Say Goodbye (1986) - ein Review von Lord

Krokus: Say Goodbye - Cover
1
Review
2
Ratings
9.75
∅-Bewertung
Typ: Single/EP
Genre(s): Metal Heavy Metal


Lord Avatar
24.03.2014 17:46

1986 war bei KROKUS die Luft draussen. Mit dem Album "Change of address", von dem dieser Song hier stammt, katapultierte sich die noch 3 Jahre davor wilde, rotzige Hardrock/Metalcombo (man erinnere sich an den Killer "Headhunter") in's Abseits des gezähmten, geschliffenen Glam Rocks.
Die eigentlich eindringliche Stimme Marc Storaces, der mit seinen 3 Oktaven alles in Grund und Boden schrie, wurde dermassen kastriert - oder sagen wir "amerikanisiert" - dass davon nur noch wenig übrig blieb. Wurden früher Vergleiche mit AC/DC gezogen, klingt "Change of address" nach einer Mischung aus Def Leppard und Foreigner - eine Welt, in die KROKUS nicht passen. Oder nicht passen sollten..!

Was ist passiert?
1983 wurde der Bandgründer Chris von Rohr geschickt durch den Manager Butch Stone ausgebootet. Ein riesengrosser Fehler. Karriereselbstmord. Noch mit von Rohr fuhr man Platin ein für das brettharte Album "Headhunter" (1983) - bereits 1984, als ohne von Rohr "The blitz" erschien, wich die ungebändigte Power einer sehr kontrollierten Offensive (-> Defensive?). Die Luft entwich langsam, "The blitz" konnte an der Qualität von "Headhunter" nicht anknüpfen, musikalisch wurde immer mehr Richtung Amerika geschielt und Ecken und Kanten wurden langsam abgeraspelt. Die Band verlor die Bodenständigkeit, die sie noch 1 Jahr davor von anderen Bands unterschied.

1986 driftete man mit "Change of address" in's absolute Gagaland ab. Schwache Songs, angepasste lahmarsch Produktion, clownartige Outfits/Kostüme - ein Sänger, der viel mehr könnte als er durfte. Die Band wurde auf Stadionrock getrimmt, ohne dafür passende Songs schreiben zu können. So gingen KROKUS unter wie ein Sack Zement und büsste massiv an Glaubwürdigkeit ein. Ein Umstand, der ihnen verwehrt heute so gross sein zu können wie Iron Maiden.

"Say goodbye" ist der einzige gute Song aus dem 1986er Album. Doch wen wundert es: Der Aufbau des Songs ist ein 1:1 Rip-Off des 1980er Hits "Tokyo nights". Das Eingangsriff, die Akkorde, der Reggae-Mittelpart mit melancholisch lyrischem Gitarrensolo - alles bei "Tokoy nights" abgekupfert. Einzig der etwas kitschige Kinderlied-Refrain erinnert noch heute daran, dass der Song unmöglich von 1980 stammen kann. Drauf geschissen, es ist ein sehr sehr schöner und intensiver Song. Textlich auch gelungen.
Marc Storace singt zwar wie erwähnt unglaublich gezähmt, dennoch halt wunderschön. Der Mann hatte eine grossartige Stimme - und die hat er sogar 2014 noch immer!

Krokus grösster Fehler war es, so kurz vor dem Überdurchbruch Chris von Rohr zu feuern. Das merkte die Band selber ziemlich schnell: Die Pizza wurde ohne von Rohr schnell ziemlich fad. Amerika liess Krokus schliesslich fallen - in der Schweiz hatten sie anno 1986 schon längst verspielt. Und so endete vorerst eine hoffnungsvolle Karriere für eine Band, die zu dieser Zeit zerrüttet und zerstritten war. Einige Bendmitglieder verloren die Orientierung im Nebel der Drogen - ohne Kompass von Rohr ging alles den Bach herunter.

Einziger Lichtblick war damals dieser wunderschöne Song. Tragisch, wenn man sich die Geschichte anguckt!

Punkte: 9.5 / 10


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