Born Too Late (1986) - ein Review von MLSnick

Saint Vitus: Born Too Late - Cover
1
Review
12
Ratings
9.38
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Doom Metal
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MLSnick Avatar
02.01.2017 13:23

Die besten DoomMetal-Scheiben aufzulisten wird bei mir immer zu einem unmöglich zu lösenden Akt. Zuerst kämen da mal die BLACK SABBATH-Göttergaben bis 'Sabotage' und dann wäre erst mal Schicht. Doch, ja, es gibt auch noch eine Post-Ozzy-SABBATH-Ära, wobei ich hier aber auch schon meine Probleme habe.

'Psalm 9' von TROUBLE ist halt anders als 'The Room Inside' von 40 WATT SUN oder 'Epicus Doomicus Metallicus' von CANDLEMASS. Sie alle haben das gewisse Etwas und, oh mein unheiliger Götze, nicht zu vergessen, die 'Watching From A Distance' von WARNING, 'Day Of Reckoning' von PENTAGRAM oder 'Soma' von WINDHAND und und und... Sie alle sind besondere, teils herzzereissende, meist tiefst melancholische Alben, die in die Halle des wahren DoomMetals gehören.

Doch dann ertönt der Krach einer Gitarre, wirres Geschrubbe, sich entflechtend zu einem Riff, welches meine männlichen Grundfeste erschüttert. Das Schlagzeug setzt ein und dann beginnt der Gesang: "Everytime I'm on the street, people laugh and point at me...". Wer diese Worte hört, der befindet sich gerade in DER Hymne des DoomMetals!
"They say my songs are much too slow..." sagt alles und ich möchte dem flehenden Sänger noch zurufen, dass er nicht alleine auf der Welt ist, dass es Menschen gibt, die mit ihm fühlen. Der Titeltrack hat dieses gewisse Etwas, eine Macht und vor allem diese Zeilen, die jedem Aussenseiter ins Herz stechen. Einfache Worte, einfaches Riffing... aber mit welch' einem Gefühl, welch' einer Wahrhaftigkeit. "Born Too Late" schreibt man nicht mit massig Knete auf dem Konto, schüttelt man sich nicht aus dem Ärmel, wenn man diese Tragik selbst nicht erlitten hat.
Der Song "Born Too Late" alleine rechtfertigt den Kauf dieser Platte! Punkt!

Doch es folgen ja noch andere Tracks, die zwar im Schatten des Openers stehen, aber immer noch so ziemlich alles wegblasen, was sich Doom nennen will. Von Drogen, von Alkoholsucht und von tiefster Depression handeln die Songs und die Worte treffen jeden, der schon ähnliche Erfahrung gemacht hat. Unverblümt, gerade aus und sicherlich mit einer gewissen Naivität. Doch gerade dies macht die Scheibe so persönlich. Man leidet mit, versteht, will helfen oder erkennt sich selbst.

Doch nicht nur die Worte von Dave Chandler, die vortrefflichst von Scott Weinrich interpretiert werden, verfehlen ihre Wirkung nicht. Sein Gitarrenspiel, wenn auch technisch nicht on the Top, ist voller Hingabe, voller Gefühl. Als ob er seine ganze Hoffnung und Verzweiflung in die Riffs und Solis legt. Ja, es scheint eine Art Blues zu sein... dreckig, langsam und mit einer gewissen Härte. Ganz klar von frühen BLACK SABBATH beeinflusst.

Man könnte sie Nachahmer oder ewig Gestrige schimpfen, doch dies würde dieser Band niemals gerecht. SAINT VITUS haben mit 'Born Too Late' einen höchst inspirierten und inspirierenden Klassiker geschaffen. In der Kirche des DoomMetals befindet sich ein Abbild dieses Albums und es steht verdammt nahe an BLACK SABBATHs bezaubernsten Glanztaten!
Selbst KYUSS und SLEEP-Devote sollten, müssen diese Truppe, mindestens aber diesen unterbewerteten Klassiker kennen!

Die wahre Essenz des Dooms!

Punkte: 8 / 10


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Tracklist:

  1. Born too late
  2. Clear windowpane
  3. Dying inside
  4. H.A.A.G.
  5. The lost feeling
  6. The war starter
  7. Thirsty and miserable
  8. Look behind you
  9. The end of the end
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