schnell - ab und zu auch im Stampfertempo... Jedoch IMMER mit einer unglaublichen Energie, einer Wut und dem Willen, alles wegzublasen. Ähnlich wie die Landsmänner von Exciter oder frühe Metallica - jedoch basiert ein grosser Teil des Songwritings auf dem NWoBHM.

Bereits 1983 formierte sich die Knüppeltruppe in Ontario - 1984 erschien ihr erstes Demo, dem die auf nur 1200 Kopien limiteirte EP "Armed and dangerous" folgte; ein Metalschmuckstück, das heute sehr rar ist und demzufolge entsprechend wertvoll!
1985 erschien die vorliegende Platte; "Executioner's Song" - der erste Longplayer der Band. Ein echter Bastard mit Killerqualitäten!

Ich stiess als 12/13 Jähriger um 1988 auf diese Art Musik; Thrash/Speed Metal - vorsichtig über Europe & Bon Jovi anno '86, Helloween und Motörhead - immer etwas härter und mutiger werdend.
1988/89: Zu jener Zeit war ich eher von technisch brillanten Bands fasziniert; Metallicas "..and justice for all" war DIE Scheibe für mich, Sepulturas "Beneath the remains" war die Pflichtübung in Sachen Härte - damals musste Musik anspruchsvoll sein für mich. Verschmelzend mit dem aufkommenden Death Metal hatte ich den perfekten Soundtrack dieser frühen Jugendzeit. Zwar waren damals die besten Thrash-Scheiben schon veröffentlicht, doch ich war einfach froh dabei zu sein und sog diese Musik in mich auf... Auch RAZOR hatte ich am Start, entdeckte ihre Brillanz jedoch erst in den frühen 90ern, als ich genug hatte von dem selbstverliebten und immer schwächer werdenden Gedudel dieser späten Thrash Bands oder dem immer mehr in's Gagaland abdriftenden Death Metal; damals kam der Schweden Death Metal auf und auf einmal klang alles gleich und oft enorm seelenlos. Direkte, zornige Bands wie RAZOR halfen mir damals enorm; ich konzentrierte mich auf's Wesentliche und hörte wieder mehr Bathory, alte Messiah, Slaughter (Kanada), alte Death, Hellhammer/Celtic Frost und alte Voivod (ebenfalls aus Kanada). Laute, dreckige, direkte Musik mit 100% METAL! Und zwar garstigen Metal, kein Schönwetter-Trend-Kack-Metal, wie er in den 90ern leider immer mehr zur Epidemie wurde!

RAZOR konzentrierten auf simple, schnelle Riffs, auf gezielte Härte, einen Haufen Dreck und feuerten ihre 11 Granaten des eigentlichen Debüts knallhart auf die Menschheit ab. Ähnlich wie deutsche "Extrem Metal"-Bands (Iron Angel, Angel Dust, Exumer, Living Death, Violent Force oder auch Destruction & Tormentor/Kreator) nahmen sie musikalisch kein Blatt vor den Mund und zockten voller Enthusiasmus drauf los - diese Wildheit fehlte vielen Ami-Bands, die sich immer mehr in nichtssagenden Soundtüfteleien verloren und somit kopflastige Kalku-Mucke kreierten und den eigenen Untergang herauf beschwörten. Da waren die südamerikanischen Länder schon eher was!!

Allein der Poweropener "Take this torch" ist ein klasse Beispiel für das, wovon ich die ganze Zeit rede; einfach eine Schelle links und rechts und so steht man denn da - wie ein begossener Pudel. Zackig, wuchtig, pfundig - sprachlos!
Mitunter zu den Highlights gehört für mich jedoch auch der Metal-Track "Distant thunder"; was für eine Bombe! Explodiert knallhart auf der Birne und spaltet den Schädel. Headbanger der wunderbarsten Sorte!!
Oder das brillante "Escape the fire"; eine Knüppelnummer wie eine fiese Krankheit. Sänger Stace McLaren röchelt wie ein Leprakranker mit Keuchhusten - geil! Dies tut er auf volle Distanz - bis auf den congenialen Rausschmeisser;
"The end" passt irgendwie nicht ganz in's LP-Konzept, jedoch macht genau dies den Song so gnadenlos; ein schleichender, doomiger Bastard. Gefährlich, Beängstigend. Übel. GEIL und Metal!! Dass eine solche Drecksscheibe mit einem solchen Song endet (mit Babygeschrei.. unheimlich), zeigt die Brillanz RAZORs genau auf - unglaublich!!

RAZOR zählen heute zu den wichtigsten Metal-Exporten Kanadas, das in den 80ern eine grosse, fanatische Szene hatte und auf die Welt einfluss nehmen konnte! Zudem waren RAZOR fleissig und veröffentlichten fast im Jahrestakt gute Alben. Eine sehr sympathische band, die leider bei Klischeefans viel zu wenig Beachtung findet.. Wie so oft!

Die 80er Jahre Scheiben von RAZOR sollte jeder Metalfan in seiner Sammlung stehen haben. Wer auf straighten Metal steht, kommt an Razor nicht vorbei! 10, ist ja mal klar!!

Punkte: 10 / 10


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