Bigbít Je V Nás (1999) - ein Review von DarthWerder

Puls: Bigbít Je V Nás - Cover
1
Review
5
Ratings
9.10
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Heavy Metal


18.01.2015 22:13

Die Erkenntnis, dass auch jenseits des eisernen Vorhangs hochwertiger Stahl geschmiedet wurde, sollte sich mittlerweile einigermaßen durchgesetzt haben; Bands wie Turbo aus Polen, Pokolgep aus Ungarn und Arija aus der Sowjetunion haben sich trotz eines noch immer vorhandenen Exotenstatus auch hierzulande eine gewisse Anhängerschaft erspielen können. Es ist deshalb wenig verwunderlich, dass sich auch in Tschechien metallische Schätze bergen lassen – auch jenseits bekannterer extremerer Bands wie Master's Hammer oder Root.

Beim Album BIGBIT JE V NÁS der Band PULS aus Brno, 1983 gegründet eine der ältesten Metal-Bands der damaligen ČSSR, handelt es sich um ein besonders schönes Juwel. Im Gegensatz zu einigen Landsleuten war die Gruppe in Zeiten der sozialistischen Herrschaft nicht zu Veröffentlichungsehren gelangt, wobei mir der Grund dafür unerklärlich ist; an der Musik kann es nicht gelegen haben. Wie dem auch sei, es dauerte schließlich bis 1999, als die Band selbst diesen Makel behob und die hier thematisierte Zusammenstellung älterer Aufnahmen aus der Zeit zwischen 1985 und 1991 in Eigenregie veröffentlichte. Nach einer 2003 erschienenen 7''-Single wurde die Compilation schließlich 2004 vom griechischen Label Unisound Records wiederveröffentlicht; neuere Lebenszeichen sind zumindest mir unbekannt.
Aber nun zum Wesentlichen, nämlich der Musik: Über 13 Songs, die zusammen gut eine Stunde dauern, spielen PULS traditionellen Metal unter dem Einfluss der NWOBHM und den Anfangstagen von Helloween, der trotz dieser Vorbilder eine unverkennbare eigene Identität besitzt, ein gewisses besonderes osteuropäisches Feeling in den Melodien. Egal, ob man der Band wie im Opener hauptsächlich eine NWOBHM-Affinität anhört, ob wie in „Strhaná Tváo“ das Tempo noch etwas stärker angezogen wird und man sich verstärkt an biblische Stadtmauern erinnert fühlt, ob man wie „Zvoník Od Matky Boží“ eher episch zu Werke geht oder sich beim Song „Kiíè K Náhodám“ an einer Ballade versucht, PULS bewegen sich über die gesamte Spielzeit auf einem beeindruckend hohen Niveau. Die Songs sind kurzweilig und abwechslungsreich genug aufgebaut, um auch nach einigen Durchgängen interessant genug zu bleiben. Sänger Jiřím Kubowský überzeugt mit eher hohem Gesang genauso wie die gute Instrumentalfraktion und auch der Sound ist zumindest so stark, wie man es bei den Hintergründen des Materials erhoffen kann und wird der Musik absolut gerecht. Die Songtexte sind durchgängig in der tschechischen Muttersprache verfasst (der 7. Song „Runway“ mag einen englischen Titel tragen, klingt aber ebenfalls eher tschechisch), was das Verständnis für den internationalen Hörer erschweren mag, aber, wie es für slawische Sprachen üblich ist, sehr gut zur Musik passt.

Ich kann deshalb ohne Übertreibung behaupten, dass es sich bei BIGBIT JE V NÁS um ein Highlight des osteuropäischen Metals handelt, das jedem Vergleich standhält.
Es ist etwas schade, dass bei der deutlich häufigeren Unisound Records-Pressung (von der ursprünglichen Veröffentlichung wurden nur 560 Stück gepresst, von denen wohl die wenigsten die tschechische Heimat der Band verlassen haben) die Aufmachung so spartanisch ist, wie man es vom Label kennt. Dass die tschechischsprachigen Songtexte weitgehend fehlen, ist für die meisten nicht-tschechischen Hörer wahrscheinlich insofern nicht ganz so schlimm, dass sie sich dem Verständnis entziehen; ein wenig mehr wäre trotzdem möglich gewesen,.
Trotzdem möchte ich eine absolute Empfehlung für all jene aussprechen, die etwas mit traditionellem Metal anfangen können und sich an nicht-englischsprachigem Gesang nicht stören.

Punkte: 9.5 / 10


Login
×