Linaria Amlech (2005) - ein Review von Amixor33

Blodarv: Linaria Amlech - Cover
1
Review
1
Rating
7.00
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Black Metal


Amixor33 Avatar
27.02.2012 17:33

Ganz so leicht hab ich es mir dann doch wieder nicht gemacht, mit der Wahl meines ersten Reviews. Vorliegende Compilation der dänischen Untergrund Black Metal Band Blodarv ist nicht nur einfach so eine Scheibe mit Musik, sondern ist der mysteriösen Person Linaria Amlech gewidmet, welche sich im Januar 2002 selbst umbrachte.

Inwiefern Bandleader Hugin mit ihr zu tun hatte ist offen, war sie eine Bekannte oder doch eher die Freundin oder nur die Geliebte? Wie hieß sie in Wirklichkeit und ist sie überhaupt existent gewesen? All das wird offen gelassen, das Booklet aber mit ziemlich freizügigen Bildern und wirren Briefen ihrerseits unterfüttert. Eine satanistische, von Dämonen gesegnete Hexe welche Hugin ihre abgehackten Finger zuschicken will, in komischen Träumen vergewaltigt wird, Angst hat wieder schwanger zu sein und das Kind loswerden will – weil sie zwar Lust hätte das frisch geborene Kind umzubringen aber es dafür nicht 9 Monate austragen möchte. Und ihre Abtreibungsversuche enden im Suizid und den letzten Brief gibt es in der Multimediaabteilung der CD. Was zur Hölle? Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung was mich jetzt musikalisch erwarten sollte, aber Abhilfe verschafft da in der Regel ein Knopfdruck auf „Play“.

Der erste Track enthält schon mal gar nichts und muss wohl eben jener Multimediatrack sein.

Das zweite Lied „Langt Vaek Fra Livet“ fängt schleppend und sehr rauschend an. Die Melodie ist simpel gehalten aber effektiv, die Black Metal Vocals sind dezent in das raue Klanggebilde eingewoben, ohne allerdings aggressiv oder wild zu wirken. Ab dem ersten Drittel webt sich noch eine zarte, hohe Frauenstimme mit ein welche zwischendurch von einem in den Hintergrund gerückten Verzweiflungsschrei begleitet wird, bevor Hugin sich in diesem Wechselgesang wieder ans Mikro stellt.
Das darf hier jetzt aber absolut nicht falsch verstanden werden, wir haben hier kein Gothic Metal typisches duellieren der Gesangsstimmen. Sie sind beide dem langsamen, sehr rauen und melancholischem Klangteppich untergeordnet und ergänzen sich viel mehr.
Auch ist das Stück weder doomig drückend noch rasend wie man es vom Black Metal erwartet. Es ist simpel und primitiv, aber wirkt gerade durch den, im Normalfall als miserabel anzusehenden Sound sehr atmosphärisch und behält trotzdem seine Natürlichkeit und Authentizität. Es besitzt in gewisser Weise eine Eigenständigkeit welche ich im gesamten DSBM Genre schmerzlich vermisse. 7 Punkte

„The Death of Linaria“ schließt sich hier nahtlos an. Eine sachte, stille, flirrende und rauschende Melodie mit einer merkwürdigen, nicht unbedingt erklärbaren Wirkung. Dazu flüstert und keucht Hugin leise seine Fragen an Linaria. Endet etwas abrupt... 6,5 Punkte

… und lässt sofort das flottere „Beyond Life“ starten. Auch hier fällt wieder die schlichte Produktion auf. Worte wie druckvoll oder kraftstrotzend sind für das Schlagzeug völlig fehl am Platz. Es hämmert von vorne bis hinten fast das gleiche Tempo durch, der Doublebase ist im Gegensatz zum Hi-Hat nahezu unhörbar und generell ist alles sehr Bass arm. Eine Leadgitarre erzeugt wieder simple, eingängige und sich wiederholende Mollmelodien, der Rest rauscht einfach vor sich hin und wird von krächzendem Gesang begleitet. 7 Punkte

„Black Hill Sanitarium“ ist ein King Diamond Cover und klingt bis auf die Grundmelodie total anders. Und zwar wesentlich flotter und die verzerrten Gitarren sägen und röhren so wunderbar dreckig vor sich hin, dass sie kombiniert mit der Stimme der Scheibe nun endgültig das Image des Untergrundgerumpels aufdrücken. 7 Punkte

Damit wären wir eigentlich schon zu Ende, aber es gibt ja auch noch Bonussongs, immerhin ist das die limitierte Edition!

„Disgusting Beauty“ hat keine Gitarren und gar nix, nur unheilvolles Flüstern, gezielt steigernde einzelne Schlagzeugschläge und unwirkliche, komische Geräusche. Das Stück soll wohl verwirrend und verstörend sein, ist dafür aber zu harmlos und kann nur als Vorarbeit für das nächste Stück vorgesehen worden sein. 5,5 Punkte

Das hört auf den Namen „Demonstormens Tid“ und nutz diese Vorlage nicht. Gewohnt extrem rauschende und unklare Atmosphäre, sehr gedämpfte Doublebass Attacken, dafür eine Hi-Hat Penetration par exellence, wieder eine einfache aber tiefgehende Melodie im Hintergrund und einige unbestimmbaren Geräusche bei etwas ruhigeren Passagen. Ruhiger in dem Sinne, dass das Schlagzeug nicht mehr aus dem Gesamtkomplex hervorsticht. Gelegentliche Umbrüche durch minimale Lautstärkenerhebung von irgendetwas in dem Soundbrei geben dem ganzen immer wieder neue Impulse und lässt es dynamischer wirken. Das ganze schwillt dann recht schnell ab und das Lied ist zu Ende. Atmosphärisch gleich zu setzen mit den ersten Liedern, auch mit mehr Dynamik aber es fehlt der Halt im Ohr. 6,5 Punkte


Nicht schlecht aber kurz, daher gönn ich mir jetzt die Filmchen auf der Scheibe. Film 1 bemüht sich ernsthaft die 240p Bildqualität von Youtube zu unterbieten und startet extrem niedrig auflösend mit einer halbnackt tanzenden Frau.
Dann erfolgt eine Inhaltsangabe – „The unfinished Tale“ by Linaria gelesen von Hugin, „The Last Dance“ – das letzte Video von und mit Linaria, den schon im Booklet angekündigten „Last Letter“ von Linaria, ein Live Video von Blodarv und als Extra Schmankerl: „Previously unreleased material“ und „Promo Streamers“ (for all earlier albums) und mehr. Nachtigall ich hör dich trabsen…

Nach gut einer Minute Ankündigungen geht’s los:
Noch mehr Nacktbilder, Pentagramme, Auf- und Abblenden, schnelle Wechsel – ich erwarte einen Horrorfilm. Aber Hugin „liest“ mir kaum verständlich was vor zur Musik welche ich gerade eben schon gehört hab. Im Hintergrund ganz viele dunkle Bilder und irgendein kranker Text von Linaria welchen ich kaum nachvollziehen kann. Dann schiebt Linaria im Dunkeln und nur im Bikini vor einer mittelalterlichen Videokamera ihre Hüften zu irgendeiner eher dem Gothic & Industrialbereich zuzuordnenden Musik hin und her. Dann folgt wieder Musik und Texteinblendungen vom letzten Brief welchen ich mittlerweile gar nicht mehr kommentieren will. Irgendwer blättert in handschriftlich beschriebenem Buch mit teils schwarzen Seiten, weiteren Aktfotos, Blut und Haaren rum. Nebenher wieder schon bereits gehörte Musik mit Untertiteln und dann gute 5 Minuten nur Promotion!

Video 2 zeigt einen ebenfalls mies gefilmte und schwach besuchten Live Auftritt. Aber das hat wenigstens noch Untergrund Charme.

Fazit:
Der mediale Bonuspart ist in meinen Augen überflüssig, als Hommage okay – aber dann bitte ohne diese ellenlange Eigenwerbung. Was ich von dieser ganzen Geschichte halten soll weiß ich ehrlich gesagt auch nicht, aber auf das wesentliche, nämlich die Musik reduziert lässt sich sagen:

Ganz annehmbare, ungewöhnliche Musik mit einem ganz besonderen Charme, welchen ich spontan mit keiner anderen Band vergleichen kann. Für Vndergrovnd Fetischisten welche atmosphärischen Black Metal dem rasenden Geknüppel vorziehen durchaus einen Blick wert.


(http://etalusicore.blogspot.com/2012/02/blodarv-linaria-amlech-2005.html)

Punkte: 7 / 10


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