Meisterwerk 2 (2001) - ein Review von Amixor33

My Dying Bride: Meisterwerk 2 - Cover
1
Review
1
Rating
7.00
∅-Bewertung
Typ: Compilation/Best-Of
Genre(s): Metal Death Metal, Black Metal, Gothic Metal, Doom Metal, Epic Metal, Melodic Metal


Amixor33 Avatar
10.02.2013 23:39

Kommen wir nun zu unserem ersten Best-off. Vorliegende Silberscheibe ist nämlich die zweite Auflage einer Zusammenstellung alter Songs der britischen Großmeister des Dooms und eine der Einstiegsdrogen für mich persönlich in dieses Genre. Trotzdem war für mich der damalige Kauf enttäuschend, zu dem mich der letzte Track „Roads“ motivierte. Denn zu Hören gibt es mehr anders klingende, „alte Kost“, welche bei genauerem Hinsehen doch nicht so schlecht ist.

Los geht’s mit „Sear Me MCMXCIII“ – vereinzelte und allein stehende, hart angeschlagene Klaviertöne bilden das kurze Intro, bittersüße Streichermelodie setzt ein und ein paar Worte werden vorgelesen. Während Klavier und Streicher ihre Dynamik tauschen, setzt wehmütiger Gesang ein. Das ist simpel – auch in der Melodieführung, aber doch sehr harmonisch und eingehend und stark in der Wirkung. Gegen Ende wird wieder mehr „gelesen“, wenngleich eine Steigerung in der Dramatik zu hören ist, der Song endet rückwärts wie er angefangen hat. Starker Auftakt welcher gut gefällt und sehr schön die Stimmung der Band repräsentiert. 8 Punkte

Es folgt „Follower“, welcher wesentlich flotter aber mit schweren Gitarren startet. Die Vocals hören sich in meinen Ohren etwas gepresst an, wie durch einen Lautsprecher gesungen, auf jeden Fall leicht verzerrt und surreal. Der Song weist ein paar Tempowechsel auf, bevor er in der Mitte plötzlich sehr ruhig wird und den Anschein eines Endes suggeriert, bis die Gitarren wieder einsetzen und an das erste Stimmungsbild anknüpfen. Das klingt jetzt progressiver und unrunder als es ist, das Resultat ist dennoch stimmig. Von mir gibt es trotzdem „nur“ 6,5 Punkte

„Vast Choirs“ grummelt anfangs unheilschwanger vor sich hin, bevor das Intermezzo beginnt. Vom Tempo und Gefühl brettert hier flotter und reinster Death Metal los, wird aber recht schnell wieder vom eingangs erwähnten Gegrummel abgefangen. Wahrscheinlich mit Keyboard oder Synthesizer erzeugt, muss ich aber geistig an irgendeine Höllenorgel denken. Passend dazu auch die entfernt wirkenden und hallenden Growls. Diese zwei Szenarien wechseln sich ein paar Mal ab, unterstützt von kurzfristigen Gitarrensoli und hinterlassen irgendwie ein böses, ungutes Gefühl. Ist gut gemacht, entspricht allerdings nicht soo sehr meinem Geschmack. 6 Punkte

Mit „She Is the Dark“ fängt das ganze wieder langsamer an. Ein paar wenige langgezogene Töne unterstützen wunderbar die wieder sehr klagenden oder leidenden Clean Vocals. Zwischendurch wird natürlich das Gaspedal betätigt und etwas gegrowlt. Nach gut zwei Minuten baut sich der Song sehr schön auf indem er vorwärts preschend wirkt ohne allerdings zu überpacen. Dafür sorgen die sehr schönen und vergänglich wirkenden Melodien, welche verkehrsberuhigend das ganze immer wieder flankieren. Zudem wie immer ein gekonntes Wechselspiel des Tempos, welches nicht übermäßig überraschend, aber auch nicht unbedingt vorhersehbar ist. Ich will das Ganze nicht unabsichtlich zu sehr in die Progressive Schiene schieben, aber es ist abwechselnd und nicht langweilig. 7,5 Punkte

Im Vergleich nur einen kleinen Zwischenspurt liefert „Catching Feathers“, welcher allerdings auch im vollen Tempo genommen wird. Sehr roher Sound und Vocals mit ein paar brauchbaren Steigerungen, fertig ist das sehr untergründig rumpelnde Death Metal Stück. Haut mich aber nicht von den Socken. 5,5 Punkte

Das „Two Winters Only“ wieder langsam anfängt dürfte jetzt niemanden mehr überraschen. Die Gitarren nur vorsichtig gezupft und spät einsetzendes Schlagzeug, dazu wieder die einprägsamen und markanten Clean Vocals bieten einen starken Kontrast zum voran gegangenem Lied. Die ultraleichte Steigerung zum gelungenen Stimmungswechsel kurz vor Minute 4 ist sehr dezent und geschickt eingewoben, eben jener Wechsel ein absoluter Ohrenfang. Einen ähnlichen bekommen wir kurz vor Minute 7 nochmals zu hören, dazwischen wirklich überzeugend gesungene Verzweiflung. Am imponierensten find ich allerdings die Stelle, in der die Musik kurz für eine Sekunde aussetzt und mit Trauer wieder anfängt. Nicht nur symbolisch, sondern auch musikalisch gelungen. 8 Punkte

Der längste Song der Zusammenstellung hört auf den Namen „Your River“ und fängt interessant mit sehr leichten, moll-lastigen Gitarrenpicking an, bevor es die schwere Breitseite gibt. Streicher dürften ebenfalls wieder mit von der Partie sein und wenn der Song von etwas lebt, dann definitiv der Dynamik und der gelebten Schwere und Langsamkeit. Die Stimme klingt kräftiger als bei den Liedern zuvor, was sie aber keinen Deut fröhlicher macht. Gerade wenn die Zwischenparts etwas schneller werden und sich die Stimmung scheinbar aufhellt und dem Lied Luft lässt, wird im Kontrast obig angesprochenes noch verdeutlicht. Gegen Ende gibt es vermehrt Growls und das Ganze löst sich, der Track ist mir dann aber doch fast zu abrupt vorbei. 8,5 Punkte

„Some Velvet Morning“ startet episch, klingt wie ein ganzes Orchester, majestätisch und umfassend – bekommt dann aber doch einen sehr deutlichen Gothiceinschlag. Das ist grundsätzlich nicht negativ, zumal es gut umgesetzt ist und seine Tiefe größtenteils behält, hätte aber auch mehr sein können. So bleibt ein guter Ohrwurm, welcher sich angenehmerweise nicht flach oder anbiedernd präsentiert. 7 Punkte

Und jetzt „Roads“. Ein Coversong, ursprünglich von Portishead welcher klanglich absolut überhaupt nicht auf eine Linie mit den restlichen Songs auf der Scheibe passt, aber auch unabhängig davon hervorsticht. Dieser Song ist die pure Melancholie. Sehr ruhig gehalten mit einem monotonem, durchgehendem Schlagzeug, herzzerreißenden Melodien welche angenehm aber wirkungsvoll wie Wellen auf und ab wogen und einer gesanglichen Glanzleistung. Die in meinen Augen passende Visualisierung mit einem Kurzfilm von Tim Burton habe ich mir auf Youtube damals unzählige male angeschaut und wenn bei diesem Lied nicht irgendetwas im Hörer bewegt wird, dann weiß ich mir auch nicht zu helfen. Hochverdiente 9,5 Punkte!

Damit wären die Audiodateien abgearbeitet, als Bonus befindet sich noch ein Video von „For You“ auf der Cd. Qualitativ natürlich dem Alter entsprechend nicht optimal in der bildlichen Darstellung, ob es aber nicht doch hätte besser aussehen können als die 240p Einstellung auf Youtube ist eine Frage die durchaus ihre Berechtigung hat. Das Video find ich insofern verstörend, dass ich nicht wirklich einen Zusammenhang zum romantisch, fast schon kitschigen Text aufbauen kann, musikalisch auf jeden Fall recht interessant und gelungen, fließt aber nicht mit in die Wertung ein, dafür aber als halber Bonuspunkt zur Aufmachung.

Fazit:
Und diesen Punkt hat diese durchaus nötig. Zwar ist das Digipack recht schick und sämtliche Lyrics sind enthalten, aber allein von der Gestaltung finde ich weder Cover noch Booklet auch nur irgendwie ansprechend. Die Idee alte Plakate und Poster auf die Innenseite abzudrucken ist zwar recht cool, aber den Rest find ich rein optisch enttäuschend. So auch die gezeigte Videoqualität, welche wirklich auf einen sehr niedrigen Standart ist.


Musikalisch gibt sich das „Album“ hingegen keine Blöße. Abwechslungsreich und mit einer insgesamt sehr guten Songauswahl. Definitiv spannend anzuhören, nur so etwas wie eine klare Linie findet man verständlicherweise leider nicht. Aber generell finde ich die CD im Gegensatz zu früher um einiges besser. Ersteindrücke können auch negativ täuschen.


(http://etalusicore.blogspot.de/2013/02/my-dying-bride-meisterwerk-i-2001.html)

Punkte: 7 / 10


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